Kurzfassung & Rezension: “Regiebekenntnisse”

Das Cover von "Regiebekenntnisse" - das wohl beste Buch über Regie, das ich bisher gelesen habe.

Das Cover von "Regiebekenntnisse" - das wohl beste Buch über Regie, das ich bisher gelesen habe.

Herausgegeben von Beatrice Ottersbach und Thomas Schadt

Auf der Website des Herausgebers gibt es eine Leseprobe im PDF-Format.

Dieses ist wohl das beste Buch über Regie, das ich bis dato gelesen habe. Achtzehn deutsche Regisseure erklären auf jeweils mehr als zehn Seiten, warum sie Regisseure wurden und warum sie Regisseure blieben. Das Buch ist nicht nur aktuell (2006), sondern gibt geradezu intime Einblblicke in das Leben eines Regisseurs abseits von Glanz, Glamour und der Presse. Das ist natürlich für angehende Möchtegern-Regisseure wie mich unheimlich interessant – die Gefühlswelt von Leuten kennenlernen, die schon seit Jahrzehnten mit Regie zu tun haben, und aus ihren Fehlschlägen und Erfolgen zu lernen. Hier eine Kurzzusammenfassung jedes Regisseurs, obwohl ich jedem Filmstudenten das Lesen dieses Buch in höchsten Tönen an Herz, Leber und Niere legen würde. Die einzelnen Stimmen der Regisseure lassen sich eben nicht in Zusammenfassungen heraushören.

Dieses Buch erklärt die Dinge, die man in der Filmschule nie lernen wird – innere Perspektive und Erfahrung.

Pepe Danquart

Ein Dokumentar- und Spielfilmregisseur. Er drehte einen Film in Bosnien und lernte die Ehrfurcht kennen, die man als Dokumentarfilmer seinen Subjekten zollen muss – wo der Regisseur zum Reporter wird. Er kommt aus der Ecke des linksrebellischen Studenten-/Amateurfilms. Er erzählt, wie er an einer Produktion, an der alles schief lief – Hauptdarsteller leben Beziehungskrise am Set aus, Geldgeber ziehen ins Ausland und lassen von sich nichts mehr hören, Streit mit dem Kameramann – einen Nervenzusammenbruch erlitt (“Semanta Sana” wurde später dann doch ein guter Erfolg in den Kinos, obwohl Danquart seinen Namen nicht gerne darunter sah. Das krasse Gegenteil war die lebensverändernden zwei Jahre, die er im kriegsgebeutelten Bosnien bei den Dreharbeiten zu “Nach Saison” verbrachte – unter anderem, weil er unter Todesdrohung eine Pistole an die Schläfe gehalten bekam und nicht nur über das Filmen, sondern über das Leben lernte.

Andreas Dresden

Sein Vater war Theaterregisseur, er ist in der Filmecke gelandet. Er empfiehlt, als Filmregisseur ruhig einmal im Theater herumzutasten, speziell der Erfahrung mit anders ausgebildeten Theaterschauspielern wegen. Für ihn ist Filmemachen so etwas wie schrittweite Selbsterkenntnis (anscheinend ein gängiges Motiv in vielen Regisseuren). Er sieht seine Aufgabe am Set oft als pädagogisch-philosophisch, wie ein Anführer, der zwar kein Diktator ist und Ideen seiner Mitstreiter willkommenheisst und ernst nimmt, allerdings einen starken Willen habend und sich durchsetzen könnend. Als Regisseur ist man immer so etwas wie eine ordnende Kraft, die Ideen zusammenführen muss und mit sporadischen Störenfrieden gekonnt umgehen muss.
Improvisation ist für Dresden ein essentieller Bestandteil des Filmemachens – trotz seiner Ordnungsliebe versucht er, sich mit jedem Projekt weiter von Drehbuch oder Storyboard loszureissen und Spontanität in seine Filme einfliessen zu lassen. Das gipfelte in “Halbe Treppe”, der komplett ohne Drehbuch oder Vorbereitung mit einer fixen Cast und einer kleinen Crew “einfach so drauf losgedreht wurde”. Er empfiehlt, sich immer für das Risiko zu entscheiden – beispielsweise den experimentellen Kinofilm statt des 1-Jahres-Regievertrag für eine Fernsehserie.

