Studentenregierung, Director of Publicity und Teil 1 von CCCSAA

Fortsetzung von: Wie schon in Debakel und Spektakel in der Studentenregierung erwähnt, habe ich die Wahlen zu den Associated Students im Frühling 2010 verloren. Durch einen glücklichen Zufall öffnete sich der Posten jedoch, und ich werde zu einem Bewerbungsgespräch geladen.

AS = Associated Students = Studentenregierung

Tam-Tammmm, ein paar Tage später bekomme ich eine Email von Tiffany, der AS Präsidentin:

Dear Tobias,

Congratulations! You have been selected as the new Director of Publicity! There are many things that you will be doing this year. The first thing on your agenda is to come to today’s board meeting (my apologies for the late notice) at 3pm in the Cayton Center. If you have any questions, please feel free to contact me. Once again, congratulations.

All the best,

Tiffany

Boah, bin ich aufgeregt! Geiler Scheiss! Jetzt bin  ich einer von 16 “Directors” und sitze an einem Podium, das das Geld verwaltet, verteilt und Projekte organisiert. Meine Rolle als Director of Publicity besteht darin, die Öffentlichkeitsarbeit für die Studentenregierung zu erledigen, vor allem aber, Leute auf die Studentenregierung aufmerksam zu machen. Das ist durchaus ein Problem, denn der massive Grossteil der Studenten hat keine Ahnung was die Studentenregierung überhaupt ist.

Es gibt eine Aufgabe, die ich ohne Diskussion wöchentlich erledigen muss, nämlich die Anzeige im Corsair, der College-eigenen Zeitung. 

Eine der Anzeigen, die ich im November im Corsair Newspaper geschalten habe; leider nur in Schwarz-Weiss.

Eine der Anzeigen, die ich im November im Corsair Newspaper geschalten habe; leider nur in Schwarz-Weiss.

Hierbei kaufen wir für Herbst- und Frühlingssemester eine halbe Seite, das kostet uns 5500$ im Jahr, und auf diese halbe Seite können wir schreiben was auch immer wir wollen. Ich entscheide mich dazu, mehrere Informationsanzeigen zu schalten, sprich, „Was sind die A.S. Überhaupt“, „Was bringt es dir, Mitglied bei den AS zu werden?“ und so weiter. Jeder Student zahlt einen Beitrag von 19,50$ pro Semester und kann diesen Beitrag zurückerstattet bekommen, wenn er so wünscht. Am Santa Monica College verlangen fast 50% der Studenten ihren Beitrag zurück, was natürlich riesige Auswirkungen auf unsere AS-Unternehmungen hat.

Das Budget der Studentenregierung, welches sich aus ca. 15.000 mal 19,50$ Beiträgen pro Semester und Session (im Winter und Sommer gibt es gestauchte Semester) zusammensetzt:

Das Budget der Studentenregierung am SMC, Stand Dezember 2010. Im oberen Teil sieht man die "Unrestricted Funds", die wir aktiv benutzen; unten die "Restricted Funds", die für bestimmte Programme oder Initiativen reserviert sind.

Das Budget der Studentenregierung am SMC, Stand Dezember 2010. Im oberen Teil sieht man die "Unrestricted Funds", die wir aktiv benutzen; unten die "Restricted Funds", die für bestimmte Programme oder Initiativen reserviert sind.

Mehr über die Umtriebe am Karreetisch der A.S. in einem späteren Beitrag – jetzt erst einmal zur beeindruckendsten Unternehmung: Als Publicity-Director der Studentenregierung habe ich bestimmte Privilegien und Verantwortungen, unter anderem die Teilnahme an kalifornienweiten Konferenzen, bei denen sich die Studentenregierungen aller Community Colleges (wie schon in der Anleitung zum Studium in den USA erwähnt, das grösste höhere Bildungssystem der Welt) treffen und Erfahrungen austauschen. Das ist speziell wichtig, da die Dynamiken trotz grosser demographischer und geographischer Unterschiede oft dieselben sind: Jede Studentenregierung kämpft mit der Motivation ihrer Mitglieder, mit der Opt-Out (Geldrückerstattung)-Rate, mit dem Finden von freiwilligen Comissioners (so wie ich es letztes Jahr war) – und daher ist es essentiell, sich zu treffen und zu beraten. In welchen Ausmassen dieses Treffen allerdings stattfindet, weiss ich noch nicht; ich habe nur gehört, dass wir in einem grossen Hotel in Costa Mesa für die CCCSAA-Konferenz untergebracht werden.

