Wanderung zu den Deep Creek Hot Springs

“Let’s go, we have to get there!”
“Noooo Toby I REALLY don’t want to go!” – so fängt unser Tagesausflug an.

Ach, come on, sage ich dann immer, und bekomme eine Gesicht von Lorena entgegengestreckt, das auf sieben Tage sauren Regen mit toten Schweinchen auf der Strasse schliessen lässt. So wild ist es nun aber wirklich nicht.

Einer der Supermärkte in den USA - hier zählt Klasse vor Masse.

Einer der Supermärkte in den USA - hier zählt Klasse vor Masse.

Auf dem Weg durch die Wüste begegnen wir einer uralten Eisenbahnbrücke, wie in den Western-Schinken.

Auf dem Weg durch die Wüste begegnen wir einer uralten Eisenbahnbrücke, wie in den Western-Schinken.

Denke ich mir vorerst, zumindest während den zwei Stunden Autofahrt auf dem Freeway, denn Autobahnen sind, abgesehen von Unfällen, total langweilig und friedlich (das kann ich nach zwei Jahren LA behaupten – ein “Newcomer” aus Europa würde den Freeway wohl eher Fleischwolf oder Foltergrube nennen). Dann folgt ein geschlängelter Landweg entlang der San Bernhardino Mountains, gesäumt von den seltenen Joshua Trees, die nur in diesem Bereich der Welt existieren. Wir sind nahe dem Joshua Tree National Park, und ausser Wasserspeichern, Farmhäusern, Gattern mit Pferden darin und staubigen Trucks ist nicht viel zu sehen – Lorena und ich passen in dem familienorientierten Nissan Sentra nicht wirklich ins Bild. Plötzlich wird die Strasse zu einem gerippten Erd- und Staubweg, das Auto beginnt so sehr zu schütteln dass man Kühe dranbinden könnte und Instant Milkshakes verkaufen könnte – jetzt passen wir echt nicht mehr ins Bild.

Rumpeldipumpel.

“WHERE THE FUCK ARE YOU TAKING ME TOBY!”

Aber ich höre gar nicht hin, ich bin taub und fasziniert. Und ein bisschen ängstlich, schliesslich ist es nicht mein Auto, das auf Biegen und Brechen jetzt in eine Seitenstrasse einbiegt. Diese ist genauso staubig und voll dieser seltsamen Wellen, die das Auto zu Tode schütteln. Zugegebenermassen nicht unbedingt das typisch-romantische Getaway für zwei, aber die Belohnung wartet ja am Horizont. Während wir diskutieren und argumentieren und die Fetzen um meine Einfältigkeit und fehlgeleitete Abenteuerlust fliegen lassen, begegnen wir ein paar NewAge-Hippies in einem VW-Bus, kehren um, werden von den Hippies wieder aufgemuntert und DANN, eine halbe Stunde durch die Berge später (oh no Lorena, it’s only gonna be five minutes on that side street) kommen wir bei Bowen Ranch an.

Der Weg ist nicht lang und steining, sondern ur lang und staubig.

Der Weg ist nicht lang und steining, sondern ur lang und staubig.

Hier hat jemand einen Felsen in der Landschaft vergessen. Bitte abholen!

Hier hat jemand einen Felsen in der Landschaft vergessen. Bitte abholen!

Einer der berühmten Joshua Trees - so selten weil so hässlich.

Einer der berühmten Joshua Trees - so selten weil so hässlich.

Wir kommen immer näher an die Quellen heran

Wir kommen immer näher an die Quellen heran

Wir bezahlen jeweils fünf Dollar Parkgebühr (in Österreich wären das etwa zwei Golddukaten), parken den Wagen, und machen uns frohen Schrittes … aufgeriebenen Schrittes auf den Weg. “It’s only gonna be like a twenty, thirty minute hike max!”, versichere ich der vom Protest zerbeutelten Lorena.

Etwa achtzig Minuten später sind wir dann dort, wo ich sie hinbringen wollte – bei den Deep Creek Hot Springs. Ein magischer Ort, der zugleich von Familien und Hippie-Nudisten behaust wird. Lorena ist durch den malerischen Eindruck versöhnt, und uns kommt ein nackter alter Mann mit Rucksack entgegengelatscht. Am Flussbett, das den Wanderweg von den heissen Quellen trennt, sehen wir eine Frau mittleren Alters und einen Mann bei dem missglückendem Versuch, einem zweiten Mann (ca. 50) in seinem Drogenrausch zu helfen. Er stöhnt, grunzt, rollt sich nackt im Staub, schreit unverständlichen Scheiss und führt sich ganz famos auf. Ein paar Schritte weiter kommt uns eine Familie mit zehn Mitgliedern entgegen – der Jüngste wohl so um die vier Jahre alt. Nach einer kurzen Badetour – wir sind einfach zu spät aufgebrochen und der Winter lässt die Sonne schnell untergehen – geht es wieder auf den Rückweg. Der bald hereinbrechende Sonnenuntergang ist dann Romantik pur.

Auf dem Wanderweg - eine atemberaubende Landschaft.

Auf dem Wanderweg - eine atemberaubende Landschaft.

So sehen die Quellen aus; man muss einen Fluss überqueren (es gibt eine Sandbank, auf der das Wasser bis zur Hüfte geht), dahinter dann drei Pools.

So sehen die Quellen aus; man muss einen Fluss überqueren (es gibt eine Sandbank, auf der das Wasser bis zur Hüfte geht), dahinter dann drei Pools.

Das Flussbett vom Rückweg aus gesehen

Das Flussbett vom Rückweg aus gesehen

Lorena im Rotlichtviertel der Natur

Lorena im Rotlichtviertel der Natur

Kein Photoshop, versprochen (bis auf Schärfe und Bildgrösse)!

Kein Photoshop, versprochen (bis auf Schärfe und Bildgrösse)!

Zum Abschluss eine saugeile all-you-can-eat Kette: "Sizzler". Die Salatbar ist geschmackstechnisch ein Orgasmus.

Zum Abschluss eine saugeile all-you-can-eat Kette: "Sizzler". Die Salatbar ist geschmackstechnisch ein Orgasmus.

Hier finden Sie, werter Leser, die Routenbeschreibung

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.