Dennis Gansel

Der 30-jährige Regisseur, der wahrscheinlich am Meisten für “Napola” bekannt ist, erzählt einen intimen Werdegang durch drei Etappen seines Lebens – als Teenager, als Student und als zu-selten-filmemachender Regisseur. Alle Etappen haben mit Mädchen zu tun – das Beeindrucken eines Mädchens durchs Filmemachens, die Hilfe eines Mädchens bei einer langen Schreibblockade und das romantische Knistern mit einem Mädchen am Strand jenseits der dreissig. Gansel’s Arbeit zeugt von jugendlichem Irrwitz und Abenteuer, von jugendlichen Problem und absoluter Ehrlichkeit. In einer Passage beschreibt er das Überbrücken seiner Schreibblockade mit Aldi-Nudeln, Zigaretten, Bier und Onanieren. Wichsen zum Ideenfinden und Gehirnentladung – ehrlicher geht es nicht mehr. Das Loslassen von Stress und Erfolgsdruck, das Wechseln der Umgebung kann oftmals der zündende Funke sein, den man nach einer Filmschule im “echten” Leben braucht; das ewige Festhalten der Tastatur, beissende Selbstzweifel und das zu-Tode-schwitzen im Arbeitszimmer ist oftmals kontraproduktiver, festgefahrener Alltag.
[Der Typ ist mir mit seiner ungefilterten, klasse ausgedrückter Ehrlichkeit so verflucht sympathisch … ich hoffe, ich treffe den mal im späteren Leben, Anm. d. Toby]

Sherry Hormann

Für die gebürtige New Yorkerin bedeutet Regie vor allem Entscheidungen treffen. Entscheidungen, die die Dramaturgie und das Gelingen des Films fundamental beeinflussen – die Wahl der Schauspieler, die Wahl der Schauplätze – und dann die Entscheidungen vor Ort, die niemand planen konnte. Sie verweist auf John Cage’s “4:33”, einem Orchesterstück, das einzig und allein 273 Sekunden Stille sind – die nihilistische Komposition macht damit nicht das Orchester zur Musik, sondern die Umgebungsgeräusche in und rund um das Operngebäude zum Erlebnis. Nicht das geplante ist das Erlebnis, sondern das Erleben selbst rückt auf die Bühne. Regie ist ein nie endender Lernprozess, bei dem man nie aufgeben darf, Frustration verboten ist und bei dem man sich nie mit anderen Regisseuren vergleichen sollte. Sie empfiehlt, nach einem Take bei vagem Verdacht auf Unglaubwürdigkeit den Originalton anzuhören – am Ton kann man erkennen, ob das Schauspiel überzeugend wirkt oder anders wiederholt werden muss. Als Regisseur sollte man nicht versuchen, auch Bild und Ton zu inszenieren, sondern sich auf Kameramann und Komponist verlassen.
Film ist eine zusammenhängende Kette und keine Inselgruppe – man muss ihn immer als Ganzes betrachten und Szenen immer mit der vorhergehenden und nachfolgenden glatt verbinden, sodass der Erzählfaden nie abreisst.

Dani Levy

Der Mitgründer von XFilms und Regisseur von der Helge Schneider-Komödie “Mein Führer” bekennt, dass man im Kern der Story immer allein ist – niemand sonst weiss wirklich Bescheid. Castings und Probeaufnahmen sind wichtig, denn Falschbesetzungen können schnell in Fiaskos enden. Eines der grössten Konfliktherde kann auch ein schwaches Drehbuch sein, welches man erst im Schneideraum als schwach erkennt. Obendrein empfielt er, sicch viel Zeit für den Schnitt zu nehmen. “Kill your Darlings” ist eine Binsenweisheit für ihn – und wenn es Re-Shoots oder kompletten Neudrehs (wie etwa in dem amerikanischen Film “American Beauty”) geben muss, dann muss man als Regisseur einfach das nötige Budget dafür aufbringen; oft sind solche gewagten Methoden die einzig Richtigen. Er hält Selbstehrlichkeit für eines der wichtigsten Eigenschaften eines Regisseurs – und das kann man auf keiner Filmschule lernen.