Klein aber fein – CCCSAA im  Hilton Hotel

Es geht früh morgens um acht Uhr los, wir springen in den sonst kaum gesehenen SMC-eigenen Bus, der mit Aufdruck und allem drum und dran zum Protzen einlädt. Über bekannte Freeways geht es in Richtung Süden, San Diego, doch wir nehmen eine Abzweigung in der Nähe von Newport Beach, wo OC California gedreht wurde. Ich habe in der Beschreibung vor einigen Wochen etwas von einem Hotel gelesen … in meinem Kopf spiegelte sich damals ein Jugendzentrum oder so wieder – doch als der Bus in ein die Einfahrt eines gigantischen Hilton-Hotels einbiegt, bleibt mir die Sprache weg. WHAT THE FUCK!

Der legendäre SMC-Bus, nur für den Kriegsfall und für A.S.-Konferenzen bereitgestellt!

Der legendäre SMC-Bus, nur für den Kriegsfall und für A.S.-Konferenzen bereitgestellt!

Diese Leute kenne ich noch kaum; bald sollten wir uns dann näher kennenlernen. Das sind die anderen Direktoren der SMC-Studentenregierung.

Diese Leute kenne ich noch kaum; bald sollten wir uns dann näher kennenlernen. Das sind die anderen Direktoren der SMC-Studentenregierung.

Fotos vom Hilton Hotel in Costa Mesa, von der Hilton-Website geklaut. Da bin ich aus meinen Pantoffeln gestürzt!

Fotos vom Hilton Hotel in Costa Mesa, von der Hilton-Website geklaut. Da bin ich aus meinen Pantoffeln gestürzt!

20$ fürs Mittagessen, da die Konferenz erst wirklich am Nachmittag beginnt.

20$ fürs Mittagessen, da die Konferenz erst wirklich am Nachmittag beginnt.

Allein die Aufzüge in diesem Hotel sind pompös

Allein die Aufzüge in diesem Hotel sind pompös

Unser bescheidenes Zimmer, mit einem XXX-Zoll-Flachbildschirmfernseher.

Unser bescheidenes Zimmer, mit einem XXX-Zoll-Flachbildschirmfernseher.

Ich komme in ein Zimmer mit Andrew, dem Director of Publicity – wohl gemerkt, ein fettes Zimmer mit zwei riesigen Betten. Andrew, den ich bisher von den Meetings nur flüchtig kenne – ich kenne alle Leute in der Studentenregierung nur im “professionellen” Gebiet – stellt sich als ehemaliger Tourmanager für Bands wie System of a Down und Linkin Park heraus, und erzählt mir nach einigem Nachbohren allerlei interessante Geschichten zu dem Verhalten der Musiker und der Musikindustrie selbst:

Legenden & Mythen der Musikindustrie und deren männlichen Divas

Die urbane Legende von Musikern, die sich wie Divas aufführen, ist teilweise wahr – viele Musiker sind aber so umwöhnt und permanent assistiert, dass sie of verlernen wie man die simpelsten Dinge tut; einer von Linkin Park bat Andrew damals beispielsweise, ihm bei einer total arbiträren Google-Suche behilflich zu sein. Manche von den Musikern sind einfach regressiv und werden verwöhnte Kleinkinder, die vom Plattenlabel rund um die Welt geschickt werden um zu performen aber im Prozess ihre Selbstständigkeit verlieren; ein Teil dieser benimmt sich wie undankbare Despoten, andere (wie Linkin Park) sind freundlich und bedanken sich für die Hilfe.

Auch interessant ist, dass Plattenlabels oftmals eher als Banken auftreten: Sie geben einer Band zB 500.000$ Budget, um auf Tournee zu gehen. Die Band geht auf Tournee, und muss mehr als 500.000$ einspielen, um selbst etwas zu verdienen. Klappt das nicht, haben sie Schulden beim Plattenlabel; daraufhin bekommen sie einen weiteren Geldvorschuss, sagen wir 1.000.000$, mit der sie zwei neue Alben aufnehmen können und Musikvideos drehen etc. – schafft die Band, die 1.000.000$ mit den zwei Alben einzuspielen, behalten sie den Rest als Gewinn – schaffen sie es nicht, verschulden sie sich weiter. Ein teuflischer Kreislauf.

