Was zählt, ist das Outfit

Tobias Deml an einem ganz normalen Tag im Edel-Ludenoutfit

Tobias Deml an einem ganz normalen Tag im Edel-Ludenoutfit

Wer mehr als 20 Euro für ein Hemd zahlt, ist ein Hirsel. Wer mehr als 20$ für ein Kostüm ausgibt, ist ein Vollidiot.

Dank meinem Verkleidungsfetisch und dem zwanghaften Verlieren von allen möglichen Habseligkeiten (Kleidung, Kameras, Nasenpopelmaschinen) habe ich mir einen studentischen Lifestyle des Kaufens angewöhnt. So gut wie alles was ich habe (abgesehen von meinem Laptop) kann man kaum billiger kriegen. Ich habe zwei schrottig-coole Autos für etwa 1600$ jeweils. Kein Hemd in meinem Schrank ist mehr als 20 Euro wert. Kostüme sind schon fast kostenlose, weil ich so viel nutzlosen Krampf besitze, aus dem ich jedes Jahr wieder neue Kostüme komponieren kann.

Im nebenstehenden Foto sehen wir folgende Artikel:

  1. Hut: 3$, Goodwill
  2. Bademantel: 0$, Erbstück
  3. Tuxedo-Hemd: 3$, Salvation Army
  4. Boxershorts: 1$
  5. Socken: 50 Cent
  6. Zu kleine Goblinschuhe: 0$, Erbstück

Was für Kleidung gilt, gilt auch für Kunst

Für jeden, der diesen Artikel liest und an Fotografie interessiert ist: Kauft euch anfangs keine scheissteure Kamera. Wer mehr als 500$ für seine erste Kamera ausgibt, sollte öffentlich mit Kuhfladen beworfen werden. Wenn es nach mir ginge, sollte man sich in den ersten paar Jahren Fotografieerfahrung nie teures Equipment zulegen.

Ich kenne Leute, die können bessere Fotos mit einem Handy schiessen als andere Leute mit einer 1500-Euro-Kamera. In der Digitalfotografie unterscheiden sich supertolle Profikameras von Amateurkameras fast nur durch Benutzung und Qualität. Solange man sich eine DSLR zum ersten Mal kauft, sollte man keinesfalls zu tief in die Tasche greifen. Meine Kamera, mit der ich alle Fotos auf dem Blog und sonstwo schiesse, hat mich 212$ gekostet. Eingerechnet den Neuwert des Minack’schen Objektivs wären es wohl um die 300$. Ich fotografiere seit mehr als 3 Jahren und hatte nie eine teure Kamera oder ein teures Objetkiv in meinem Besitz.

Solange man nicht für das Cover der VOGUE oder Fotostories für die BUNTE fotografiert, braucht man keine super Kamera. Klar, mit manchen Kameras kann man in der Nacht besser fotografieren. Klar, mit optischer Bildstabilisierung kann man schärfere Fotos schiessen – aber all das sind  nur Fragen der Bildqualität, und es gibt genug weltberühmte Fotografien, die rauschig oder verwackelt sind.

Geld sparen ist hier die bessere Taktik; speziell für Anfänger, die einfach nur fotografieren lernen wollen. Kaufen Sie sich, lieber fotografieinteressierter Leser, eine gebrauchte DSLR-Kamera (wie zum Beispiel die Canon EOS 10D, die ich habe) auf ebay. Dazu ein gebrauchtes Zoomobjektiv (zB das 18-55mm Kitobjektiv, mit dem man viel Flexibilität hat) – und Sie können da Handwerk der Fotografie mit all seinen Facetten lernen.

Von all dem Geld, das ich mir mit solchen Massnahmen spare, kann ich dann das Benzin für meinen Firebird zahlen…

Das einzige Problem mit dem Billigkonzept ist, dass es im Film nicht wirklich funktioniert. Die Kamera, mit der wir den Venice-Kurzfilm gedreht haben, kostete Josh ganze 1400$… und eine vergleichbare HD-Qualität – die im Film oft den Amateur vom Profi unterscheidet – gibt es meines Wissens nicht für unter 500$.

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.