Vivian Naefe

Ein toller Film kann schlecht beim Publikum ankommen, das ist einfach eine Realität des Filmemachens. Für Naefe ist ein stimmiges Drehbuch ein absolutes Muss. Dabei kann man als Regisseur auch die Erzählperspektive ändern und Charakteren neue Wichtungen geben. Sie benutzt gerne Frauen als Helden in ihren Filmen. Alles in der Filmarbeit muss die Erzählung unterstützen – Kamera, Farben, Bewegung, Ausstattung etc. – “delegieren” ist dabei eine wichtige Aufgabe des Regisseurs, der die eigenen Fantasien in die Hände anderer Mitarbeiter legen muss. Bei der Arbeit mit Schauspielern hält sie gerne Vorgespräche, in denen sie den Mensch hinter dem Schauspieler erkundet – und räumt eine Woche vor Drehbeginn eine Probenwoche ein, in dem jede Szene durchstudiert wird, um dann am Set so perfekt wie möglich gespielt werden kann. Am Dreh selbst ist dann sowieso alles anders, die Probenwoche ist trotzdem ein wichtiges Instrument der Schauspielführung. Das Visualisieren und Inszenieren jeder Szene geschieht zuerst einmal in wochenlanger Arbeit im Kämmerlein – dem haupstächlichen Entstehungsort des Films.

Claudia Prietzl

Die Regisseurin war ein Einzelkind und bildete früh die Vorstellung von Fantasiefreunden aus, mit denen sie allerlei fiktive Abenteuer unternamm und sich somit das Geschichtenerzählen beibrachte. Um auf neue Ideen zu kommen, denkt sie an Nichts – beispielsweise mit Gartenarbeit. Für sie ist Machtstruktur am Set unerwünscht – stattdessen sollte gegenseitiger, professionsorientierter Respekt herrschen. Auch wenn man zwangsgebunden an das Publikumsinteresse ist, sollte man nie das Intellektuellle in den eigenen Filmen verlieren. Sie zieht es vor, mit einem kleinen und professionellen Filmteam zu arbeiten als ein grosses Set mit mehr als 50% Praktikanten zu führen. In ihrer Erzählweise stellt sie sich, ganz wie als Kind, “Den Held und Ich” vor.

Roland Suso Richter

Der Regisseur von “Dresden” beschreibt einen Drehabend am Set des selbigen Films: Mit gasbetriebenen Brennern steht die Dresden-Kulisse in Flammen und die Schauspieler sollen bei 100°C Strahlungshitze ihre Performance verbessern. Auch wenn es 4 in der Früh ist und das ganze Team ausgelaugt, muss man dranbleiben und den richtigen Take hinkriegen, sagt Richter. Nicht mit etwas Mittelmässigem zufrieden sein. Als Regisseur ist man seiner Ansicht nach Verbündeter der Schauspieler und muss sich auch um diese kümmern, anstatt in die Technik von Kamera und Spezialeffekten zu flüchten. Er dirigiert siene Schauspieler, ist aber offen für Änderungen – und behandelt jeden Schauspieler individuell, da gibt es kein Patentrezept. Zwischen den Schauspielern muss der Regisseur Kräfte ausgleichen und Diskussionen am Set vermeiden. Die Vertrauensbasis mit den Schauspielern und das diplomatische Gespräch mit ihnen erleichtert die Arbeit. Bei Sackgassen muss man souverän handeln und sich Zweifeln stellen. Nicht funktionierende Szenen müssen umgeordnet werden.

Hartmut Schoen

Filme sind für ihn langweilig. Er liebt das Aussergewöhnliche – beispielsweise schreibt er in seine Drehbücher die in der Story vorkommenden Gerüche. Seine Karriere wurde durch einen brisanten Kurzfilm gestartet – über mehrere Fernsehanstalten und Redakteure gelangte er zu Fernsehfilmen und schliesslich zum Kino. Ein halbes Jahr schreibt er einen Film, das andere halbe Jahr stellt er sich dem Rummel der Medien und des Drehs. Er empfiehlt es, keine Proben am Set durchzuführen und stattdessen Vorproben zu machen. Lichtdoubles (Doubles, anhand derer das Set beleuchtet wird) machen den Schauspielern das Leben leichter. Schoen betrachtet Aufmerksamkeit als höchstes Gut des Die Figuren, die er in seinen Drehbüchern schreibt sind sehr menschlich – scheinbar hamrlos, doch voller Leben bei genauerem Hinsehen.