Jetzt genug des Gequatsche, wir haben hier schliesslich eine Aufgabe. Wir düsen im Edelstahlaufzug in die blitzblanke Lobby, treffen unsere Genossen Regierungsmitglieder, kriegen schöne Umhängeschilder mit Namen und ab geht’s in den Konferenzraum.

Intime Energien zum Kennenlernen

Das, was ich in dem Konferenzraum sehe, hätte ich nie erwartet – ca. 300 Studenten und ein Showmaster tanzen Macarena. Wir reihen uns ein in die wogende Masse und klatschen unsere Ärsche “Eeeeeh Macarena!”, während wir auf dem Teppichboden herumhüpfen. Dem nicht genug – es folgen weitere Kennenlernspiele:

  • Skin the Snake / Schlangenhäutungs-Spiel: Ein äusserst intimes Spiel, das mir besonders taugt, weil in Amerika alle so prüde sind, alle haben oh-so-viel Angst davor, irgendwelche sexuellen Bemerkungen in der Öffentlichkeit zu machen. Mein greift mit einer Hand unter den eigenen Beinen durch und fasst eine der Hände des Hintermanns, bzw. greift sich die andere Hand des Vordermanns. Jetzt stehen alle Arsch zu Gesicht (mit ca. 10cm Abstand, also vorsicht bei Blähungen). Dann setzt sich die letzte Person in der Schlange langsam hin, alle rücken etwas rückwärts, die nächste Person legt sich auf den Boden ohne loszulassen (was dazu führt, dass man die eigene Hand fast im Schritt der anderen Person hat, ebenfalls sehr romantisch) und man sieht 25 anstehende Politiker mit gegrätschten Beinen über das eigene Gesicht wabern. Höchst prüde, das gefällt mir!
  • The human chair circle / Kreissitzen: Hierbei stellen sich alle 300 Leute in zwei Kreisen auf, auf den Rücken des Vordermanns blickend. Der Abstand zwischen den Leuten muss relativ klein sein, denn auf 1-2-3 setzen sich alle gleichzeitig auf die Knie / Schenkel des Hintermanns. Grossartiges Spiel für zukünftige Politiker, da macht man schon Schenkelbekanntschaften bevor die ernsten Teile der Konferenz beginnen.
  • Standing up Back to Back / Gemeinsam aufstehen: Zuerst beginnen wir mit Zweierpärchen (man muss jemanden wählen, den man nicht kennt) – Rücken an Rücken hinsetzen, Arme einhaken, Füsse einziehen und auf 1-2-3 stehen alle gemeinsam auf. Nach ein paar Runden kombinieren wir dann Pärchen, bis wir am Schluss eine Gruppe von 12 Leuten sind, die in einem superengen Kreis sitzen und durch den Druck gegeneinander wie eine fette Spinne aufstehen können.
  • Weiters: Entfesselungsspiele, der Chickendance und Gruppen-Händehalten, zu banal um einer Erklärung zu bedürfen.
Beim Tanzen im Kennenlernspiel - so sehen echte Politiker in ihrer Freizeit wohl auch aus

Beim Tanzen im Kennenlernspiel - so sehen echte Politiker in ihrer Freizeit wohl auch aus

Schuhputzthrone sind eine gute Gelegenheit, um das Programm der Konferenz zu studieren.

Schuhputzthrone sind eine gute Gelegenheit, um das Programm der Konferenz zu studieren.

