(Direktlink zu youtube: http://www.youtube.com/watch?v=iShvsb5h4jk )
Nach “The Cliff” folgt unser zweiter Kurzfilm mit Julia Koch – “Chinatown Love Rectangle”. Hier die Credits:
- Starring: Julia Koch, Adam Caplan
- Director of Photography: Hiroki Kamada
- Editing & Color Correction: Tobias Deml
- Written by: Julia Koch, Adam Caplan
- Directed by Tobias Deml
- Music from freeplaymusic.com
Hintergrundinformationen / Making of “Chinatown Love Rectangle”
Komplikationen und Probleme am Set sind in Der Julia-Marathon eine Woche vor Abreise – Teil 1 und Der Julia-Marathon eine Woche vor Abreise – Teil 2
festgehalten. Die wohl grösste Herausforderung war die Verfolgungsjagd: Ich hatte spezielle Aufnahmen im Kopf, die für den Actiongehalt ganz wichtig waren; beispielsweise, Julia von vorne gesehen durch den Saigon Plaza-Markt laufend. Dafür war es nötig, dass Hiroki vor ihr mit der Kamera herläuft und sie ansieht bzw. den Bildschirm der Kamera ansieht – nur so kann er sie auch im Bild behalten. Jetzt sollte Hiroki rückwärts laufen und Julia gleichzeitig filmen – ein wackeliger und unvorhersehbarer Plan.
Die Lösung dazu ist ein 4kg-Gewicht an der Steadicam und meine Hand festgekrallt in seinem T-Shirt: Das Gewicht ermöglicht ein relativ stabiles Bild, während ich durch die Menschenmenge des Marktes laufen kann und Hiroki hinter mir herziehe bzw. ihn um Hindernisse herumlenke. Das funktionierte in der Theorie wie auch in der Praxis im Saigon Plaza relativ gut.
Informationen zur Farbkorrektur
Die Entscheidung zur Farbe und dem Look des Films fälle ich – wie sonst in meinen Fotoprojekten meist auch – erst im Nachhinein. Julia und Adam schreiben den Dialog komplett selbst und ich bekomme davon einen Email-Entwurf zu sehen. Ich weiss, worum es in etwa geht… eine Liebesgeschichte. Statt strahlender, heller Bilder entscheide ich mich eher für heruntergekommene Orte und fühle einfach, dass dieser bestimmte Look zu dem Film passen würde.
Ich orientiere mich ein wenig an der Arbeit von Freunden, die ihre Fotos oft von allen Schwarztönen und weissen Flächen befreien und sie in der “grauen Mitte” ansiedeln. Diesen Schritt traue ich mich üblicherweise in meiner kontrastreichen Nachbearbeitung nicht, da man freiwillig auf eine Bandbreite von Helligkeiten verzichten muss. In “Chinatown Love Rectangle” habe ich dann beinahe keine Schwarz- und weisstöne mehr, und es passt zu dem Look der alten Postkarten und Polaroidfotos: Über die Jahre verlieren sie ihren Glanz (die Weissflächen des Papiers) und werden durch die Sonne aufgehellt (keine Schwarztöne mehr). Gefällt mir, lasse ich so.
Da der Himmel in diesem Film keine so grosse Rolle spielt, nimmt die Nachbearbeitung in After Effects weit weniger Zeit in Anspruch als “The Cliff”. Ich arbeite vorwiegend mit Kurven als Farbkorrektur – da bleibt man am Flexibelsten.
Vorher / Nachher-Bilder der Farbkorrektur

Vorher und Nachher in der Farbkorrektur: Die Farben werden polaroid-artiger, die Schatten aufgehellt und damit das Gefühl des Films etwas sensibler und schöner. Hier zu sehen: Julia Koch.

Im Markt erhalten die Menschen bronzenere Hautfarben, Vignetten hinzugefügt und das Bild sieht so aus wie eine alte Postkarte.
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Eine Gedanke noch .. über die Rolle die die Kamera dem Zuschauer zuweist.
2 Sekunden vor Schluss passiert nämlich etwas unerwartes. Bis dahin, also fast den ganzen Film über ist der Zuschauer unsichtbarer und unbeteiligter Zeuge, während die Handlung ihren Lauf nimmt. Die klassische Film Situation.
Aber ab 5:19, lugt die Kamera plötzlich irgendwie so hinter der Hauswand hervor und erzeugt beim Zuschauer das Gefühl er schaue durch die Augen einer weiteren Person. Einer Person, die sich am Ort des Geschehens, also ‘in der Handlung’ befindet. Demnach könnte sie sogar noch eine Rolle in der Handlung spielen.
Ich würde mal vermuten, dass das eher unabsichtlich passiert ist. Ich hatte mir bis heute auch nie Gedanken gemacht, wie die Kamera das eigentlich erreicht. Dabei ist es ein sehr häufiger Filmeffekt. Man überlege nur wie oft schon Kameras durch nachtschwarze Gärten gefahren sind um in hellerleuchte Fenster zu spähen, hinter denen sich idylische Familien oder wehrlose Frauen unbeobachtet wähnen. In District9 z.B. werden ständig solche Stilmittel benutzt um den Zuschauer in die Rolle eines Kameramanns zu versetzen. Im ‘Blair Witch Projekt’ gibt’s gar keine andere Perspektive.
Auf jeden Fall scheint die Rolle des Zuschauers ein gewichtiger Aspekt zu sein, über den man sich beim Dreh auch noch Gedanken machen muss ..
War mir halt beim zweiten Ansehen so aufgefallen
Ich finde die Kameraführung exzellent und besonders am Anfang , während der Verfolgungsjagd hätte sie nicht besser sein können.
Das Streitgespräch überzeugte mich bis zu dem Punkt, wo die beiden sich versöhnen. Da kam ein Lächeln ins Spiel, wie man es eigentlich nur in der ersten Verliebtheit kennt, und nicht bei einem Paar, das so vertraut ist, dass ein Streit, wie der vorangeganene möglich wäre. Nach so einem Streit hätte mich eine Versöhnung voller Leidenschaft, in der die vorangegangene Wut noch zu spüren ist, mehr überzeugt.
Mit anderen Worten, ab der Versöhnung sieht es für mich nach Schauspiel aus. Da hilft auch die Intimsphäre durch die Kameraführing nicht.
Aber alles in allem eine gelungene Skizze!.
Gruss, Irmi
Danke fuer das Feedback, Irmi – Kritik kann ich immer brauchen
Werd die Komplimente an den Kameramann weiterleiten!