Niki Stein

Entscheiden ist für ihn alles – ein regisseur muss ein Entscheidungstalent sein. Am Anfang eines Filmes stellt er sich die Frage: Was sagt dieser Film aus? Was für Motivationen haben die Charaktere? Die Drehbuchanalyse steht im Vordergrund – und von da an muss man im Entstehungsprozess des Films wissen, was man will. Der Geschichte gegenüber muss man als Regisseur eine Haltung einnehmen. Niki Stein gibt das Beispiel von Rotkäppchen: Wenn man einen Film über Rotkäppchen machen würde, wäre es ein Pubertätsdrama des Frauwerdens, oder ist es ein Gut VS. Böse-Film? Das Stichwort ist “Interpretation” – denn als Regisseur interpretiert man die Geschichte. Thema, Prämisse, Hauptcharakter, Motiv, Ziel und Hauptfrage sind weitere Stichworte, die sich jeder Regisseur hinter die Ohren schreiben sollte. Stein erklärt, dass man einen Film nur drehen sollte, wenn man ihn sich auch als Theaterstück vorstellen kann. Der Regisseur sollte so etwas wie ein Fan der Schauspieler sein, kein Kritiker.

Hannes Stöhr

Der Regisseur von “Berlin is in Germany” arbeitet gerne mit dffb-Studenten und legt einen Schwerpunkt auf den effizienten Drehplan. Eine weitere Schlüsselperson in seinen Filmen ist der Komponist – denn für ihn gilt Musik oft als absolut notwendiges Ausdrucks- und Erzählmittel im Film, gegen das Dialoge oft plump wirken würden. Am Anfang steht für ihn die Recherche des Films, auch seine Charaktere basieren oft auf echten Menschen. Als Regisseur muss man einen Standpunkt zum Plot einnehmen, eine Meinung ausdrücken (zB Neonazis als verwirrte Menschen interpretieren). Sein weg zur Regie begann mit einem Trip nach Südamerika, in dem Stöhr als Strassentheaterspieler durch die Lande zog. Dem folgte ein Erasmusstudium in Spanien und schliesslich das Studium an der dffb. Warum Filmemachen? “Weil wird Leben leben können, die wird nie gelebt haben und auch nie leben werden.”

Oliver Storz

Der ehemalige Literaturkritiker fand erst im Alter von 50 Jahren zur Regie. Da er einem Autor nicht sein Werk verändern will, verfilmt er nur eigene Drehbücher. Filme und Fernsehfilme machen für ihn wenig Unterschied, ausser, dass Fernsehfilme ein Limit von 88,5 Minuten haben. Er lehnt das im Fernsehregisseur oft vorhandene Quotendenken ab und bevorzugt eine geringere Finanzierung für seine Filme. Als Regisseur sollte man sich von Schauspielern überraschen lassen und von fixen Vorstellungen loslösen können. Für ihn sind die Schulung der Selbstkritik und das Misstrauen gegen das “Fertige” wichtige Tugenden eines Regisseurs.

Tom Toelle

Der Regisseur ist ein Vereiniger verschiedener Talente am Set – obendrein muss er diese Menschen aufeinander abstimmen können. Toelle empfiehlt, zu den Schauspielern ein Vertrauensverhältnis zu haben. Er lehnt regiebedingten Missionarismus und “Bildung” in Unterhaltungsfilmen ab – eine teure Form der persönlichen Meinungsäusserung und ein Unterschätzen der Zuschauerintelligenz. In seinen Filmen siedelt er Utopien in der Gegenwart an, so zum Beispiel in “Millionenspiel” – und erweckt damit mehr Relevanz beim Zuschauer. Verglichen mit dem Fernsehen der 60er Jahre spürt er heutzutage den Quotendruck viel mehr; Teil des Grunds ist die Privatisierung des Fernsehens.

Margarethe von Trotta

Filmemachen und Drehbuchschreiben sind wie eine innere Befreieung für Margarethe von Trotta – und das Erscheinen einen ihrer Filme fühlt sich wie ein Examen an. Als Regisseur ist das Aufgeben eines Projekts einfach – Standfestigkeit ist gefragt. Von Trotta kam vom Schauspiel zum Drehbuchschreiben und durch verschiedene Projekte hinweg dann schliesslich zur Regie. Sie benutzt gerne Parabeln in ihren Filmerzählungen. Als Regisseur sollte man nicht autoritär sein und den anwesenden Künstlern einen gewissen Freiraum lassen. Man kann sich dann auch oft auf die anderen Mitspieler mehr verlassen – beispielsweise gibt es auch Kameramänner, die auf die Darstellung der Schauspieler achten und den Regisseur darauf hinweisen.

