Pornöse Verrücktheiten in Bremen – Teil 1

Auf dem Weg zurück nach Amerika kann es ja nicht schaden, Bremen einen Besuch abzustatten. Dort finde ich einen lange nicht gesehenen Freund wieder – Hannes, ein alter Haudegen aus der Wiener Zeit, mit dem ich schon anno dazumal die Clubszene Wiens mit flotten Krawatten aufgerüttelt und das Fotoshooting rund um “Ungebremst ins Vergnügen” gemacht habe.

Nuttenland

Auf jeden Fall ist es nicht nur Hannes, sondern oben drauf auch noch seine zwei Haudrauf-Brüder Simon und Benedikt. Am ersten Tag meines eigentlich viertägigen Besuchs geht es sofort in die Helenenstrasse – wir wollen einen Mileufilm drehen, und der handelt eben über Prostituierte und Zuhälter. Die Helenenstrasse in Bremen ist eine durch zwei überschneidende Mauern abgeschottete Sackgasse und das Rotlichtviertel schlechthin. An der Eingangsmauer steht: “Zutritt für Kinder und Frauen verboten.”

Klarerweise gelten Nutten in diesem Fall nicht als Frauen – sie dürfen reinmarschieren wie es ihnen lustig ist. Hannes und ich kommen per Fahrrad zur Damenschau – genauer gesagt, um die Gegend als Drehort zu inspizieren. Die Helenenstrasse ist fast leer; schliesslich ist es auch zehn Uhr morgens. Ein fieser Fettsack mit Sporttasche kommt dahergedudelt und quatscht uns an, von wegen dass die Zuhälter hier viel gelassener sind als in Hamburg, und dass ich dort meinen Fotoapperat nicht nur losgeworden wäre, sondern auch eine Knarre an den Kopf gehalten bekäme. Schönerweise ist alles friedlich im Schabrackenghetto, und wir zwei stolze Filmemacher machen uns weiter auf den Weg nach Drehortsuche.

Endlich in Bremen angekommen - bei einem der vielen köstlichen Gourmetspeisen.

Endlich in Bremen angekommen - bei einem der vielen köstlichen Gourmetspeisen.

Irgendsoeine fragwürdige Dame begeht Ladendiebstahl, wird ausserhalb von der hinterherlaufenden Kassendame aufgehalten und versucht zu fliehen - dabei reisst ihr die Kassendame den Pulli vom Leib, schreit "Du blöde Schlampe!" und wirft ihn in die Gosse. Die Diebin war lustigerweise komplett nackt unter dem Pulli... ein perverser alter Mann gibt ihr dann nach längerem Starren seine Jacke.

Irgendsoeine fragwürdige Dame begeht Ladendiebstahl, wird ausserhalb von der hinterherlaufenden Kassendame aufgehalten und versucht zu fliehen - dabei reisst ihr die Kassendame den Pulli vom Leib, schreit "Du blöde Schlampe!" und wirft ihn in die Gosse. Die Diebin war lustigerweise komplett nackt unter dem Pulli... ein perverser alter Mann gibt ihr dann nach längerem Starren seine Jacke.

"Zutritt für Frauen und Kinder verboten" - Helenenstrasse wie sie leibt und lechzt.

"Zutritt für Frauen und Kinder verboten" - Helenenstrasse wie sie leibt und lechzt.

In diesen romantischen, bunten Häuschen wird Tag und Nacht Koitusökonomie betrieben.

In diesen romantischen, bunten Häuschen wird Tag und Nacht Koitusökonomie betrieben.

Im "Wohnzimmer" - dort gibt es noch Bravos aus den 60er Jahren - inklusive Original-Haarschnitt!

Im "Wohnzimmer" - dort gibt es noch Bravos aus den 60er Jahren - inklusive Original-Haarschnitt!

Es stellt sich schliesslich heraus, dass wir für unseren Mileufilm keine andere Wahl haben, als im eigenen Wohnhaus einen Puff zu eröffnen: Der Keller scheint perfekt für das schmutzige Geschäft.

Das Problem:

  • Wir haben noch keine Story
  • Wir haben noch keine Schauspieler und keine Zeit für ein Casting
  • Wir haben keine Ahnung, was im Milieu so abgeht

Während unsere Gehirne im Sparmodus auf Hochtouren laufen, um einen Film Realität werden  zu lassen, knipsen wir feuchtfröhlich im Erdgeschoss herum. Hannes förert schöne Leuchtstoffröhren zu Tage und wir konstruieren einen “Türstock” aus Lampen, unter dem wir fotografieren können.

Fotoshooting Nummer Eins

Insgesamt sind es zwei Fotoshootings, die wir innerhalb der vier Tage abhalten und zelebrieren: Eines mit Hannes und eines mit Simon, Hannes und Benedikts Freundin Vanessa. Wie gesagt, alles beleuchtet mit den “hässlich temperierten” Leuchtstoffröhren. Um ehrlich zu sein, der Weissabgleich ist tatsächlich scheisse – aber die Lichtverteilung einmalig gut.  Hier sind die Ergebnisse:

Hannes Windolph, bebrillt.

Hannes Windolph, bebrillt.

Hannes Windolph, topseriös wie immer

Topseriös wie immer

Die Bartstoppeln sind einfach perfekt für Leuchtstoffröhren

Die Bartstoppeln sind einfach perfekt für Leuchtstoffröhren

Symmetrie ist der Schlüssel

Symmetrie ist der Schlüssel

Ein jeder Mann muss mit dieser polnischen Uhr ausgestattet sein.

Ein jeder Mann, der auf sich etwas hält, sollte mit dieser polnischen Uhr ausgestattet sein.

Die wahrscheinlich coolste Sonnenbrille der Welt

Die wahrscheinlich coolste Sonnenbrille der Welt

In der Reflektion sind die Leuchtstoffröhren zu sehen

In der Reflektion sind die Leuchtstoffröhren zu sehen

Veränderte Positionierung zum Lichtrahmen ergibt extremere Lichtverteilung

Veränderte Positionierung zum Lichtrahmen ergibt extremere Lichtverteilung

Tobias Deml in normalem Gemütszustand - Foto von Hannes Windolph.

Tobias Deml in normalem Gemütszustand - Foto von Hannes Windolph.

Streichwurstsemmeln und Glotzen

Während all das schön und gut ist, können die Tage in Bremen folgendermassen zusammengefasst werden: Streichwurstsemmeln und Glotzen.
Im Falle Streichwurstsemmel gibt es diese zum Frühstück, Mittag- und Abendessen bei einem Verbrauch von ca. 20 Semmeln pro Tag.
In Sachen Glotzen haken wir etwa zwei Filme täglich ab, natürlich mit dem richtigen Gehalt Mileu:

Im nächsten Post geht es dann um Stadtmusikanten, Rasierschaum, verpasste Maschinen und Mileufilmemachen – man darf gespannt wie ein Spanner sein.

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.