Der Castingprozess für “Terminated” – Teil 2: Das Casting

Mehr Artikel über das “Terminated”-Filmprojekt hier: Terminated Archiv

Das erste Casting in meinem Leben

Eine Sache, an die ich mich erinne, als ich damals mit der Masche “österreichischer Schauspielanfänger mit Bodybuilding-Paketen sucht nach Schauspielrollen“ verschiedene Auditions und Castings besucht habe, ist: Ein Casting muss legitim wirken, um die Schauspieler zu weiterer Zusammenarbeit zu bewegen… speziell, wenn es keine Bezahlung gibt, oder wie in meinem Fall, nur „copy / credit / food“ angeboten wird.

Eine dieser Faktoren ist der Vorsprechraum, der schön privat und einladend sein sollte. Es muss einen Warteraum geben, in dem die anstehenden Schauspieler gemütlich ihre Texte proben können, und der Vorsprechraum sollte relativ schalldicht sein, sodass keiner – innen oder aussen – voneinander gestört wird. Also bitte ich Yonatan als Produzent, einen Konferenzraum im AET Campus für mein Casting klarzumachen. Wir kriegen die Zulassung für den Raum (der Campus ist strengstens bürokratisch geführt, obwohl alle Klassen darauf mit Kreativität zu tun haben, was für eine faule Nummer), und etwa eine halbe Stunde vor Castingbeginn treffen wir beide ein.

Ich hänge Schilder an diverse Eingangs- und Aufzugstüren, damit eingehende Schauspieler sich nicht verirren, arrangiere ein paar Stühle am Gang vor dem Castingraum, stelle schnell eine Tabelle zusammen, auf der sich Schauspieler eintragen können, und Yonatan baut eine an die Wand geklebte Papiertasche, in die wir die „Sides“ stecken; Auszüge aus meinem Drehbuch, die die Schauspieler zum Vorsprechen bereits per Email erhalten haben, aber doppelt hält besser. Ich bin total aufgeregt, schliesslich habe ich das noch nie selbst gemacht.

Der erste Schauspieler taucht auf, und ich sage ihm vorsichtshalber, er solle noch 15 Minuten warten. Ich klatsche innerlich in meine Hände, als er das routinegemäss lächelnd in Kauf nimmt und sich in seine Sides vertieft… beim Casting kann man Leute einfach warten lassen und es ist kein Problem, ich fühle mich ja schon fast so machtverdorben wie ein Schuldirektor!

„Yonatan, is there already a second actor outside?“, frage ich, über meine Castingliste mit Photos geneigt. Natürlich hätte ich auch selbst gehen und nachsehen können, aber eines muss ich noch lernen:

Delegieren.

Als Filmregisseur ist die Fähigkeit der Delegation unbezahlbar wichtig und kann oft zwischen Erfolg und Niederlage entscheiden; jemand wie ich – der schon von klein auf eine DIY (Do it yourself, bitch!)-Einstellung hat, viele verschiedene kreative Disziplinen beherrscht und Anschaffer nicht leiden kann – hat Problem mit dem Delegieren von anderen… wie kommen die dazu, für mich die Drecksarbeit zu machen? Man muss sich nun vor Augen führen, dass ein Regisseur von so vielen Seiten auf einmal gebraucht wird – der Kameramann fragt ob das Licht gut ist, der Produktionsdesigner möchte wissen, ob die Anordnung der Möbel so passt, der Regieassistent muss etwas wegen der Drehzeit klären – da kann es nicht sein, dass der Regisseur gerade ein paar Boxen schleppen ist. Der Regisseur muss dafür jemand anders darum bitten, und auf einem Filmset ist es selbstverständlich, Arbeit für verschiedene Schlüsselpositionen auf deren Aufgabenbereich zu begrenzen. Gleichermassen ist es wichtig, nicht zum verwöhnten Baby zu werden (“Hey, kannst du mir den Drink bringen, der zwei Meter neben mir steht?”) und die Grenzen der Delegation finden. Regiearbeit ist oft ein grosser Balanceakt, speziell, wenn man erst Anfänger ist.

Der Konferenzraum am AET Campus mit aufgeteilten Casting-Unterlagen zu "Terminated"; von der Perspektive des Filmemachers aus gesehen.

