Der gelbe Firebird, oder: Cinderella Story

Ich fahre zwar nur selten Auto, aber wenn, dann verbrauche ich eine Menge Sprit. Nicht, weil ich im LIMP-Mode fahre, sondern weil ich mir bereits ein neues Auto gekauft habe, um endlich das rote Cabrio loszuwerden – und dieser Neuzugang eine Menge Benzin schluckt.

Der neue Wagen, ein Pontiac Firebird Baujahr 1992, ist seit knapp zwei Monaten Teil meines Fuhrparks. Meine Unfähigkeit, das rote Auto zu reparieren und die massenhaft grauen Haare die mir vor Frust wuchsen, bewegten mich zu der Entscheidung, vor dem Verkauf des alten den neuen Wagen zu kaufen. Ich verheimlichte Ihnen die Existenz meines Zweitwagens, werter Leser – aus persönlicher Peinlichkeit und einer Abneigung gegen Schönlinge mit grossen Fuhrpärken.

Doch heute oute ich mich: Ich habe zwei Autos, und beide sehen aus wie amerikanische Traumwägen – trotztdem ist bei beiden etwas  unter dem äusseren Schein krumm. Mit dem roten LeBaron Convertible ist so viel im Eimer, dass ich ihn einfach nur los werden will. Der gelbe Pontiac Firebird ist so ein richtig klassisches Musclecar und steht mir wie angegossen.

Der Schweizer Mechaniker und sein Pech

Drehen wir die Uhr zurück in den August: Ich treffe mich nach mehreren Telefonaten mit dem Verkäufer eines Pontiac Firebird. Nach wenigen Minuten am Telefon stellen wir fest, dass er Schweizer ist und ich Österreicher bin, und unterhalten uns nur mehr auf Deutsch. Diese Sprachgemeinsamkeit setzt einen freundschaftlichen Gesprächston – so, wie man eben sofort Freunde ist mit jemandem im Ausland, der Deutsch sprechen kann. Wie auch immer, wir machen uns einen Treffpunkt nahe meinem College-Campus aus (ich kann den roten Wagen ja nur mit 0,001km/h bewegen), um den Wagen zu testen und bei Zufriedenheit den Verkauf abzuschliessen. Dummerweise, fünf Minuten vor dem ausgemachten Treffpunkt, ruft er mich an und meint, eine der Rollen, die den Keilriemen halten, wäre abgebrochen. Zu dumm. Dass der Wagen genau zur Übergabe zusammenbricht, gibt mir einen Verhandlungsvorteil von etwa 500$. Jetzt die Frage, was, wenn er wirklich nicht mehr funktioniert? Der Schweizer versichert mir, ich müsse nur die Rolle und deren Halterung auswechseln, und alles wäre wieder beim Feinsten. Wir setzen einen Vertrag auf – im Falle, dass der Wagen nicht funktionstauglich ist, gebe ich ihn zurück und bekomme mein Geld wieder -, wir schlagen Hände und schwupp, der Wagen wird zu meinem Haus geschleppt. Am nächsten Abend kaufe ich die Ersatzteile und montiere das Teil mit fachmännischer Keilriemenerfahrung, die ich am LeBaron erworben habe. WROOOOOOMMMM – der Wagen zieht mit Monsterstärke ab, hat eine fette Musikanlage, ist komplett gelb lackiert, Klappscheinwerfer – eine Cinderella-Story, wie man hier in den Staaten zu sagen pflegt.

Das Satansbaby unter der Motorhaube

Nach ein paar Wochen herumprotzen und joyriden springt der Wagen plötzlich nicht an. Es macht einfach nur “klick”, wenn ich den Schlüssel in der Zündung herumdrehe. Nach zwei, drei Anläufen startet der Wagen dann doch wieder. Seltsam. Ein paar Wochen später bemerke ich viel zu hohe Drehzahlen für zu wenig Beschleunigung. “It’s the treeeensmission!”, ruft mir James eines Tages zu, während ich den Wagen vor unserem Apartmentkomplex parke. James muss es wissen, der ist schliesslich Autospengler seit knapp 5000 Jahren.

Scheisse. Wie ich Getriebeschäden doch hasse – zuerst der LeBaron mit seinem LIMP-Mode, jetzt der Firebird mit seinen lächerlichen Drehzahlen. Daher auch der hohe Benzinverbrauch – im Wageninneren beschleunige ich dauernd von 0 auf 100 in 5 Sekunden. Dass man dieses Satansbaby, das fröhlich in der Getriebeflüssigkeit schlummert, nicht einfach abtreiben kann, ist offensichtlich. Ich muss einen anderen Weg finden … denn dieser Firebird ist ein richtiges Kleinod. Hier eine Happyness Compilation mit all den Erfolgsmomenten, die ich in diesem Wagen erlebt habe.

 Bescheidener Familienwagen in gelber Sonnenblumen-Ausführung. Ein Spass für klein und nicht allzu gross!

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In diesen Sportwagen passen nicht nur meine Lenden aus Titan und mein Riesenhirn, sondern gleich ganze Türen. Man erinnere sich: Ich schlafe in einem offenen Zimmer, das einen Vorhang hat. Jetzt nicht mehr, dank meiner 40$-Tür (knapp drei Kamele in arabischer Währung).

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Grössenvergleich von Aussen, und protzige Innenausstattung. Pimp my ride? Ist doch schon gepimpt...

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Sonnenuntergänge scheinen von einem Firebird aus doppelt so schön zu sein - wer's nicht glaubt, dem wird die Nase gebohrt!

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Kurz bevor das neue Familienmitglied, die Tür, eingereiht wird. Zur linken sieht man mehrere hözerne Pfähle: Diese stemme ich zwischen Boden und Decke und kreire einen starken Halt für die Tür.

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About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.