Das Damenrad: Save the Testicles!

Meistens fahre ich mit dem Bus zur Uni. Auch wenn ich es als Umweltschutz abtun könnte – der wahre Grund ist Zeit: Ich wohne zwei Minuten von der Busstation entfernt, und muss sobald ich beim College aus dem Bus springe, keinen Parkplatz suchen. An einem normalen Schultag dauert das gut und gerne eine halbe bis ganze Stunde, einfach nur für das Ausschau halten nach einer Parkinsel. Denn gleichzeitig suchen etwa 200 andere Studenten nach Parkplätzen, die bereits von 5000 anderen Studenten belegt sind, oder so ähnlich.

Wer also clever ist, fährt mit dem Bus – oder parkt sein Auto einige Häuserblöcke weit weg.

Obendrauf habe ich einen Gas Guzzler – also genug Gründe, den Bus zu benutzen.

Sardinentransportation in Blau

Die Busgesellschaft, die Santa Monica abdeckt, heisst Big Blue Bus. Zu Stosszeiten wie etwa 10:30 in der Früh kann es sein, dass ganze drei Busse die Busstation passieren, weil sie so gestopft  voll mit Studenten sind. Das heisst, man wartet mehr als 40 Minuten, bis ein Bus kommt.

Auch wenn das öffentliche Verkehrssystem von LA verschrien ist: Die Busse in Los Angeles haben grossartige Technologien, die wir in Österreich vermissen.

  1. Behindertentransport: Menschen in Rollstühlen werden über Zugbrücken, oder transformierende Plattformen in den Bus gehoben; jeder bewegt sich gewohnheitsmässig und macht Platz für die behinderte Person. Ich werde in einem anderen Beitrag mehr darüber schreiben.
  2. Fahrradtransport an der Stossstange: Es gibt zwei Fahrradparkplätzean der Front des Busses, auf denen man sein Fahrrad abstellen kann, während man grössere Distanzen per Bus überquert (und im Falle eines Unfalls beschützt MEIN Fahrrad den Bus! Toll!).

Auch wenn die Busse grossartig sind, manchmal kann man sich einfach nicht auf sie verlassen. Und in diesem Fall brauche ich…

Ein Damenrad

Per craigslist suche ich seit mehreren Wochen und Monaten nach einem Fahrrad. Mit Hindernissen der Verdrängung: zuerst funktioniert mein rotes Auto nicht, sprich, ich kann nirgendwo ein Fahrrad abholen – und dann bin ich so begeistert von meinem gelben Auto, dass der Wunsch des Fahrrads wieder in den Hintergrund verschwindet.

Wie ihr wisst, ist der Firebird ein fettes Benzinschwein, und als ich meinen Spitverbrauch überwache, scheint der Fahrradwunsch wieder auf. Prompt finde ich eines nahe des Golfplatzes, schreibe eine Email an den Verkäufer, bekomme einen diskreten Anruf und mache mich nach einer Golfklasse auf den Weg.

Irgendwo in Inglewood, zwischen Ghettozäunen und Fastfoodketten (erinnert sehr an die weiter östlich gelegene Gegend von dem Bodyshop) finde ich ein flaches, spanisches Haus mit der richtigen Adresse – und einem Fahrrad im Vorhof. Ich rufe die Handynummer an, und ein Mann um die 25 kommt aus dem Haus. Er trägt das Fahrrad zum Gartentor.

“Good morning, how are you?” [diese Frage beantworte ich nur mehr selten]
“Try it out!”

Das Fahrrad läuft wie eine Eins, sieht aus wie neu und hat einen Gelsattel, der meine hodenbasierenden Nachkommen schützt. Klasse. Ich hasse nämlich diese superstylisch-engen Herrensättel, die knapp etwas breiter als die Arschritze sind und sich nach einer 2-Stunden-Fahrt tief in den Dickdarm eingegraben haben.

Angeschrieben war das Fahrrad mit 65$, ich handle auf 60 herunter, nehme den Vorderreifen ab, werfe das ganze Klump in meinen Firebird und mache mich aus dem Staub. Was für ein Deal… das muss glatt Schmugglerware gewesen sein, niemand verkauft so ein Fahrrad für 60$…
Mir ist die mehr oder weniger schmutzige Vergangenheit aber verglichenermassen hanswurst, denn jetzt bin ich ethisch unfehlbarer Umweltfreund am Sattel eines Drahtesels!

Das Damenrad des Herrn Deml - mit Gelsattel, Periodenlenkung und Fruchtbarkeitspedalen

Das Damenrad des Herrn Deml - mit Gelsattel, Periodenlenkung und Fruchtbarkeitspedalen

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.