Der Konferenzraum am AET Campus mit aufgeteilten Casting-Unterlagen zu "Terminated"; von der Perspektive des Filmemachers aus gesehen.

Es geht los im Vorsprechraum

So sieht die Liste der Schauspieler aus, die ich bestellt habe - mit kleinen Notizen und Symbolen vermerke ich ihr Auftauchen bzw. die Qualität ihrer Darstellung.

So sieht die Liste der Schauspieler aus, die ich bestellt habe - mit kleinen Notizen und Symbolen vermerke ich ihr Auftauchen bzw. die Qualität ihrer Darstellung.

Zurück zu Yonatan, der aus dem Türfenster guckt. “Ja, there are two outside!” – “Bring them in”.
Ich versuche, so formal wie möglich zu wirken, stelle mich als Tobeias vor und bitte sie, sich an den grossen Konferenztisch zu setzen. “Do you have your headshots and resumes with you?”, frage ich und bekomme zwei Karten von den beiden – ihre A4-Portraits auf der einen Seite, ein Schauspieler-Lebenslauf auf der Hinterseite. Ich lege die beiden auf den Tisch und benutze die berühmte Phrase “Whenever you are ready”. Die beiden beginnen den Dialog von Mr. Wilson und Gerhard; während der Online-Phase des Castings habe ich den Schauspielern einen Auszug aus der Entlassungsszene geschickt. Der eine Schauspieler hat fast hüftlange Haare und passt in meinem Kopf überhaupt nicht in den Film; trotzdem freue ich mich, dass er aufgetaucht ist und Variation ins Aussehen der “Gerhard”-Anwärter einbringt.

Als die beiden fertig sind, sage ich “that was very good”, weil es sich 1) so gehört und 2) die beiden durchaus gut waren. Ich gebe ihnen dann Feedback, erkläre ihnen die Rollen wie ich sie mir vorstelle und beschliesse meine Ansprache mit “let’s try it again”. Damit bekomme ich einmal eine Performance zu sehen, so, wie sie der Schauspieler verstanden hat, und einmal so, wie sie in meinem Kopfkino ablaufen sollte. Nach dem zweiten Durchlauf kommt noch ein dritter, dann bedanke ich mich und lasse die beiden gehen. Lorena holt die nächsten hinein, Yonatan und ich stellen uns als Produzent und Regisseur vor, und lassen uns eine Eigeninterpretation, eine mit Regie-Feedback und eine improvisierte Version der Szene vorspielen. So geht das dann ein paar Stunden lang, bis wir unsere Filmproduktionsklasse haben, für die ich diesen Film anfangs machte – jetzt mache ich ihn für mich selbst. Ich bin mir sicher, dass ich die Schauspieler bisher sehr gut fand und schon ein paar “Einser” (ich bewerte jeden Schauspieler abermals auf einer 1-3 Skala in meinen Notizen) gefunden habe.

Nach einer kurzen Pause…

…von vier klitzekleinen Pausenstunden (in dem Zeitraum habe ich eben jene Klasse, also kann ich kein Casting abhalten) geht es weiter. Ein Schauspieler taucht auf, den ich eigentlich nur aus reinem Wohlwollen eingeladen habe, aber komplett überhaupt nicht in die Rolle passt: Gross gebauter Mann mit kurz geschorenen Haaren, schwarzer Haut und HipHop Bling-Bling Ohrstecker … so habe ich mir den Charakter wirklich nicht vorgestellt, speziell weil dieser doch resignieren soll, nicht seinen Boss zusammnschlagen. Der junge Mann betritt den Raum, gemeinsam mit einem Mr. Wilson-Anwärter. “Whenever you are ready”.
In den nächsten 20 Sekunden fällt mir die Kinnlade herunter. WHAT THE FUCK. Der riesige Typ spielt diesen unglaublich netten, nervösen, schüchternen Mann, so überzeugend, dass ich mir beinahe in die Hose strulle. Ich bin so aufgeregt, der Mr. Wilson-Anwärter geht, der grossartige Riese bleibt da, ich frage ihn verschiedene begeisterte Ausquetschereien, er erzählt mir von seiner Karriere und es fühlt sich fast so an, als ob er die Rolle hätte. Ich frage ihn nach seiner Erreichbarkeit und Zeit; er meint, er habe wahrscheinlich ein Filmprojekt an dem Wochenende, aber das steht noch nicht, und falls ich ihm schnell zusage, dann kann er den Termin mit seinem Agenten festlegen. Ich bin total hin und weg, habe meine Entscheidung bereits getroffen, als er die Tür hinauswatschelt. Lorena lehnt sich zu mir rüber: “I don’t know, he seemed like a salesman. He wants to pressure you into a decision. He’s a great actor, but sells himself too much, I don’t like that.”
Weise Worte von einer weisen Dame, und ich bin heilfroh, dass sie neben mir sitzt – Lorena weiss immer, konstruktive Kritik zu üben und nimmt selten ein Blatt vor den Mund.

