Englisch und Massenmedien im Wintersemester 2010

Während viele Studenten des SMC im Winter Pause machen und am Strand von Santa Monica spazieren gehen, nehmen Lorena und ich ganz frivol zwei komprimierte Klassen, wie schon damals im Sommersemester 2009, wo wir Ethik und Rhetorik gemeinsam belegten.

Englisch – ein Haufen Satzbausteine

Unsere Englischklasse wird von einem entspannten, jungen Mann mit knittrigem Karohemd und ungeplanter, täglicher Stirnlocke um 8 Uhr morgens unterrichtet. Abgesehen davon, dass ich im “Schlaflos in Seattle”-Modus in der Klasse nur mit einer Gehirnhälfte anwesend bin, sauge ich allen Inhalt des Lehrplans wie ein Schwamm auf.

Ich crashte am ersten Tag der Klasse, sprich, ich war nicht angemeldet. Gut, dass ich bei der Verlosung Sau hatte – 3 aus 10 wurden aus einem Topf gezogen, ich war einer davon.

Unser Lehrbuch heisst “They Say / I Say”. Der Titel kommt vom Prinzip des Buches, nämlich, dass ein kritischer Aufsatz/Essay kein alleinstehendes Dokument ist, sondern ein Dialog mit bereits Gesagtem. Man fügt sich mit so einer Arbeit sozusagen in ein Gespräch ein. Das Buch präsentiert obendrauf noch eine etwas nutzlose Idee, mit Templates, sprich, vorgefertigten Satzbausteinen, zu arbeiten. Man findet solche Passagen zuhauf:

You want to counteract an argument of an opponent. To do this, practice with the following templates:

“I agree partly because of _____________, but to be honest I think that ______________.”
“X overlooks an important issue in his argumentation, namely________________.”
“Some people might say that _______________, but my research shows that ______________.”

Back to Kindergarten, sozusagen. Auch wenn das Buch eine dreiseitige, eloquente Erklärung bereithält, warum wir mit diesen Templates arbeiten sollen – ich finde sie sehr überflüssig. Well, jedem das Seine. Über die Klasse verteilt hin haben wir so gut wie jeden Tag Hausaufgaben, eine durchaus Zeit-anspruchsvolle Klasse; einer der Gründe, warum ich in letzter Zeit so wenig an meinem Blog schreiben konnte.
Wohl auch einer der Gründe, warum die anfangs vollgepackte Klasse über die ersten zwei Wochen hinweg auf maximal die Hälfte der Studenten schrumpfte – nur noch vereinzelt sitzen wir im Klassenzimmer und haben verhältnismässig mehr Sauerstoff…

Das Ziel der Englisch1-Klasse ist es, ein etwa 8-10-seitiges Research Paper zu verfassen, also ein kritisches Forschungspapier. Zu dumm allerdings, dass diese “Forschung” mehr mit Bücher lesen und zitieren zu tun hat als mit tatsächlicher Detektivarbeit. Seitdem ich in den USA bin, wunderte es mich immer, was es nun tatsächlich mit dem Gesundheitssystem auf sich hat und wie es in die derzeitige, miserable Lage kam. Ein guter Grund also, etwas Nachforschungen zu betreiben. Das Research Paper bot sich als gute Gelegenheit an, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen – und auf der Kopfleiste meines Research Papers thront der Titel “Health Care: People, Not Profit”.

Communications 1 – Massenmedien und deren Hintergründe

Auch hier crashte ich – mit Lorena gemeinsam – die Klasse. Das System der Auslese geschah durch eine Liste; gut, dass wir uns an dritter und vierter Stelle von etwa 20 Interessenten eintrugen; somit konnten wir in der Klasse enrollen.
Der Professor dieser Klasse ist ein braungebrannter Grinsepeter aus Hawaii mit kahl geschorenem Kopf und leicht abstehenden Ohren; seine spürbare Faszination mit den Massenmedien der Menschheitsgeschichte lässt selbst die notorischen Zappelphillip-Studenten still sitzend lauschen. Fraglos, als Lehrer hat er eine Unmenge Talent und ist einer meiner bisherigen Lieblingslehrer. Nur ein Punkt auf seiner Kursbeschreibung macht mich stutzig:

“If you plagiariye you will automatically fail the class and be reported to the Department Chair. Cite any sources using Chicago or MLA style – it’s way easier than screwing up your future and bringing shame upon yourself and your family.”

Die Schande über meine Familie durch Schummeln bzw. Kopieren habe ich in Österreich noch nicht gehört, schliesslich sind wir über das Mittelalter bereits hinweg.
Wie auch immer, nur kein saures Blut vergiessen.

Die Klasse ist gepackt voll vom Anfang der Klasse bis zum nahenden Ende (es verbleiben noch 1-2 Wochen). Wir lernen über die Geschichte und Ökonomie von Büchern, Radio, Internet, Funk, Fernsehen, Kabelfernsehen, Schallplatten, die Musikindustrie, Fernsehsender und Netzwerke, Handys, Videorecorder, Fernsehbildschirme, Kameras, Keilschrift und sonstiger Kram wie etwa Youtube, Twitter oder Facebook.

Über letzteres müssen Lorena, ich und drei andere Studenten eine Präsentation halten. Zähneknirschend bekommen wir ein B- dafür, begründet damit, dass einer unserer Mitstudenten sich komplett in nutzlosen Themen wie etwa dem Liebesleben und -Leiden von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg verlor und ich zur Demonstration, dass Facebook sehr wohl eine physikalische Existenz hat, die “für den Vortrag unpassende” Sprengung für eine neue Facebook-Serverfarm zeigte.

Sehr interessant übrigens, ein “Recruitment Video” für Facebook-Entwickler mit allerhand Hintergrundinformation:

Die Klasse ist nicht allzu schwer, aber vollgepumpt mit Inhalt – und von all diesem Inhalt kann ich durchaus sehr viel mitnehmen; unser Professor konzentriert sich auf Entwicklung und finanzielle Aspekte der verschieden Massenmedien, was mir wiederum ein besseres Verständnis für die Vermarktung verschiedener kreativer Produkte gibt…

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.