Schlaflos in Los Angeles
Die drei Projekte von Der Julia-Marathon eine Woche vor Abreise – Teil 1 und Der Julia-Marathon eine Woche vor Abreise – Teil 2 beschäftigen mich und Hiroki ohne Pause.
Unser Tagesablauf in den drei Tagen vor dem Filmfestival sieht in etwa so aus:
- Ins College gehen
- Lernen
- Essen
- An Freelance-Zeug arbeiten
- Etwas mit unseren werten Freundinnen unternehmen
- Erschöpft zusammenbrechen
- In meinem Wohnzimmer treffen
- Filmschneiden
- Filmschneiden
- Filmschneiden
- 2 Stunden Schlaf
- man springe zu (1)
Dass Schlafentzug gesundheitsschädlich wäre, ist Gottseidank nur Propaganda von faulen Politikern und besorgten Müttern. Da ich nur Premiere auf meinem PC habe, gestaltet sich das Schneiden von Canon 7D-Footage als schwierig; das Ausgabeformat dieser hübschen Kamera ist nämlich Quicktime (*.mov), welches auf PCs nur sehr schlecht abgespielt, geschweige denn geschnitten, werden kann.
Gottseidank hat Hiroki’s Freundin Mako auch einen Apple-Laptop, auf dem Hiroki vorsorglich Final Cut Pro installiert hat – und da Mako um zwei Uhr Morgens keinen Laptop braucht, darf ich ihn benutzen. Hiroki ist bei weitem fortgeschrittener im Filmschneiden, aber ihm über die Schulter zu schauen vermittelt mir einiges Wissen und die nötigen Shortcuts, um in so kurzer Zeit etwas ordentlich hinzukriegen. Wie sieht so eine Editing-Kommune aus, fragen Sie sich? So etwa:

Die Filmschnitt-Orgie von Hiroki und Toby: Mit Früchten, Kaffein und Kopfhörern wird auf Teufel drauf los non-linear zerschnippelt, was das Zeug nur hält. Gut, dass wir den Vogel der Familie mit Tüchern bedecken können, sonst würde der die ganze Nacht lang krächzen.
Am Ende unserer Editing-Meisterschaft wechseln wir noch einmal Computer und spielen ein wenig mit dem Projekt des Anderen herum, um letzte Feinheiten anzuschleifen. Dann noch schnell rendern, und ab geht die Post. Mit viereckigen, roten Augen geben wir die Rohschnitte für zwei der Projekte – “Chinatown Love Rectangle” und “The Cliff” ab; die Telefonzellen-Szene hat es nicht mehr in den Topf geschafft.
Österreichische Moderation und Tittenburger
Irgend so ein Heini aus dem Filmclub hat mich als Moderator vorgeschlagen; die restlichen Mitglieder haben mich und Michael (ein weiterer Filmclubber) als Moderatoren gewählt. Ich erscheine also in einem äusserst modischen Outfit – roter Bademantel, amerikanische Flagge, Strohhut… das Übliche eben. Bis zum Beginn “am Weg”: Michael. Ich werde gezwungen, die Eröffnungsrede alleine zu halten und beginne mit einer intellektuellen Rhetoriksturmflut, woraufhin mit nach nur zwei Minuten der Hahn abgedreht wird – ich bedanke mich im Namen des Publikums (darf man das?) bei allen Organisatoren, räume das Feld und es wird dunkel. Während alle Filme laufen, stehe ich ganz hinten im Saal und sehe mir die Produkte meiner Kollegen an. Einige sind witzig, andere geistreich, wieder andere wunderschön – und ein paar sind eben auch anstrengender, überlanger, langweiliger Schrott.
Meine eigenen Filme sehe ich nur zum Teil, da ich mit dem Handy versuche, zwei Freunden den Weg zu dirigieren: Der eine, auch ein Michael, heiratet nämlich in einer Woche und wir machen heute Nacht noch ordentlich einen auf Polterabend.
Bei der anschliessenden Preisverleihung gewinnen Hiroki und ich … nichts. So wie letztes Mal. Naja, zumindest gewinne ich nichts, Hiroki gewinnt eine “honorable Mention” für seinen Film Crossing – den man sich hier ansehen kann. Irgendwann werde ich den Code der Film Festivals schon knacken, darüber mache ich mir keine Sorgen. Mit Michael gemeinsam, der in meinem Alter bereits ganz entschlossen ist und in etwa einer Woche heiraten wird, geht es dann zuerst zum amerikanischen Tittenrestaurant “Hooters” (Nur Frauen mit einer bestimmten Körbchengrösse bzw. Aussehen werden hier angestellt) und von dort in die Stripclubszene von Los Angeles.
Man gönnt sich ja sonst nichts.
Stipendien und rote Fenster
Am Santa Monica College kommt es durchaus vor, dass gute Schüler bzw. Angehöriger bestimmter Minderheiten eine schul-gesponserte Unterstützung bekommen. In meinem Falls ist es die Mitarbeit bei der Studentenregierung, die mich für ein Stipendium auserkürt, und so betrete ich wenige Tage vor meiner Abreise in die Sommerfrische den Pavillion des SMC. Kein kleiner Gartenpavillion, sondern eine riesige Sporthalle, wo eine etwa 1.5-stündige Zeremonie steigt. Todlangweilig – wenigstens bekomme ich 1000$ als Stipendium und fresse mich gemeinsam mit Freunden aus dem Filmclub (Bryn, Yonathan und William) am anschliessenden Buffet satt.
Bryn und Yonathan schlagen vor, die Freude mit Alkohol zu begiessen – und da wir alle einundzwanzig Jahre alt sind, verschlägt es uns unweit in eine Bar mit roten Fenstern und einem Fotokasten. Heimelig – und gut, dass ich meine Kamera dabei habe.
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muss jetzt einfach mal loswerden, wie genial ich den blog finde. selten so unterhaltsame blogeinträge gelesen wie hier… weiter so und gratulation zum stipendium, dass du ja schon fast als nebensächlichkeit abtust (oder ist mir da irgendwas entgangen ^^)
gruß novakon
Danke
Naja, als Nebensächlichkeit deshalb, weil ich insgesamt zehn mal mehr als 1000$ (was die Studiengebühren eines US-Studenten am SMC komplett decken würde für ein Jahr) bekommen müsste, um meine Studienkosten für dieses Jahr zu decken. Nichtsdestotrotz – ich bin zuversichtlich, dass ich in den nächsten drei Jahren mehr Aufbauhilfe zusammenkratzen kann.
Und nichstdesto-desto-trotz bin ich natürlich total aus dem Häuschen gewesen, wie ich den Brief bekommen habe. Kommt ja selten, so eine unverhoffte Sendung, wo drinsteht “You won 1000$” – und es stimmt sogar
Tobias