Jetzt, wor wir uns alle im Spiel schon ein bisschen kennen, geht es los mit den tatsächlichen, kollaborativen Arbeiten:

Workshops und die Badehoseneinheit

In verschiedenen Workshops, die über den Tag verteilt sind, lernen wir über Kaliforniens Finanzkrise und deren Auswirkung auf unsere Community Colleges – viele Colleges bekommen Millionenkürzungen und haben so gut wie keine Mittel der Profitmaximierung auf ihrer Seite, daher müssen sie wohl viele Studienplätze aufgeben, Angestellte entlassen usw. usw., alles direkt vor meinen Augen -, über richtiges Führungsverhalten, über Budgetmanagement in der Studentenregierung, über “Parliamentary Procedure”  / parlamentarische Geschäftsordnung (diese müssen wir bei unseren wöchentlichen Meetings streng befolgen), über Krisenmanagementt und Personalmanagement, über Persönlichkeitstypen verschiedener Regierungsmitglieder, über Marketing und Kommunikation mit der Studentenpopulation, und zuletzt über Lobbyingstrategien bzw. das korrekte Manipulieren von Abgeordneten des US-Senats zu Gunsten der Studentenschaft. Die meisten dieser Workshops sind sehr interessant, und ich kritzle fleissig Notizen für den Blog, die ich aber schon wieder verloren habe. Auch wenn dieser Paragraph nur ein kleiner Teil meines Artikels sein mag, so sei der werte Leser informiert, dass die Workshops neben dem gegenseitigen Ideenaustausch das zentrale Ziel der Konferenz darstellen.

Sobald die Workshops vorbei sind, ziehe ich mit ein paar Regierungs-Kumpels – Kevin (Director of Student Support), Vince (Director of Budget Management) und David (ICC Vice Chair) – los, um das Hotel zu erkundschaften und die Existenz eines Jaccuzzis zu bestätigen. Tatsächlich gibt es eine fette Sprudelbadewanne, so ähnlich wie damals in Big Bear, bloss grösser. Das Problem: Wir haben keine Badehosen, und in den USA wird Nacktbaden mit der Todesstrafe geahndet. Wir haben noch etwa eine Stunde bis zum Abendessen, und bei der Anfahrt habe ich ein grosses Einkaufszentrum gesehen, das ca. einen Kilometer weit weg liegt. Also, ab die Post, wir marschieren über die Freewaybrücke, die neben dem Hotel steht, und gelangen nach einer halben Stunde zu dem Einkaufszentrum. Das Problem: Die billigen Gewänder gibt es nur im hintersten Teil des Einkaufszentrums, und das ist noch einmal einen halben Kilometer weiter. Schliesslich schaffen wir es, Badehosen zu erstehen, einer von uns ruft Benny an – Benny ist unser Begleiter und Berater, der im Büro der Studentenregierung schon seit Jahren für das College arbeitet. Er ist etwas genervt von unserer Kindergartenaktion, aber wenigstens schaffen wir es alle zum Abendessen:

Fressgelage und inspirierende Endgespräche über Mitgliedsbeiträge in Pasadena

Panoramaaufnahme des riesigen Saales (Kapazität: 1200 Besucher); hier wird fest gefuttert und getratscht.

Panoramaaufnahme des riesigen Saales (Kapazität: 1200 Besucher); hier wird fest gefuttert und getratscht.

Bei uns im Konferenz-Team gibt es eindeutige Frauenpower - dem kann man nur mit männlichen Fressattacken entgegenhalten.

Bei uns im Konferenz-Team gibt es eindeutige Frauenpower - dem kann man nur mit männlichen Fressattacken entgegenhalten.

Ein gigantischer Saal gefüllt mit Möchtegernpolitikern, und superfurzfeinem Essen, als wären wir 300 Könige Salomon. Während dem Abendessen entsteht ein Haufen Blödsinn, darunter aber ein interessanter Dialog mit dem Pasadena City College, die auch eine Gebühr für ihre 30.000 Studenten haben, allerdings gibt es dort weniger als 100 Ausreisser (verglichen mit SMC’s 15.000 Verweigerern). Sie erklären mir, dass Studenten bei ihnen zum Büro der Studentenregierung kommen, einen Vertrag ausfüllen (in dem steht „Ich erkläre mich dazu bereit, folgende Vorteile und Dienste zu verlieren“) und ihre Entscheidung begründen müssen. Beim SMC muss man einfach nur sagen „Ich will nicht“.
Geniale Idee von Pasadena, ich werde mich an die Arbeit machen, das auch im SMC einzuführen. Bevor ich mich allerdings an die Arbeit mache, gehen wir erst einmal ins

…. Jaccuzzi! (Und Arbeit bis 6 Uhr früh [Und erste Schritte als todesgefährlicher Elektroingenieur])

Vince, Kevin und ich entscheiden uns für die selben Höschen - bloss David bleibt ausgeschlossen aus der Badehosenmafia, seine Wäsche ist nicht cool genug.

