The Cliff – starring Julia Koch and David Franklin

(Direktlink zu Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=-prANg7K6Js )

Nach Wochen der Farbkorrektur ist “The Cliff” (Regie: Hiroki Kamada) endlich fertig. Hier die Credits im Schnelldurchlauf:

  • Starring: Julia Koch, David Franklin (known as Captain Braca in “Farscape”)
  • DP: Tobias Deml
  • Original Story: Hiroki Kamada, Julia Koch
  • Color Correction, Sky Replacement, Post Production: Tobias Deml
  • Written, Edited and Directed by Hiroki Kamada
  • Music from freeplaymusic.com

Hintergrundinformationen / Making Of: Am Set in Palos Verdes, CA

Hiroki Kamada, Julia Koch und David Franklin beim Proben auf der Klippe.

Hiroki Kamada, Julia Koch und David Franklin beim Proben auf der Klippe.

Das Meiste des Setablaufs habe ich bereits in Der Julia-Marathon eine Woche vor Abreise – Teil 2 geschildert (Kameraarbeit, benutztes Equipment etc.). Wie gesagt, geschossen wurde mit einer Canon EOS 7D, einer billigen Steadycam und unserem selbstentwickelten Kamerakran (Tutorial). Was ich zur Zeit des Drehs nicht wusste und erst später durch Hiroki herausfand, ist, dass David Franklin kein unbeschriebenes Blatt ist.

In der TV-Serie “Farscape” spielt er eine der wiederkehrenden Rollen (Captain Braca) und tritt als Rezeptionist in The Matrix: Reloaded auf. Gut, dass ich das am Set nicht wusste, sonst hätte ich ihn mit Fragen zugedödelt: “Wie ist es mit den Wachowski Brothers zu arbeiten? Was wie wo wann warum, ich will ein Kind, wo sind meine Alimente!”
Das wäre natürlich total unprofessionell, also gottseidank hatte ich nicht den blassesten Schimmer von David’s Schauspielkarriere. Reiner Zufall – weil Julia mit ihm in dieselbe Schauspielklasse geht, fragt sie ihn ob er bei ihrem Reel aushelfen will – und ein paar Tage später steht er mit uns auf der Klippe.

Der Platz des Drehs ist übrigens Palos Verdes, eine G’stopften-Gegend (wohlhabende Geldverschwender leben hier) im Süden von Los Angeles. Wer’s genau wissen will, hier ist der googlemaps-Link zum Drehort. Die Bucht trägt den selbstmörderischen Namen “Lunada Bay” – hier könnte man auch einen Werwolf-Film ohne Probleme drehen…

V.l.n.r.: Hiroki Kamada, David Franklin, Julia Koch. Das Hochplateau ist ein sicherer Ort für Experimente und Improvisation, bevor es dann mit einer relativ genauen Vorstellung der Szenenhandlung auf die Klippe selbst geht.

V.l.n.r.: Hiroki Kamada, David Franklin, Julia Koch. Das Hochplateau ist ein sicherer Ort für Experimente und Improvisation, bevor es dann mit einer relativ genauen Vorstellung der Szenenhandlung auf die Klippe selbst geht.

Hintergrundinformationen: Als Kameramann

Ich als Kameramann hatte natürlich meinen Spass, mich nicht um die Hauptorganisation, sondern den Look der Bilder zu kümmern. Ich entscheide mich dafür, vorwiegend mit schwerer Steadicam zu drehen – man erinnert sich, die Steadicam ist mit einem 3.5l schweren Autokühlflüssigkeits-Kanister durch Klebeband verbunden – um ein stabiles Bild zu bekommen, das trotzdem “atmet”. Auch wollte ich den Suizid durch das leichte Schwingen der Kamera symbolisieren, und …

Schwachsinn natürlich. Ich war zu faul ein Stativ dauernd aufstellen und adjustieren zu müssen, und Freihand wackelt die 7D einfach  zu viel – deshalb die praktische Lösung mit der Steadicam. Ich denke relativ wenig beim Drehen, viel geht aus dem Gefühl heraus – wohlgemerkt, Gefühl das ich über mehrere Jahre der Selbstbildung in verschiedenen visuellen Bereichen “erlernt” habe. Filmen ist – bis auf die Bewegung – der Fotografie nicht allzu unähnlich. Das Tolle am Kameramann-sein ist eben, das man die absolute Kontrolle und Verantwortung für das entstehende Bild hat, während der Regisseur nur “Einflussmöglichkeiten” darüber haben kann. Während Julia gerade frei hat, überrede ich sie dazu, langsam durch das Gras auf die Klippe zuzugehen – Hiroki gefällt die Idee, und so eröffnet meine Faszination von diesem Gras – gelben Gras – den Film.