Gut so, denn nur zwanzig Minuten später sitze ich alleine am Tisch, und Lorena bringt nur einen Schauspieler herein. Er ist in einem kompletten Anzug gekleidet, nicht, was ich mir vorgestellt habe, aber ikonisch. “There’s no Mr. Wilson here, Toby.” “Ok, then I’ll just play Mr. Wilson. What’s your name?” “Darrel Cherney.” “Ok Darrel, do you have a resume and photo? Here, we two will play the scene, I’ll play Mr. Wilson. Do you have any questions?” “No, I’m ready.”
Und so sehr ich zwanzig Minuten zuvor begeistert war, so fühle ich mich jetzt komplett vom Hocker geworfen. Ich spiele Mr. Wilson, den Boss, und es fühlt sich an, als würde ich diesen armen Darrel tatsächlich feuern. Sein Schauspiel ist so realistisch und gekonnt, dass es dafür einfach keine Worte gibt. Ich Casting-verliebe mich. Bevor unsere erste Szene noch vorüber ist, stelle ich mir schon den ganzen Film mit seinem Gesicht vor. Er ist der letzte Schauspieler für den Tag, es ist bereits nach acht Uhr abends. Ich notiere:

Jetzt bin ich mir ganz sicher, und wir quatschen für eine Weile. Ich gestehe ihm die Verbindung zwischen meinem Film Terminated zum echten Leben, etwas, was ich noch keinem anderen Schauspieler erzählt habe. Sein Outfit passt perfekt für den Film, und ich bin schon komplett vollgetankt mit Euphorie, als ich ein Paar starrender Augen in der Tür erblicke – einer der netteren Professoren am AET Campus ist ganz aufgebracht, dass wir den Raum benutzen; schliesslich haben wir ihn nur für den Vormittag gebucht, er ist für die Raumzuweisung verantwortlich, und wenn das die Direktorin herausfinden würde … ach Gott, schon wieder diese Kreativität-Bürokratie-Scheisse. Ich entschuldige mich vielmals, versichere, dass es nie wieder vorkommen wird und vertschüsse mich mit Darrel, dem ich euphorisch die Hauptrolle gebe.

Meine dezente Notiz zu Darrel, den ich als letzten Schauspieler am ersten Tag treffe.

Meine dezente Notiz zu Darrel, den ich als letzten Schauspieler am ersten Tag treffe.

Typisch ich, nach dem aufregenden Casting muss Stress abgeladen werden - herumblödeln und die Szene selbst nachspielen funktionieren da gut. Foto: Yonatan Mallinger.

Typisch ich, nach dem aufregenden Casting muss Stress abgeladen werden - herumblödeln und die Szene selbst nachspielen funktionieren da gut. Foto: Yonatan Mallinger.

Es kommt wieder vor … und dann wieder: Zweites Casting und Callback, jetzt bricht die Hölle los

Ich entscheide mich, zu “üben” und ein zweites Casting am selben Tag wie den Callbacks abzuhalten, eine Woche nach dem ersten Casting. Am Tag vor den Callbacks bekomme ich eine SMS von Darrel, dass er wahrscheinlich keine Zeit hat, da er arbeiten muss. NEIN! NEIN! Das kann nicht sein, der Typ ist so grossartig, ich muss den einfach haben. Ich lade sicherheitshalber ein paar weiter Schauspieler zum Callback ein, obwohl ich mich bereits für Darrel entschieden habe.
“Well, can’t you take off?”
“I could, but I need to find a replacement for myself, and I have the worst shift. Usually you have to bribe people to take that shift over.” (er ist  Kellner)
“Let’s bribe them then!”
“The usual rate for bribing is about 50$ per Day”
“So, it’s a hundred dollars for two days. Ok, let’s do it!  We’ll figure something out about who pays what.”, sage ich, ganz schottisch-geizig. Im Endeffekt werde ich die 100$ Bestechungsgeld zahlen, damit Darrel in meinem Film mitarbeitet. Das mach ich gern.

