Filmequipment en Masse – Expo

“Toby, my father is going to a film expo in Pasadena. Wanna join us?”, ruft mich Josh an.

“Hell yeah!”

Peter Z., jüngster General Manager ever

Peter Z., jüngster General Manager ever

Und ab gehts. Josh, sein Papa, dessen Mitbewohner (ein Peruaner mit kilometerlangem, superglatten Haar) und ich brausen in einem alten Mercedes in Richtung Nordosten, am Freeway zwischen den Wolkenkratzern hindurch, lassen Downtown LA hinter uns und segeln in die wüstenartige Freiheit von Pasadena. Obwohl immer noch dichte Bebauung herrscht, scheint die Gegend von blauem Himmel und den Pasadena Mountains definiert zu sein. Wir parken in einem Shoppingcenter und kreuzen eine prunkvolle Strasse, um zum Messegelände zu gelangen.
Das Gesicht von Downtown Pasadena (jeder Bezirk hat seine Downtown) wird von allerlei steinernen Bauten, kolonialer Architektur, romantischen Brücken und ziervollen Stuktuaturen definiert. Nicht europäisch, nicht wirklich Amerika-Billigbau; Pasadena eben. Man muss selbst dort vorbeischauen, um es zu verstehen.

Jedenfalls dreht sich Josh’s Vater zu mir um und meint “So, we will go in for a while and come out again in about thirty minutes; then we can give you one pass and you can check it out.”
Halt mal, ich wurde eingeladen! An der Kassa kostet ein Pass 20$, aber da Josh’s Papa aus der Filmindustrie kommt, wurde er mitsamt einem Gast eingeladen. Mister Langhaar ist ebenfalls Filmemacher und kommt gratis rein – und ich bleibe draussen stehen; von der Himmelsbläue zu Asche verstrahlt.

Da kommt mir die Idee, Leute um ihre Pässe zu fragen.
“Excuse me, are you leaving the exhibit?” “No, we are just grabbing some lunch.” “Ah, thanks.”

So geht es ein paar Mal, bis ich einen älteren, asiatischen Herrn anspreche und nach ein wenig Verhandlung seinen Pass umgehängt bekomme. Mein neuer Name ist Peter Z., und ich bin General Manager von einer Softwarefirma. Cool.

“WELCOME PETER!”, schreit mich die Begrüssungsdame an. Mit 20 Jahren bin ich bestimmt der jüngste General Manager auf dem Parkett.

Die Ausstellung ist der Hammer; Kamerakräne, Steadycams, Lichter, 32mm-Adapter (Letus-Adapter), Fernsehkameras … einfach alles was mit Metall, Männlichkeit und Kameras zu tun hat. Ich bleibe an verschiedenen Ständen stehen und spiele mich mit dem unleistbar teuren Equipment.

Lange Haare schweben durch die hitzige Luft von Pasadena... angeblich benutzt der Kerl keine Haarprodukte. Das glaubt doch kein Mensch...

Die lange Haare meines Bekannten schweben durch die hitzige Luft von Pasadena... angeblich benutzt der Kerl keine Haarprodukte. Das glaubt doch kein Mensch...

Hier auf dieser Filmexpo sind alle Kamerafreaks vereint und ich wühle mich ganz heimatlich

Hier auf dieser Filmexpo sind alle Kamerafreaks vereint - und ich wühle mich ganz heimatlich durch die Stände

Links eine Drehrad-Fernsteuerung für eine Kamera; mit zwei Dimensionen kann man die Kamera schön herumwirbeln lassen und die Bewegung aufzeichnen. Zur Rechten ein Steadycam-Harnisch.

Links eine Drehrad-Fernsteuerung für eine Kamera; mit zwei Dimensionen kann man die Kamera schön herumwirbeln lassen und die Bewegung aufzeichnen lassen. Zur Rechten ein Steadycam-Harnisch samt montierter RED-Cam. Der meiste Funktionsumfang der Steadycam besteht aus dicken Federn, die das Gewicht der Kamera "aufheben" und sie dadurch unglaublich flüssig durch die Gegend gleiten lassen. Der Mann im Bild ist einer meiner vielen General Manager-Freunde.

Relativ primitive Kamerakräne, die von einem Mann bedient werden können.

Relativ primitive Kamerakräne, die von einem Mann bedient werden können.

“Thank you, Peter”, sagt ein Mann, nachdem ich ein Steadycam-Harnisch ausprobiert habe.
“Can I scan you, please … Peter?”, meint ein anderer an einem 32mm-Adapter Stand. Scheisse, jetzt schnappen sie mich, nehmen mich fest und deportieren mich in den Osten.
Der Mann nimmt eine Scanmaschine, die wie eine Schmalspur-Laserkanone aussieht. Mein Tod, mein Rauswurf. Ganz knapp.
Ich sehe das rote Licht über meine geklaute ID blitzen. In meinem Kopf sehe ich schon die Securityguards herumrennen.
“Thank you, Peter! Have a good day!”

Ha, diese Idioten. Ich bin doch gar nicht Peter.

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.