Der Filmclub

Beim wöchentlichen Dienstagstreffen des Filmclubs:  Vorne stehen die begleitenden Professoren sowie die Offiziere, Schreiber und der Präsident des Clubs.

Beim wöchentlichen Dienstagstreffen des Filmclubs: Vorne stehen die begleitenden Professoren sowie die Offiziere, Schreiber und der Präsident des Clubs.

Auf amerikanischen College-Campi ist es üblich, Clubs aus dem Boden zu stampfen. Ein Club ist eine Vereinigung von Studenten, die sich an ausgemachten Tagen in einer Räumlichkeit am Campus trifft und um das gemeinsame Interesse dreht.

Da gibt es beispielsweise den ominösen “Korean Campus Crusade for Christ“, das “International Student Forum” oder die “Phi Theta Kappa Honor Society“. Im Film Club dreht sich, wie der Name schon verrät, alles um Filme und das Machen dieser Kunstwerke. Wir sehen uns oft unveröffentlichte Filme von anwesenden Studenten an, reden über Steadycams und bilden Kommittees wie man sie aus amerikanischen TV-Serien kennt.

Die Clubs sind mit einer flachen Hierarchie organisiert; an der Spitze steht ein Präsident, für den Offiziere und Sekretäre einige Aufgaben übernehmen. Darunter steht die breite Menge.
Diese Regierungs-/Organisationsformen variieren von Club zu Club.

Auch wenn ich keine offizielle Position bekleide, reisse ich meinen vorlauten Mund bei jeder Gelegenheit auf:

Die grösste Hürde: Equipment

Die möglicherweise grösste Hürde für einen Filmstudenten am Anfang des Filmemachens ist – neben dem mühsamen Erstellen oder Finden eines exzellenten Drehbuchs oder dem Auftreiben einer verlässlichen, professionellen Crew –  das Equipment.
“Ich habe noch keinen Film gemacht, weil ich keine Kamera, kein Soundequipment und kein Schnittprogramm habe.” – so hören sich Ausreden durch die Bank an. Meine Ausreden waren genau dieselben.
Da dieses Problem für so ziemlich jeden Unerfahrenen im Filmclub gilt, denke ich mir: Das ist der richtige Ort für eine Lösung.

Gemeinschaftliche Anschaffung von Equipment

Das Mieten einer Kamera kostet in etwa ein Zehntel des Betrags, den man zahlt, um die Kamera gebraucht auf ebay zu kaufen. Wenn nun also zehn Studenten zehn Studentenfilme drehen und eine Kamera jeweils einen Tag lang ausborgen würden, hätten sie zusammen genauso viel ausgegeben, wie als wenn sie die Kamera gekauft hätten.
Sprächen sie sich also vor jeglichen Mietaktionen ab, könnten sie für das selbe Geld gemeinsam eine Kamera kaufen… und sie für hunderte anstatt für zehn Tage benutzen.

Beispielrechnung

Canon GL2
Bei Samy’s Kameraladen : 150$ Miete pro Tag
Auf ebay: 1000-1300$ gebraucht

Richtmikrofon (Shotgun Mic) & Tonangel (Boom Pole)
~25$ Miete pro Tag
Auf ebay: 80-120$ gebraucht

Mitglieder des SMC Filmclubs diskutieren und philosophieren gegen Ende eines Clubtreffens. An der Tafel sieht man Baudiagramme für Steadycams.

Mitglieder des SMC Filmclubs diskutieren und philosophieren gegen Ende eines Clubtreffens. An der Tafel sieht man Baudiagramme für Steadycams.

Der Filmclub hat 90 Mitglieder. Sagen wir mal, 30 davon wollen tatsaechlich einen Film schiessen. Wenn jeder 100$ diese Semester beisteuert, ergibt sich folgende Rechnung:

30×100$ = +3000$
2x Canon GL2 @ ebay = -2600$
3x Mic+Boom @ebay = -360$
Abrechnung: +40$

Im 1. Semester haben wir mit einem Einsatz von 3000$ von 30 Leuten: 2 Kameras, 3 Soundsets.
Im 2. 4 Kameras, 6 Soundsets
Im 3. 6 Kameras, 9 Soundsets
fuer insgesamt: 9000$

6 Kameras und 9 Soundsets ist bei weitem genug fuer alle 90 Leute im Filmclub. Da viele Leute nie dazu kommen, einen Film zu machen, weil sie das Equipment nicht haben, könnte es sogar sein, dass es mehr als die vorgeschlagenen 30 Leute sind, die Interesse hätten, was dazuzuschmeissen.

Über die drei Semester werden einige Leute gehen und einige Leute dazukommen, insgesamt wohl etwa 150 Leute, die durch den Filmclub gehen, davon 60 Leute, die etwas beitragen würden.

Meinen Überlegungen zufolge sollten die Kameras von Fakultätsmitgliedern aufbewahrt werden und gegen eine minimale Leihgebühr von, sagen wir, 10$ pro Tag (so viel wie ein gutes Mittagessen) verliehen. Damit kann man dann leicht eine Versicherung für das Equipment kaufen…

Es muss noch einen Plan geben, wie das Verleihen so sicher wie möglich gemacht werden kann (so dass es keinen Diebstahl gibt).
Auch moeglich wäre ein Sponsor (wie etwa SMC selbst), der dem Club 9000$ auslegt und Stück fuer Stück innerhalb von 2 Jahren zurückgezahlt bekommt…

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.