Das (SMC) Filmfestival

Grafikerkram

Das inoffizielle Filmposter, 100% Poposhop und C4D, für das (SMC) Film Festival 2009

Das inoffizielle Filmposter, 100% Poposhop und C4D, für das (SMC) Film Festival 2009

Sobald man sich in etwas höhere Ränge einer Bürokratie begiebt, begegnen einem all diese kleinkarierten Sesselfurzer, die einen Ausraster wegen einem Popel im Keller eines Gebäudes oder einem Namen auf einem Poster machen.

Nachdem ich eine Menge Arbeit in ein cooles Poster für das Filmfestival gesteckt habe, das vom Filmclub organisiert wird, wird mir gesagt: Das kannste nicht bringen, Junge. Es ist das Filmclub Filmfestival, nicht das SMC Film Festival. Der Schriftzug “SMC” darf nicht drinnen sein, obwohl es

  1. am SMC Campus stattfindet
  2. von SMC Studenten organisiert wird
  3. von des Associated Students (Studentenregierung) des SMC finanziert wird
  4. vom Filmclub veranstaltet wird, der sich am SMC trifft und von SMC-Professoren geleitet wird.

Aaaanyway … es ist den Kampf nicht wert. Einfach guschen. Und das “SMC” rausnehmen.

In feinen Linnen zur High Society der sonst popeligen  Studenten

Der Abend ist ein sogenannter “Black Tie Event”, sprich, man muss in Anzug und Krawatte antanzen. Ich stolziere, von Lorena begleitet, durch eine der typisch-nebeligen Winternächte von dem Westen Los Angeles’. Im Winter wird es abends manchmal so nebelig, dass man kaum 30 Meter weit sehen kann. Wasserlachen übersehen den sonnengebackenen Campus des SMC, während wir wie zwei Operngäste gen Art-Komplex schweben. Ein paar weitere fein gekleidete Studenten laufen uns über den Weg, als wir den Kunst-Vierkanthof betreten. Hier werden alle Malerei- und Bildhauereiklassen abgehalten, im 1. Stock gibt es einen Hörsaal mit etwa 150 Sitzen.

Vor dem Eintritt in die grossen Hallen hat Chris, der Präsident des Filmclubs, die Filmclub-eigenen Scheinwerfer auf ein paar Spindte gerichtet, die mehr schlecht als recht mit einem weissen Bettlaken abgedeckt sind, bespickt mit Filmpostern und Elementen aus den zu-sehenden Filmen. Patricia DeBorba (die wir schon aus dem Bibliotheksshooting kennen) schiesst fleissig Fotos von allen angehenden Stars und Sternchen vor unserem Nachbarschaftshilfe-Fotohintergund.

Lorena und ich beim Filmfestival - ich mit Russenmütze (H&M für 13$) und Kamera, Lorena mit dem Filmprogramm (designed mit meinem Schweiss)

Lorena und ich beim Filmfestival - ich mit Russenmütze (H&M für 13$) und Kamera, Lorena mit dem Filmprogramm (designed mit meinem Schweiss) und Gummistiefeln: Sie hat eine übermässige Liebe für "Sweater Weather".

Auf den harten Treppen sitzend sieht es sich am Besten

Mann, bin ich aufgeregt. Ich versuche noch, zu allen Bekannten und Schnellfreunden hallo zu sagen, da wird schon alles dunkel, ich muss mich aus Platzgründen mit Lorena auf den Boden setzen  und der erste Film beginnt:

Ein Kerl, den ich vom Filmclub kenne, liest Zeitung am SMC Camus. Plötzlich sieht er die Zeitungsanzeige für dasFilmfestival, gerät in eine riesen Hetze, rennt die Treppen im Kunst-Vierkanthof hoch und springt gegen den Hintereingang.

Genau in diesem Moment stoppt der Film und der Schauspieler stolpert live vor die Leinwand. Gross gemacht!

Nach einer kurzen, ziemlich guten Kabarett-Einlage macht der junge Herr mit aufgeklebtem Bart für die überlebensgrossen 24 Bider pro Sekunde, die für die nächsten zweieinhalb Stunden vor uns herflimmern werden. Etwa 30 Kurzfilme von Mitgliedern des Filmclubs werden gezeigt. Nummer 2 am Start: “Faces of Venice”, mein erster Film, eine Dokumentation.

Lachen ist die beste Filmmedizin

Den Film habe ich meistens mit max. 2 Personen irgendwo in einem dunklen Editing-Raum gesehen. Manchmal gab es ein “hehe” oder ein “hm, that’s funny” – aber jetzt, im grossen Saal mit locker 200 Zuschauern, höre ich lautes Gelächter und Gegröhle – und es ist das beste Gefühl ever!
Jemand sagte mir mal, dass ein guter Film zwei Reaktionen hervorrufen kann:
1) That was AWESOME! Dude, what a great film!
2) Your film SUCKED! I literally HATED it! Shit!

Ein schlechter Film hingegen hört sich im Feedback so an:
1) Nice movie.

Das Gelächter und Jubeln zeigt mir, dass mein erster Film garnicht mal so scheisse ist, wie er sein hätte können. Während ich in mich hineinlächle und dem Dollhouse Dude bei seinen “esteroid-driven” Schwarzenegger-Bemerkungen lausche, wiegt mich das Gelächter des Publikum in eine einmalige Vollendungs-Trance – und ich vergesse ganz und gar dass ich stolz auf den steinharten Treppen des ART-Hörsaals Nr. 214 sitze.  Wie hätte ich zu diesem Zeitpunkt ahnen können, dass dieser Moment mit anderen später im Santa Monica Mirror verewigt wird…

Filme des SMC Festivals

Ein paar der Filme, die gezeigt wurden:

Nach zwei weiteren Stunden sind alle anderen Filme gezeigt und ich kratze meine letzten Groschen für eine dringend nötige Sitzfleisch-Rehabilitationstherapie zusammen. Man sollte Treppen aus Gummi herstellen.

Pizza und Preisverleihung

Das Festival wird mit gratis Pizza und Sprite – finanziert von der reichsten Studentenregierung eines Community College US-weit. Bei der nachfolgenden Preisverleihung gehe ich leer aus – aber wen schert das schon. Hauptsache, mein Film hat die Leute zum Lachen gebracht.

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.