Bremsbeläge und ein verdienter Diebstahl

Das Wichtigste an einem Auto, direkt nach den Rädern, sind die Bremsen. Ausser man wirft gerne mit Geld und der eigenen Gesundheit um sich, wie Michael Jackson es bestimmt gerne tat. Meine Bremsbeläge waren schon sehr ausgedünnt, also entschliesse ich mich, neue zu installieren.

Wie funktionieren die Vorderbremsen eines Autos?

Hinter den zwei Vorderreifen eines Autos ist eine metallene Scheibe versteckt. Diese Bremsscheibe wird im Fall einer Bremsung von zwei Paketen gedrückt, es entsteht Reibung und das Auto bremst. Ähnlich wie bei einem Fahrrad, bloss, dass die Bremspakete beim Fahrrad aus Gummi und beim Auto aus einem stein-/metallartigen Material bestehen. An jeder Bremsscheibe liegen zwei Bremspakete, die die Scheibe wie eine Zange in die Mangel nehmen können.

Drückt man als Fahrer auf die Bremse, wird unkomprimierbare Flüssigkeit innerhalb durch einen dünnen Schlauch in einen Zylinder(Bremskolben) gepresst, der sich direkt an den Bremspaketen befindet. Durch ein hydraulisches Prinzip übt man mit wenig Kraft und viel Weg am Bremspedal unten an den Bremsbelägen viel Kraft mit wenig Weg aus: Der Zylinder drückt sich gegen den Bremsbelag, woraufhin dieser und sein Gegenspieler an der Bremsscheibe zu schleifen beginnen. Durch einen einfachen, sanften Tritt kann man die schnell rotierenden Bremsscheiben stoppen: Das ist das Prinzip einer hydraulischen Autobremse.

Wirkung der hydraulischen Scheibenbremse für Autos: Flüssigkeit presst einen Kolben, der wiederum zwei Bremsbeläge auf die Bremsscheibe drückt. <br/>Quelle: Wikipedia

Wirkung der hydraulischen Scheibenbremse für Autos: Flüssigkeit presst einen Kolben, der wiederum zwei Bremsbeläge auf die Bremsscheibe drückt. Quelle: Wikipedia

Wie wechselt man die Bremsbeläge?

Mein Lebaron am Wagenheber: Die Radachse liegt frei, Reifen, Bremsscheibe, alte Bremsbeläge und Radkappen sind abgenommen.

Mein Lebaron am Wagenheber: Die Radachse liegt frei, Reifen, Bremsscheibe, alte Bremsbeläge und Radkappen sind abgenommen.

Die Bremsscheibe besteht aus einem härteren Material als die Bremspakete, welche sich mit der Zeit und Anzahl an Bremsungen abnützen und verdünnisieren. Um einen Schaden an der Bremsscheibe zu verhindern, muss man die Bremsbeläge wechseln, sobald sie zu dünn werden.

Die folgende Anleitung ist für einen Chrysler Lebaron, bei allen Autos sollte jedoch ziemlich dasselbe Prinzip herrschen.