Andreas Veiel

Durch sein Psychologiestudium arbeitete Veiel in einem Gefängnis – dort gründete er eine Theatergruppe und gab Insassen Ausdrücksmöglichkeit. Durch eine Verkettung von glücklichen Zufällen wurde er als Regisseur für ein Seniorentheater bestellt und schaffte über mehrere Umwege seinen Einzug in die Filmwelt. Der erklärte Rebell dreht Improvisationsfilme und Dokumentarfilme der sensiblen Sorte: Für ihn ist der Umgang mit dem Subjekt in einem Dokumentarfilm äusserst wichtig und Vertrauen eine Pflicht. Die Perspektive kann sich über den Verlauf eines Projekts hin ändern, speziell bei Interview-basierenden Dokumentarfilmen. Einen Film zu machen bedeutet für ihn, sich zu häuten und die wahren Gefühle ans Tageslicht zu locken. Das Psychologiestudium hat ihm nur in Sachen Organisation geholfen. Der Umgang mit Schauspielern kann oft ganz unterschiedlich sein – eine Schauspielerin koopiererte beispielsweise nur, wenn Veiel sie heruntermachte.

Christian Wagner

Wagner lernte vieles, das für ihn als Regisseur wichtig ist, durch das Produzieren von Filmen: Geld ist immer wichtig und kann nicht vernachlässigt werden. Für ihn ist das Filmemachen das Erlösen von Bildern, die in seinem Kopf schlummern und darauf warten, entfesselt zu werden. Wagner findet internationale Besetzung eine Bereicherung, selbst wenn sprachliche Barrieren die Arbeit gefährden könnten: Risiko ist etwas, dem man als Filmemacher nicht davonlaufen sollte. Die Besetzung eines Films hält Wagner als eine der ausschlaggebendsten Aufgaben eines Regisseurs.

Wim Wenders

Der international erfolgreiche Regisseur (“Million Dollar Hotel”) hält sich kurz und komprimiert: Er führt eine Tipps&Tricks-Liste an, mit wichtigen Erfahrungen aus seiner Karriere. Beispielsweise: Weniger Makeup und Worte sind besser als mehr. Babies und Kleinkinder als Besetzung können zur Arbeitskatastrophe werden. Der Film braucht einen guten Arbeitstitel, und einen noch viel besseren Titel. Respekt haben vor den Schauspielern. Das Scriptgirl hat immer Recht. Kill your Darlings.

Sven Bohse

Der Regisseur rät, dem Zuschauer etwas zuzumuten und Niveaufilme zu drehen – denn das Publikum hat bei genügendem Interesse keine Probleme, zwischen den Zeilen zu lesen. Als Regisseur muss man etwas egozentrisch angehaucht sein, und wird auch von Egomanen im Filmgeschäft umgeben. Als Regisseur muss man sich verlassen können auf die Arbeitskollegen – denn Spezialisten wie etwas Cutter oder Stuntmen kennen sich in ihrem Feld besser aus als man selbst. Ein fühlbarer Vibe in einem Film ist für Bohse bestimmend und wird vom zentralen Thema gesteuert. Er lehnt Improvisation im Film nicht ab, sondern definiert es als organisiertes Chaos – Improvisieren mag gelernt sein.

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Wenn man “Regiebekenntnisse” in den Händen hält, hat man manchmal das Gefühl, der Regisseur sässe direkt vor Einem und plaudere aus dem Nähkästchen. Ich sehe dieses Buch als Brücke über viele Schwierigkeiten hinweg; viele der Erfahrungsberichte handeln über Selbstzweifel und Durchhänger, für die es damals keine Anleitung gab. Ich werde aus den Fehlern und Zufällen dieser tapferen Regisseure für meine eigene Laufbahn lernen und empfehle es uneingeschränkt jedem weiter – vom Amateurfilmemacher bis hin zum Hollywoodmacker.

Eines mag angemerkt sein: Meine Zusammenfassung ist ein schwächlicher Auszug verglichen mit dem Original: Zehnseitige Erfahrungsberichte von Regisseuren findet man sonstwo wohl kaum. Speziell nicht achtzehn hintereinannder. Also: Zum Bücherladen oder der Bibliothek laufen und sich das Buch einverleiben!

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.