Die Werkzeuge meiner Wahl: Oben die Steadicam mit angeklebtem, gelben Kühlflüssigkeitskanister, unten der "Slider" und gleichzeitige Kamerakran aus Holz - auf zwei von meinen Balkonstühlen angebracht.

Die Werkzeuge meiner Wahl: Oben die Steadicam mit angeklebtem, gelben Kühlflüssigkeitskanister, unten der "Slider" und gleichzeitige Kamerakran aus Holz - auf zwei von meinen Balkonstühlen angebracht.

Hintergrundinformationen: Farbkorrektur

Nicht nur, dass ich die Farben korrigiert hätte – ich musste auch sogenanntes “Sky Replacement” machen. Dabei wird ein langweiliger/überbelichteter Himmel durch eine interessantere Farbe/Farbverlauf/Wolkenstruktur ersetzt. Beim Verlauf und bei der einzelnen Farbe machen leichte Kamerabewegungen keine Probleme; bei einer Wolkenstruktur muss jeder wackelige Shot “getracked” werden. Die Trackingdaten müssen dann überlicherweise noch von Hand nachbearbeitet werden, usw. usw …
Mir wurde vorgeworfen, der korrigierte Himmel wäre zu hell; ich habe mich einerseits durch die Technik dazu gezwungen gesehen (bei einem dünkleren Himmel sehen die hellen Stellen der Schauspieler grässlich aus), andererseits trägt der teils nur leicht merkbare Himmel zum träumerischen Look bei.
(die Unterschiede zwischen weisser Himmel – Sky-replacter-Himmel sind weiter unten zu sehen)

Dazu erst die Frage: Wie erkennt After Effects überhaupt, wo die Wolken hinkommen sollen? Dazu kombinierte ich eine Maske, die aus dem Videomaterial gewonnen wurde, und einen Verlauf, der vom hellen Horizont bis zum dunklen Himmel hin für zusätzliche Abstufung sorgt:

Die Maske von einer der Aufnahmen; man erkennt die Kontur der Landschaft sowie den Verlauf, der alles unterhalb des Horizonts ausblendet.

Die Wolkenebenen-Maske von einer der Aufnahmen; man erkennt die Kontur der Landschaft sowie den Verlauf, der alles unterhalb des Horizonts ausblendet.

In After Effects steuere ich über etwa 20 Videoebenen die Nachbearbeitung. Hier zu sehen: Keyframes, die die Bewegung, Sichtbarkeit und Unschärfe der Wolken bestimmen.

In After Effects steuere ich über etwa 20 Videoebenen die Nachbearbeitung. Hier zu sehen: Keyframes, die die Bewegung, Sichtbarkeit und Unschärfe der Wolken bestimmen.

Screenshots davor und danach

Anmerkung: Aus reiner Verwirrung/Gewohnheit habe ich die Bildunterschriften in Englisch geschrieben. Ich lasse sie in Englisch, als Andenken an die eigene Verwirrtheit, der man bei mehrsprachigem Leben öfters begegnet – ein Mahnmal des Chaos… 😉

Color correcting "The Cliff" - deep but pale skin tones and a dreamlike look was what I tried to achieve.

Color correcting "The Cliff" - deep but pale skin tones and a dreamlike look was what I tried to achieve.

Color correcting "The Cliff" - adding clouds to the overexposed footage in order to increase the dramatic effect.

Color correcting "The Cliff" - adding clouds to the overexposed footage in order to increase the dramatic effect.

Color correcting "The Cliff" - showing the desperation in Julia Koch's skin tone.

Color correcting "The Cliff" - showing the desperation and weakness in Julia Koch's skin tone.

Color correcting "The Cliff" - capturing the details on David Franklin's face.

Color correcting "The Cliff" - capturing the details on David Franklin's face.

Auch wenn ich weiter oben die Gedanken hinter den Bildern herunterspiele und nur als “gefühlte” Lösungen darstelle, so waren doch Überlegungen einer bestimmten Art Grund dafür, die Hauttöne der beiden zu gestalten. Um ehrlich zu sein, habe ich die Farbkorrektur mit den Nahaufnahmen begonnen – und sobald mir dieser verletzliche Look am Gesicht von David und Julia gefiel, übertrug ich ähnliche Farben auf den Rest des Films. Amen.

Standbild aus dem vollendeten Film "The Cliff".

Standbild aus dem vollendeten Film "The Cliff".

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.