  1. Reifen vom Auto wegdrehen (als würde man ausparken wollen), um mehr Platz zu haben. Auto abstellen und Handbremse fest ziehen.
  2. Einen Wagenheber unter das Auto stellen, nahe zum Reifen, an dem man die Bremsbeläge wechseln will. Es gibt spezielle Stellen, an denen der Wagenheber besonders gut greift, üblicherweise eine Verdickung oder Kante.
  3. Mit einem grossen Radmutterschlüssel (entweder L- oder X-förmige Versionen) die sechskantigen Schrauben an den Rädern lösen. Im Falle einer Radkappe muss man diese zuerst heraushebeln/abschrauben. Falls die grossen Schrauben rostig sind, es gibt spezielle Sprays, die rostige Schrauben lösen.
  4. Reifen abnehmen und unter das Auto legen, im Falle dass der Wagenheber sich löst kann diese Sicherheitsmassnahme einigen Ärger ersparen.
  5. Nun sieht man die Bremsscheibe, ein klauenförmiges Gebilde (der Bremssattel) darüber, innerhalb der Klaue die zwei Bremsbeläge. Mit einem Schraubenschlüssel lassen sich zwei glitschige, nicht allzugrosse Sechskantschrauben herauslösen – diese dienen als Spielraum für die Klaue, sodass beide Bremspakete Druck ausüben können. Es mag sein, dass die Klaue relativ fest sitzt – einfach durch Wackeln, Drücken, Drehen und Ziehen lösen.
  6. Die Klaue auf erhöhter Position abstellen und nicht am Schlauch hängen lassen. Nun sieht man die beiden Bremsbeläge, die durch eine metallene Drahtklammer am Bremskörper festgedrückt sind – einfach abnehmen. Zuerst den einen Bremsbelag, dann die Bremsscheibe, dann den anderen Bremsbelag. Scheibe reinigen.
  7. Neue Bremsbeläge bei Bedarf etwas abschleifen oder am Randstein wetzen, wenn sie eine Schutzschicht haben. Meistens werden sie mit einem Gleitmittel geliefert: Dieses kommt an alle Stellen, an denen die Bremsbeläge sich bewegen – ausgenommen die Kontaktfläche mit der Bremsscheibe. Die Bremsbeläge MÜSSEN maximale Reibung auf die Bremsscheibe ausüben, sonst rollt das Auto bei einer Bremsung einfach weiter (ich habe natürlich diesen Fehler begangen und musste nachher alles abschaben und wegwischen).
  8. In umgekehrter Reihenfolge die Bremsbeläge und Bremsscheibe wieder zusammensetzen, Gleitmittel auf die Schienen, auf denen die Bremsbeläge hin- und herfahren, schmieren. (optional)
  9. Der/die Bremszylinder ragen noch aus der “Bremsklaue” heraus; während die Bremsbeläge dünner wurden, kompensierte das Bremssystem das mit einem permanenten Herausschieben der Bremszylinder. Ein flaches Objekt nehmen (etwa einen alten Bremsbelag) und auf den Zylinder legen. Mit einer C-förmigen Schraubzwinge (man erinnert sich an Werken – die Dinger, die man zum Zusammenleimen zweier Holzplatten benutzt, um Druck auszuüben) kann man dann langsam die Zylinder zurück in die Bremsklaue drücken (bzw. die bremsflüssigkeit zurück zum Hauptreservoir).
  10. Gleitmittel auf die langen, glitschigen Schrauben schmieren (optional), Klaue zurück auf die Beläge setzen und Schrauben fixieren.
  11. Reifen unter dem Auto hervorholen, aufsetzen, anschrauben, Wagenheber herunterkurbeln und entfernen.
  12. Auf anderer Seite genau dasselbe tun.

Grossartig! Sie haben Ihre Bremsbeläge gewechselt und keine 100$ (rund 1.7 Millionen Lire) dafür bei einem Mechaniker aus dem Fenster geschmissen!

Noch schnell etwas Zubehör kaufen…

Ich hatte selbst natürlich keine C-förmige Zwinge, und fahre mit dem Auto los, um eine zu kaufen. Am Parkplatz von Autozone, einem Autozubehörgeschäft mit grosser Auswahl, möchte ich ein Foto schiessen – und finde die Kamera nicht. Scheisse. SCHEISSE! Wo ist die Kamera?!

Ich durchsiebe mein Auto: Keine Spur von einer Kamera. Und dann kommt es mir: Ich habe die Kamera zusammen mit anderen Inhalten aus dem Kofferraum hinter das Auto gestellt… und zwar zuhause. Ich springe in das Auto, manisch. Motor angelassen, Gas geben … 10, 20 MPH, 25, 30… und schon bin ich im Limp-in Mode. Humpelmodus. Mit Tempo 25MPH (etwa 15 Knoten) zwanzig Minuten lang nach Hause.

