Der gigantische Sandpenis in Santa Monica

Nach fünf konsekutiven Regentagen wache ich aus meiner nächtlichen Schlaftrunkenheit auf und sehe grelle Sonnenstrahlen durch meine Balkonfront scheinen. Die Erlösung! Ein Sonnentag! Voll Eifer schnappe ich das Buch, das ich mir selbst zu Weihnachten geschenkt habe – “How Stuff Works” und quetsche mich auf die mit Studiumsramsch besetzte Couch. Ich lese ein wenig über Luftschiffe und Raketenantriebe, als mich ein plötzlicher Einfall überkommt: Ich muss einen gigantischen Sandpenis auf dem Strand bauen.

Zwei Minuten später ist eine Rund-SMS an verschiedene, phallusverehrende Freunde verschickt. Genial. Ich klopfe bei meinem Hausverwalter an:
“Hey Jim, could I have a shovel?”
“What do you wanna do with it?”
“Oh, just build something … massive … with it on the beach.”

Barfuss radle ich Richtung Santa Monica, vorbei an glitzernden Cadillac-SUVs und 60er-Jahre Fords. Der wolkenlose Himmel lässt vermuten, dass es Juni ist – nicht Jänner, und nicht post-Megaregenguss. Ich trage eine kurze Hose und ein grinse wie ein Säugling in seiner phallischen Phase. Am Strand angekommen, trenne ich Schaufeln von Fahrrad und beginne zu bauen, werde vom Bademeister eingewiesen, nur jugendfreie Gebilde zu errichten; schliesslich buddle ich direkt neben dem Santa Monica Pier, an dem Familien mit Kleinkindern unterwegs sind – und Penisse sind böse, kleine Kinder haben obendrauf noch nie ihren eigenen Penis gesehen.

Tatsächlich ruft mir ein dicker Junge von der Reling des Piers aus zu, flankiert von seinen mittelschweren Grosseltern. “Whaaaat are you building?!”, kreischt er.
“It’s gonna be a giant dog bone, mmh, I love dogs.”
“AHA?! Because it looks like a penis! HAHA!”
“A penis? Hell no, that’s disgusting!”

Mein Freund Ferdl, Amerikaner mit Wiener Wurzeln und perfektem Meidlinger L in seiner Zweitsprache Deutsch, ist der einzige meiner Kumpels, der dann tatsächlich mitschaufelt; mein Langzeit-Pussycat-Freund Mikey steht nur daneben und plaudert in feinen Linnen fröhlich vor sich her. Kaum langen wir in der Mitte des Schafts an, kommt der Baywatcher ein weiteres Mal.

Mein Fahrrad, mit zwei Schaufeln belegt und einem Fahrradschloss als Schaufelbefestigung bildet das umweltfreundliche Sandpenismobil.

Mein Fahrrad, mit zwei Schaufeln belegt und einem Fahrradschloss als Schaufelbefestigung bildet das umweltfreundliche Sandpenismobil.

Die Entstehungsgeschichte eines gigantischen Sand Penis: Von zwei selbstgebauten, schlaffen Hoden schufte ich gemeinsam mit Ferdl bis zu Ersatzbrüsten weiter - eine Stunde später dominiert dann ein Megapenis die Sandlandschaft.

Die Entstehungsgeschichte eines gigantischen Sand Penis: Von zwei selbstgebauten, schlaffen Hoden schufte ich gemeinsam mit Ferdl bis zu Ersatzbrüsten weiter - eine Stunde später dominiert dann ein Megapenis die Sandlandschaft.

“Guys, this goes way too far. I can’t see any dog bone here, and I am sorry to say so, the next logical step is to inform law enforcement.”
“We can just break it apart, if that’s ok?”
“I would really appreciate it. Thank you.”

Während wir den Penis zerstören, sehen uns zwei Polizisten am Pier skeptisch zu.
Schade, dabei hatte ich so schöne Pläne für die glorreiche Eichel…

Der Bademeister und die Polizei waren nicht sonderlich begeistert von unserem angeblichen Hundeknochen.

Pressemeldung: "Giant Sand Penis Found in Santa Monica" - Der Bademeister und die Polizei waren nicht sonderlich begeistert von unserem offensichtlichen, jugendfreien Hundeknochenfund.

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.