Amerikanische Fernsehsendungen, die Europa braucht

In Europa sind wir ja bereits einiges gewöhnt von TV-Formaten, die aus dem amerikanischen Raum stammen. Von Talkshows, bei denen sich Geschwister prügeln, bis hin zu Shows, wo man Polizisten dabei zusehen kann, wie sie Kleinverbrecher zur Strecke bringen. Da ich dem US-amerikanischen Fernsehen ausgesetzt bin, finde ich mich in einer inspirierenden Welt des Bulimie-TVs wieder:

Man sieht es sich leidenschaftlich an, würde sich im Anschluss aber am Liebsten übergeben. Hier also einige TV-Formate, die es in Europa leider nicht gibt (Gründe absolut unerklärlich):

16 and Pregnant

Worum es geht:

Diese Show handelt über ungewollt schwangere Teenager und ihre potenten Liebhaber. Ein Kamerateam begleitet das Pärchen in den Monaten während der Schangerschaft, bei der Geburt sowie in den Monaten danach; durch die Greuel, die diese Teenager erleben, soll Zuschauern im geschlechtsreifen Teenage-Alter beigebracht werden, ihre Sexualität zu zügeln. Der Fokus liegt hier weniger auf gelernter und verantwortungsvoller Verhütung, sondern auf Abstinenz.

Hintergründe:

Interessanterweise ist dieser Abstinenzwahn – „Just don´t do it until you´re married!“ ein relativ dominantes Phänomen in den USA. Würde ein Lehrer in einer österreichischen Schule Enthaltsamkeit als Hauptbestand von Sexualkunde erklären, würde er sein pädagogisches Grab schaufeln. Hier in Amerika ist das nicht nur toleriert, sondern meistens auch noch offizieller Lehrplan. Manche Eltern protestieren sogar dagegen und hätten am Liebsten gar keinen Sexualunterricht.

So gesehen hat die Show einen Lehreffekt für geile Teenager, die ihre Sexualität erst hinter dem Traualtar ausleben sollen.

Damit verbunden ist die riesige Angst vor Abtreibung, die hier herrscht. Wenn ich mich recht erinnere, war so ziemlich niemand in meiner Schulklasse in Österreich vehementer Abtreibungsgegner. In der Ethikklasse am SMC war doch ein Grossteil der Studenten Abtreibungsgegner, „Pro-Life“ anstatt „Pro-Choice“. Diese Ablehnung von Abtreibung dürfte in den USA ebenfalls auf nationaler Ebene ähnlich aussehen – hier wird Sex anders betrachtet als in Europa.

Warum wir das in Europa brauchen:

Regiegeleitete Dramatik, überwiegend hässliche Kandidaten, verwöhnte Schnepfen mit Gewichtsproblemen: So sehen die Mitleid erregenden Teilnehmer dieser Show aus. Sie sind fett, jung und haben ein Baby – da werden wahre Gefühle gezeigt. Der Wahn, mit dem manche weibliche Wesen in meinem Freundeskreis diese Sendung verfolgen, zeigt eine seltsame Mischung aus Dramageilheit und Mitgefühl. Mein Gefühl, das ich während dieser Sendung verspüre, würde sich als schadenfroher Brechreiz beschreiben lassen.

Maxibreast

Maxibreast, das Schönheitsprodukt, mit dem man Freunde kriegt

Maxibreast, das Schönheitsprodukt, mit dem man Freunde kriegt

Diese Werbesendung auf mexikanischen Fernsehsendern beschreibt ein pillenförmiges Produkt, das nach Einnahme ein gewaltiges Anschwellen der weiblichen Brüste erzeugen soll. Die Herstellerfirma ködert mit lockenden Testimonien, wie etwa von einer haarsträubend überschminkten Dame in ihren frühen Dreissigern: „Before, with my small breasts, I didn´t have a lot of friends … but now, my breasts are bigger and I have a lot of friends!“

Übersetzung: „Anfangs war ich ein Aussenseiter, weil meine Brüste die eines Jungen waren. Doch jetzt, wo meine Titten doch gewaltig aufgepumpt sind, stellen mir eine Menge notgeiler Kerle nach!“

Durch die Werbung hindurch schlängeln sich Hühnerbrüstige, schöne Mexikanerinnen, die nach einem magischen Filmschnitt mindestens zwei Körbchengrössen mehr auf dem Gestänge haben und von ihrem neu gewonnenen sozialen Ansehen reden.