Auf der Strasse: Nichts. Auf dem Rasen neben dem Gehsteig: Mein Klumpert aus dem Kofferraum … aber keine Kamera. VERDAMMT! SHIT! Ich überlege blitzschnell, was zu tun ist. Ich muss mich auf die Suche machen. Sofort.

Konstruierter Tathergang mt möglichen Fluchtwegen

Konstruierter Tathergang mt möglichen Fluchtwegen

Dem Täter auf der Spur

Ich laufe bis zur nächstgrossen Strasse. Unter einem Feigenbaum treffe ich ein paar Bauarbeiter, die auf Arbeit warten.
“Did you see someone with a black camera?!”, frage ich verzweifelt.
“Nooo men, nooo”, meint ein Mexikaner. “I didn´t see anyone”, ein anderer.
“A black camera? With red.. mh, lens?”, fragt ein Asiate. “YES! Thats it!”

“I saw a woman, she had the camera in her hand. About fourty minutes ago.”
Ich bin aufgeregt. Eine Spur! “How did she look like? How old? What kind of clothes?”

“Well … she was very good looking for her age, like, she was 50 or so, attractive, tall, a white woman with big breasts. And she wore a striped shirt, colorful. Brown hair, I think. She walked that way”, erklärt der Arbeiter und deutet in Richtung Pico Boulevard, eine der Verkehrsarterien von West Los Angeles. “Thank you!”, keuche ich und laufe in Richtung Norden.

Wo mag sie hingegangen sein? Nach Hause? Was, wenn sie die Kamera verkaufen wollte? Klarerweise kann ich nicht bei jedem x-beliebigen Privathaus anläuten mit der Frage, ob die Bewohner meine Kamera geklaut haben… aber ich kann versuchen, einen zweiten Punkt zu identifizieren, den sie passiert hat. Das würde mir Anhaltspunkte für eine generelle Richtung geben. Ich laufe in den BestBuy-Elektronikladen. Der Begrüssungsmann hat sie nicht gesehen. Eine weitere Gruppe von Bauarbeitern, weiter nördlich. Sie sitzen oftmals den ganzen Tag herum, daher perfekt als Zeugen. “No, sorry maaan, no woman with camera”
Ich schliesse eine Flucht nach Norden damit aus. Im Westen frage ich eine Jeansverkäuferin, ob jemand mit einer Kamera das Geschäft betreten hat. Nein. In einem Burgerrestaurant. Nein. Bei einem mexikanischen Schnellrestaurant. Nein. Der Verkäufer in einem Alkoholladen. Nein. Ein Ankauf-Verkauf-Geschäft. Nein.

Ich sehe einen Stripclub. Vielleicht war sie eine Stripperin? Gross, grosse Brüste .. aber 50 Jahre alt? Nein. Westen ist auch ausgeschlossen.
Im Osten hat sie niemand gesehen. Die Kamera wurde vor mehr als einer Stunde gestohlen. Ich kann die Frau nicht mehr einholen. Die Kamera ist verloren…

Der Täter kehrt immer zum Tatort zurück – zumindest bei Agatha Christie

Als letzte Ressource krame ich Kartons aus einer Altpapiertonne, beschrifte sie und hänge sie, genau am Diebstahlsort, in die Fenster meines Autos. Man kanns ja mal probieren… tja, scheisse gelaufen. Im Endeffekt, wer auch immer die Kamera mitgenommen hat, nahm wahrscheinlich an, dass jemand das Kleinod mit einem Haufen Autozubehör auf der Strasse zurückgelassen hat – und in den USA ist es nun einmal guter Ton, alte, ungebrauchte Möbel auf die Strasse zu stellen, damit sie jemand mitnimmt, der sie noch brauchen kann. Die Schuld liegt auf jeden Fall bei mir.

Ich rufe bei der Polizei an und muss unangenehm viele Personalien angeben – nicht nur Adresse, Name und Telefonnummer, sondern auch Hautfarbe, Grösse, Gewicht und Führerscheinnummer.
Wird jetzt wohl keine Fotos im Blog geben, bis ich eine neue Kamera gekauft habe.

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.