Fette Weiber und schnelles Adrenalin

Ich bin wieder einmal in Sixflags Magic Mountain, dem achterbahndurchzogenen Vergnügungspark inmitten dem wüstenartigen Norden von Los Angeles. Diesmal sind es nicht nur ich und mein ehemaliger Kollege Robert, sondern alle drei anwesenden Auslandsdiener in Los Angeles: Mario, Manuel und Gabriel.
Dass eine ordentliche Männerpartie auch ordentlihen Spass hat, ist selbstverständlich. Abgesehen von einer Terminator-Achterbahn ist noch alles wie beim letzten Besuch vor mehr als einem Jahr, doch diesmal gibt es zwei Besonderheiten:

Eine Frau so fett dass sie beinahe nicht in die Achterbahn passt

Wir alle kennen dieses Gefühl … die Bügel schnellen auf, die vorigen Fahrgäste des Rollercoasters springen aus den Sitzen und geben die Plätze frei; man setzt sich mit etwas Bangen, nimmt den Schulterbügel in die Hand und rat-tat-tat-tat lässt man ihn auf die Brust niedersinken, bis man eingepfercht genug ist, um nicht von der Bahn zu fallen. Wir Jungs stehen gerade in der Schlange einer silbergrauen Batman-Achterbahn, als vor unseren Augen eine etwas beleibtere Dame die Bahn besteigt.

Sie zieht den Bügel herunter, doch das rattern bleibt aus – ihr Körper ist so aufgequollen und gestopft voll mit Fett, dass der Bügel sich nicht einmal bis zum ersten Klicken einrasten kann. Der Bügel steckt auf ihren riesigen, schwabbeligen Brüsten fest, die keinen Platz machen können, da ihr fetter Bauch jegliche Flucht unmöglich macht.
Zwei Angestellte werden aufmerksam auf den gepeinigten Fettkloss und eilen zur Hilfe. Ein köstlicher Anblick, wie beide Aufseher sich mit allem Gewicht gegen den Bügel stemmen, dann zudrücken, und von einer magischen Fettwabbelfeder wieder zurückgeschleudert werden. Mario nimmt das übergewichtige Chaos mit der Handykamera auf, während ich mich scheckig lache. “Schwere Menschen haben es schwer” würde der passende Slogan sein.
Nach einer scheinbaren Ewigkeit des Lehnens, Drückens und stossens, klickt der Bügel. Einmal. Mehr geht nicht.
Auf der Seite des Sitzes sieht man das Fett herausquillen. So geht das Muffin dann auf die Reise – und ward nie mehr gesehen…

Die Chaostruppe v.l.n.r: Mario, Manuel, Schrumpelmaskottchen, Ich, Robert und Gabriel

Die Chaostruppe v.l.n.r: Mario, Manuel, Schrumpelmaskottchen, Ich, Robert und Gabriel

Exit Clearance für die Frauenhelden

“Hey, let’s look at the cars!”, schreit Gabriel mit schriller Begeisterung. Er und Robert haben ein paar Promotion-Autos am Vergnügungsgelände entdeckt, die verlost werden. Wir sehen uns also die Schlitten an – durchwegs schön polierte SUVs mit einem Sprit-Weg-Verhältnis jenseits von gut und böse (laut den Herstellerangaben aber doch nicht so schlecht). Während wir also im Inneren der Autos herumfuhrwerken wie kleine Kinder am Spielzeugkarussell, spricht uns die Hostess an. Jung, blond, riesige Sonnenbrille und belastet mit einem klitzekleinen Problem: Heute hat sich noch niemand für die Verlosung eingetragen. Nach etwas Verhandlungskunst und Gabriel’schem Charme handeln wir aus, dass wir ihr fünf Unterschriften liefern und im Ausgleich auf Goliath und dürfen.

österreichisches Achterbahn-Weltmeisterschaftsteam beim mühsamen Aufstieg, in den Fussstapfen von Reinhold Messner

österreichisches Achterbahn-Weltmeisterschaftsteam beim mühsamen Aufstieg, in den Fussstapfen von Reinhold Messner

Sie erklärt uns, dass sie ehemalige Managerin der Riesenachterbahn Goliath war (die Bahn hat ein Gefälle von 61°, 78 Meter tief bis unter die Erde) und uns dort ohne Probleme hineinschmuggeln könne, X² aber leider ausserhalb ihrer autoritären Reichweite liegt und sie am Parktelefon nicht durchkommen konnte. Wir begeben uns also zu Goliath, warten fünf Minuten und werden in die erste und zweite Reihe platziert – vor den Augen derer, die sich für anderthalb bis zwei Stunden angestellt haben. Jackpot.

Adrenalingeladen versuchen wir unser Glück bei X², der populärsten Achterbahn im ganzen Park, die mit Anstellzeiten von drei bis vier Stunden, senkrechtem Gefälle, drehbaren Sitzen, mannsharter Rockmusik und Flammenwerfern protzt. Gabriel leitet uns an, nicht zu lachen und ihn reden zu lassen, kriegt in letzter Sekunde jedoch das Muffensausen. Also bin ich an der Reihe.
“Hello, we are friends of Jeanette XZY, the former manager of Goliath. She told us we could get exit clearance on X², but couldnät reach you guys with the phone.”
“Talk to someone over there”, leitet uns eine Frau in gelbem Jäckchen an. Ich rasple mein Süssholz vor einem Typen direkt an der Einsteigestation ab, woraufhin dieser die Stationsmanagerin holt, welcher ich ebenfalls mein rhetorisches Dessert auftische. “Alright, go ahead!”
Und das wars. Anstellschlange ausgetrickst.

Doch plötzlich, technische Schwierigkeiten, die Bahn stockt, Techniker nehmen Schaltungskästen auseinander … und wir müssen doch glatt eine halbe Stunde warten, bis die Bahn wieder funktioniert. Frechheit.

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.