Jede Wette, dass dieses Produkt funktioniert…

Maxibreast Website

Police Chase Reports

Im Raum Los Angeles alleine gibt es so viele Verkehrssünder, dass alle paar Tage eine Verfolgungsjagd im Fernsehen gezeigt wird. Nachrichtenhelikopter folgen den Verdächtigen aus der Luft, während die klassischen schwarz-weissen Polizeiautos mit hunderttausend Sachen und qualmenden Reifen den Verbrechern auf der Spur sind. Nicht nur, dass die Nachrichten dadurch spannend sind, nein, die Moderatoren kommentieren im Hintergrund, als wäre gerade ein Formel-1-Rennen im Gange:

„Ooooh wow did you just see that! He passed by that truck, aha, now he is speeding over a bridge, and UH, look at that, amazing, the police cars just got his tail, they got him, this is it, this is it … OH MY GOD! They just rammed him, he spun around a whole turn and .. this is madness! He continues to drive! The police is coming in closer! WHAT! He did it again! NO! OH MY GOD!”

Nicht selten enden solche Verfolgungsjagden in gefährlichen Unfällen – der einzige Unterschied zwischen einer Verfolgungsjagd in einer amerikanischen Nachrichtensendung und in einem amerikanischen Actionfilm ist die Perspektive. Und dass bei einer echten Verfolgungsjagd eben echte Menschenleben am Spiel stehen.

Auch erheiternd: Am Ende einer Jagd laufen fünf Polizisten zum Auto des Verdächtigen, reissen ihn vom Sitz, wresteln ihn zu Boden und bilden, wenn nötig, einfach einen Stapel von Polizisten auf dem Übeltäter. Festgenagelt, und alles fein in den Nachrichten live gezeigt.

Olle Tratschtanten in News-Sendungen

Nachrichtensendungen in Österreich sind eine ernste Angelegenheit (Sepp Forcher ausgenommen, der ist eine alternde Angelegenheit). Die Kommentatoren lesen die Nachrichten von Telepromptern, spielen mit den Zetteln auf ihrem Tisch (die bestimmt leer sind) und verhalten sich professionell und teilnahmslos. Hin und wieder macht der Wettermann einen mittellistigen Scherz.

Auf gewissen Kanälen in den USA – bestes Beispiel FOX News – haben die Sender keine Scham vor Quotengewinn durch Niveauverlust, und stellen einfach eine olle Schnepfe mit blondem Haar und Push-Up-BH ein. Sie sitzt komplett sinnfrei zwischen älteren Herren, die gerne miteinander statt mit der Kamera reden. Das Bunny macht ein paar unlustige Witze, alle lachen, und sie stellt ihren Ausschnitt zur Schau. Dann sieht man einen Beitrag mit blutigen Kriegsopfern aus Israel oder Flutopfern aus Asien – und zurück geht es in die Altherrenrunde mit bärtigen Witzen und aufgetakelten Blondinen.

Hier eine Fotogalerie der weiblichen CNN-Newsheads (die scheinbar nur zufällig hübsch sind)

TMZ

Das ist Gossip-Grütze pur: Ein Haufen “Journalisten”, die in einem “Newsroom” sitzen und zu irgendwelchen Celebrity-Videos übelkeitserregende Kommentare schieben. Und zwar tagein, tagaus. Die Überheblichkeit dieser lächerlichen, niveaulosen “Reporter” treibt einen zur Weissglut.

Millionaire Matchmaker

Patti, die Verkupplerin von geldgeilen Hotties und langweiligen Millionären

Patti, die Verkupplerin von geldgeilen Hotties und langweiligen Millionären

Diese Show übertrifft alles, was aus amerikanischem Fernsehen kommt: Eine übergewichtige, mit 4kg Makeup herausgeputzte Puppe versucht funktionslose Beziehungen zwischen Millionären und willigen Golddigger-Hotties herzustellen. Die Millionäre erweisen sich als höchst antisozial, die Hotties sind bei allen Dates regiebedingt aus dem Häuschen und überglücklich, die “Liebe ihres Lebens” per Castingshow und Fleischschau gefunden zu haben.

Millionair Matchmaker Website

Geldgier trifft Notgeilheit – und das ganze vermittelt von Miss Pummelig, die von ihren Klienten Unsummen zwischen 50.000 und 100.000$ gezahlt bekommt.

Das besondere Extra an der Show ist die Persönlichkeit der “Selfmade Matchmakerin” Patti Stanger: Sie behandelt Mädchen wie Stücke von Fleisch und jedes andere menschliche Wesen um sie herum wie Tiere. Die Überheblichkeit und Arroganz der gut bezahlten Verkupplerin übertrifft selbst die Brechreize, die man während einer Episode TMZ bekommt.

Doch gerade die Brechreize und Wut auf Patti sind es, die die Show so sehenswert machen: Man sieht sie einfach, um sich über die Hostess aufzuregen. Mann, macht mich diese Show wütend.

BravoTV-Website von Millionair Matchmaker

Videobeispiel

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.