Das zweite Casting läuft etwas chaotischer ab; natürlich ist mein Ansuchen für einen Vorsprechraum abgelehnt worden, also suche ich mir ein Klassenzimmer, klebe einen Zettel an die Türen des Gebäudes, stelle fest, dass die Zimmernummer zu einer Abstellkammer führt, ändere die Zimmernummer zu jenem Klassenzimmer, ändere die Zettel, haste durchs Haus, begrüsse einen bereits eingetroffenen Schauspieler, gebe ihm die Sides, bereite alles vor (diesmal bin ich alleine), und als dann drei Schauspieler da sind, beginne ich. Ein paar gute Schauspieler kommen, die leider nicht für die Rolle passen aber interessante Fähigkeiten haben – und ein Haufen Laien tauchen ebenfalls auf, die ich nie in einem Film benutzen würde. In diesem Casting also nichts, was für Callbacks taugen würde. Kaum bin ich fast fertig, starren die selben Augen durch die Tür, denen ich bereits versprochen habe, dass ich keinen Raum mehr unerlaubt benutzen werde. Scheisse, total aufgeflogen.
“You can’t do this, man, you are not allowed to use a classroom without a permit for anything.”, sagt der gute Mann, mit etwas Zorn, aber mehr Furcht vor eigener Bestrafung. Okay, okay, habs schon verstanden. Ich baue meine ganzen Zettel wieder ab – der letzte Schauspieler ist fertig, also wurde ich nicht wirklich unterbrochen. Ich diskutiere mit dem Professor für etwa eine halbe Stunde, und er gibt mir Vorschläge, wo ich die Callbacks halten soll. Ich glaube, er ist richtig wütend, dass ich seine Gutmütigkeit so strapaziere.

Hab schon verstanden.

Callback – jetzt wirds heiss

Es wird Abend, und die drei Anwärter für die Mr. Wilson-Rolle (zwei SAG-Schauspieler, ein “normaler”), Darrel und eine der eingeteilten Schauspielerinnen für die Veronica-Rolle tauchen auf, die andere hat keine Zeit. Damit stehen zwei der Rollenbelegungen bereits, nur noch Mr. Wilson braucht einen Entschluss. Ich überlege mir gerade, wo ich die hoch emotionale Szene durchspielen soll, um meine Entscheidung zu treffen, als ich den Konferenzraum leerstehend und nicht abgeschlossen vorfinde. Wir huschen schnell hinein, und ich setze mich mit allen Schauspielern an den Tisch. „We’ll first do the scene with the two Mr. Wilsons, then the one with Veronica.“, sage ich zur einen Schauspielerin.

Ich weiss nicht ganz genau, wie ich das organisieren soll – eine seltsame Sache ist das schon, drei Leute gegeneinander antreten zu lassen – bis mir der eine Schauspieler aushilft: „How should we do that? Gerhard stays here and everyone steps out, and then one of us does the scene after another?“

Der Gang vor dem Konferenzraum - meine Schauspieler biegen schnell um die Ecke, um nicht von der AET Geheimpolizei bemerkt zu werden.

Der Gang vor dem Konferenzraum - meine Schauspieler biegen schnell um die Ecke, um nicht von der AET Geheimpolizei bemerkt zu werden.

Ja, das klingt gut. Also probiert der eiine Schauspieler zuerst, dann der zweite – Bruce – und zuletzt der, der die Idee hatte. Nach ein paar Wiederholungen, die ich aufnehme (um eine ungefähre Abschätzung der Szenenlänge zu bekommen), sagen die drei Mr. Wilson-Darsteller tschüss und verlassen das Gebäude. Heidi (so heisst die Veronica-Anwärterin) und Darrel spielen ihre Szene durch; im Skript ist sie nur ca. 10-15 Sekunden lang, ich lasse die beiden improvisieren, um das ganze schön zu verlängern, da passt die Filmchemie auch, schliesslich ist das die Szene, an der die Zeit kehrt macht. Ich danke Heidi, heisse sie willkommen an Bord und verabschiede mich. Jetzt sind nur noch Darrel, Yonatan und ich übrig. Meine Entscheidungen stehen nach kurzer Absprache mit dem Hauptdarsteller dann fest:

  • Darrel Cherney als “Gerhard”
  • Bruce Martin als “Mr. Wilson”
  • Heidi Herrmann als “Veronica Swanson”
Heidi Herrmann beim Spielen ihrer Rolle

Heidi Herrmann beim Spielen ihrer Rolle

Darrel Cherney, "Gerhard" ; mein Hauptdarsteller beim Callback - hier mit einem der Anwärter für Mr. Wilson.