Vince, Kevin und ich entscheiden uns für die selben Höschen - bloss David bleibt ausgeschlossen aus der Badehosenmafia, seine Wäsche ist nicht cool genug.

Kühler Pool oder heisses Jaccuzzi - hier kann man nach einer "anstrengenden" Konferenz die Seele baumeln lassen .

Kühler Pool oder heisses Jaccuzzi - hier kann man nach einer "anstrengenden" Konferenz die Seele baumeln lassen .

Nach zwei Stunden heissem Wasser und Bubbelbläschen sehe ich mir den Tanzabend an, shake ab und schwitze mich zu Tode, werde aufs Zimmer geschickt um mein Outfit zu ändern (ich kam in Badehosen only) und setze mich um ca. Mitternacht in die Lobby des Hotels, mit meinem Laptop bewaffnet, um für mein Praktikum (mehr über das Praktikum in einem zukünftigen Blogpost, ich habe ein halbjähriges Internship in einer Werbeagentur bekommen) ein paar Stunden zu arbeiten. Per Skype und Handy unterhalte ich mich mit einem meiner Vorgesetzten und beginne mit der Arbeit. „We HAVE to get that finished tonight, we need to bring it to the printer.“
Scheisse. Heute Nacht noch, und es ist schon zwei Uhr morgens. Ich arbeite an einem Layout, alles ist finster im Hotel, bloss der Brunnen plätschert. Ein paar meiner Freunde aus der Studentenregierung gehen was essen, ich joine sie mit meinem Laptop auf einer nächtlichen Suche nach einem Subway-Restaurant, und eine dreiviertel Stunde später bin ich wieder an der Arbeit. Zwei von ihnen bleiben in der Lobby, der Rest geht schlafen. David werkelt an einem Computerspiel, ich an meinem Layout, und plötzlich funktioniert mein Stromkabel nicht mehr. Scheisse. Die Batterie läuft langsam aus. Ich probiere herum, versuche alles, keine Chance. Ich speichere schnell, und mein Laptop – gerade mal ein paar Monate alt – fährt herunter. Was jetzt? Das Problem, wenn ein Stromkabel nicht funktioniert, liegt oftmals beim Stecker, der in den Laptop führt – dort könnte es eine schadhafte Lötung oder Wackelkontakt geben. Ich frage beim Hilton-empfangstisch – 24 Stunden geöffnet – ob sie vielleicht eine Schere haben. Das Kabel auseinanderzunehmen ist meine einzige Chance. Ich bekomme eine Schere, trenne das Kabel vom Stromkreis und schneide brutal in den Stecker, dort wo er an das Kabel anschliesst.

In dieser bescheidenen Hotellobby teste ich meinen ersten Do-It-Yourself Laptop-Kabelanschluss um ca. 5 Uhr morgens.

In dieser bescheidenen Hotellobby teste ich meinen ersten Do-It-Yourself Laptop-Kabelanschluss um ca. 5 Uhr morgens.

Nach ca. einer halben Stunde Herumgetüftel, brutalem Geschneide, sanftem geschnipple und Schweissperlen der Angst und des Stresses, wo es jetzt auch schon fünf Uhr früh ist, komme ich endlich zur Lösung: Innerhalb des Kabels sind zwei Kabel, das eine umschliesst das andere. Ich trenne die Drahtstränge, mache sie zu einer Gabelung, umzwirble beide mit Klebestreifen (ebenfalls von der hilton-Rezeption gesponsort) und stecke den einen in den Stecker (der inzwischen auf sein Minimum reduzeiert wurde, zwei ineinandergesteckte Metallzylinder), den anderen klebe ich auf die Oberfläche des äußeren Zylinders fest. So gefährlich das ganze Unterfangen auch sein mag – berühren sich zwei Drähte von den zwei Drahtsträngen, gibt es einen Kurzschluss und das Hotel würde explodieren und alle sterben – der DIY-Laptopstecker funktioniert. Ich kann meine Arbeit vollenden und falle um 6:30 morgens ins  Bett, nur um um 8:30 wieder aufzustehen und mir Frühstück in die Kehle zu papfen.

Little do I know that …

FORTSETZUNG FOLGT

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.