Darrel Cherney, "Gerhard" ; mein Hauptdarsteller beim Callback - hier mit einem der Anwärter für Mr. Wilson.

Die Original-Unterlagen zum Casting von "Terminated" - Sign-In Sheets, handgezeichnete Schilder, Schedules, Schauspieler-Notizen und Sides/Drehbuchauszüge.

Die Original-Unterlagen zum Casting von "Terminated" - Sign-In Sheets, handgezeichnete Schilder, Schedules, Schauspieler-Notizen und Sides/Drehbuchauszüge.

Ich erzähle Darrel von meiner Inspiration zum Film, mehr über die Rolle und das Verhalten des Charakters bzw. meinen eigenen Erfahrungen. Wir sind gerade dabei zusammenzupacken, als ein Mann in der Tür steht. Der Professor. Scheisse, scheisse, scheisse. Mir dreht es den Magen um, ironischerweise so  ein ähnliches gefühl wie damals, als ich gefeuert wurde. Toll, einen Film über das Gefeuertwerden zu drehen, und im Prozess davon fast die selben Gefühle zu haben. Darrel wittert vielleicht etwas, vielleicht auch nicht – ich muss auf jeden Fall cool wirken, ich bin der Regisseur, der Regisseur kann nie die Coolness verlieren. „I’ll wait outside!“, sagt Darrel. „Yeah, that’s cool, we’ll come after we finish packing up!“, sage ich mit gespielter Gelassenheit.

Als Darrel draussen ist, kommt der Professor herein – der Professor dem ich hoch und heilig dargeboten habe, nicht mehr ohne Genehmigung einen Raum zu benützen.

„I’m gonna report you guys. I CANNOT BELIEVE THIS!! How can someone do that? I’ll never ever, I swear, in my life I will never ever help a student from your class again. The dean will make … I don’t even want to know what will happen to you, I’ll report this. This is outrageous. I CANNOT BELIEVE YOU GUYS!“

Mein Herz schlägt. Bumm-bumm. Verwarnung. Bumm-bumm. Schulverweise. Bumm-Bumm. Deportation zurrück nach Europa. Bumm-bumm. Ich hab mich echt in die Scheisse geritten. Yonatan steht bloss da und glotzt mich an, als ob ich etwas zu sagen wüsste. Naja, ich muss leider etwas sagen. Der Professor versucht, mich mit Blicken umzulegen und zu vierteilen, und an die Obdachlosen von Santa Monica zu verfüttern.

„I know … I’m sorry … very sorry … you know, sometimes you just have to do things to make movies that are not okay … I know I told you I wouldn’t, and I was really sincere about this… but right when all the actors arrived, I saw that the conference room was empty, and I knew it was wrong to do it and I promised you not to, but I just felt it was the only place I could get a good, private callback… But I’ll take all responsibility for what I did and what happened.“

Es folgen weitere fünf Minuten der tiefsten Empörung, aber irgendwie glaube ich, dass meine Antwort in ihm geklickt hat – denn er war sicher auch mal in ähnlichen Situationen, jeder Filmemacher erlebt so etwas, und manchmal muss man einfach zusammenhalten, wenn es um Filme geht. Er schwächt die Bestrafung ab – „I’m gonna give you guys the biggest break in the world, but I’ll never help any of you again, this really tipped over the bucket.“ – aber ist immer noch stinkwütend und sicher auch persönlich beleidigt, innerlich komplett am Kochen.

Ich bin dem Professor sehr dankbar, rede noch ein bisschen mit Darrel, und ab geht’s, mit dem Firebird dem Mondschein entgegen, auf in ein neues Abenteuer – denn Filmemachen ist voll davon.

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.