Setfotografie für Adam Mason’s “Junkie”

Mehr Setfotografien von “Junkie” (genau genommen, eine enge Auswahl von 470 Fotos aus 5 Tagen Setfotografie) gibt es auf diesen 3 Faceook-Alben (die man ohne Facebook-Account ansehen kann):
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.495971519491.266890.537359491&l=5866d6d94f
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.496370249491.267112.537359491&l=e821be2e86
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.499381584491.268748.537359491&l=3e5494e06b

Unsereins – mich inklusive – stellt sich gerne die Frage: “Wie komme ich an Jobs in der Filmindustrie?”

Tja, die Antwort darauf lautet enttäuschenderweise: Harte Arbeit, gute Arbeit, Kreativität, Erfahrung, Kontakte … und viel Zufall.
In diesem Fall, wie ich einen (unbezahlten, aber hallo) Setfotografie-Posten bekommen konnte.

Mit Craigslist fängt das Leben an – mit Facebook geht es weiter

Vor mehr als zwei Jahren, also während meinem Auslandszivildienst in LA habe ich auf Craigslist eine Anzeige gesehen: “Storyboarddesigner gesucht”. Ich habe eine Email mit ein paar meiner Storyboard-Spassprojekte geschickt und habe eine Antwort in die Richtung “cool, dann komm doch vorbei!” bekommen. Das Storyboardprojekt war eine coole Erfahrung, in der ich direkt mit Adam, dem  Regisseur und seinem Produzenten auf dem Esszimmertisch zusammengearbeitet und gekritzelt habe; jedenfalls musste ich dann abhauen nach Kanada und habe von Adam für zwei Jahre nichts mehr gehört.

Durch Zufall, während ich an Terminated arbeitete, schrieb ich dann dem Produzenten eine Email, wir kamen in Facebook-Kontakt, ich zeigte ihm die Projekte, an denen ich in den letzten zwei Jahren gearbeitet hatte,  und irgendwann erwähnten wir dann einmal nebenbei Adam – “Oh, Adam, he’s gonna shoot an independent feature soon, it’s a really fast shoot, like only a week long.”
Ich schrieb Adam auf Facebook, sendete ihm einen Rohschnitt von “Terminated”, dann telefonierten wir –
“Toby, I saw the rough cut of Terminated and really liked it… do you have time to be a PA on my set?”
“Well, I have to go to school and stuff, so I can’t be there all day, but I could be set photographer!”

Und schwupps, bekam ich eine Email vom Line Producer mit der Addresse und den Shootingdaten. Ab gehts…

Ein verlassenes Haus in der Mitte der Stadt

Ich fahre mit dem Auto herum; die Addresse scheint nicht zu existieren. Ich biege in eine Sackgasse, und keine Spur von dem vermeintlichen Grundstück; stattdessen finde ich aber ein cooles, verlassenes Haus, bei dem irgendeine Frau steht. ich frage sie, ob das Haus verlassen sei, sie verneint und meint “es würde aber manchmal für Filmshoots verwendet werden”. Geil; ich nehme ein paar Fotos davon auf, und fahre die Strasse weiter entlang, in die andere Richtung, komme in ein Ghetto wo ein Polizeiwagen mitten auf der Strasse steht und eine Frau mir sagt “You better get outta here really soon, it’s dangerous”. Also gut, rufe ich eben die Line-Produzentin an.
“Hey, I can’t  find the location somehow … there’s a church where the address is supposed to be.”
“Oh, yeah, it’s kind of out of order, you have to drive further down the street to  a big mansion.”
“Is it white and looks abandoned?”
“Exactly!”
“My god, I was there half an hour ago and took down notes on how to get there because it looked like a perfect location.”

Die Dame, die vor dem Haus stand, ist die Produktionsdesignerin, und nach einer 10-minütigen Wartezeit (es wird gerade gefilmt),  betrete ich das Haus. Es sieht relativ heruntergekommen und total stylisch aus. Das gesamte Untergeschoss ist ein Filmset. Adam begrüsst mich freudig (cool, er erkennt mich wieder?), und er und die Kamerafrau halten beide Canon-T2i-Kameras in der Hand; hätte mir nie gedacht, dass  jemand einen Spielfilm auf der T2i (in Deutschland: 550D) dreht.

Kleines Team, kurze Drehzeit, effiziente Planung – ein Independent-Horror-Spielfilm

Das Set von “Junkie” – der erste Spielfilm, an dem ich direkt mitarbeite – ist recht gut strukturiert; Adam Mason (Regisseur) und Polly Morgan (Kamerafrau) mit den T2i’s filmen parallel (beide sind Engländer und unterhalten sich im streng britischen Akzent, Anm. d. Red.); zwei Soundprofis nehmen den Sound mit 1-2 Boompoles auf, dann gibt es noch eine Produktionsdesignerin, drei Makeup-Artists und ein paar Leute, die kommen und gehen; insgesamt um die 10-15 Crewmitglieder. Die Drehzeit beträgt gerade mal eine Woche; das ist sehr, sehr kurz für einen ca. 90-minütigen Spielfilmdreh, wo schon ein 10-minütiger Kurzfilm ca. 3 Drehtage dauern kann.
Der Film ist ein recht blutiger Horrorstreifen, und da ich nie ein Drehbuch zu Augen bekam, versuche ich Tag für Tag die Story zusammenzupuzzeln… im Endeffekt muss ich mir aber den Film so oder so anschauen, weil ganz verstanden hab ich die Geschichte nicht 😉

Kleines Extra, bevor ich die Fotos ausstelle: In einer der Hauptrollen von “Junkie” ist Robert LaSardo, der in grossen Blockbustern wie z.B. Death Race oder Leon der Profi mitgespielt hat. Ich frage ihn, was der Unterschied zwischen einem kleinen Independent-Filmset und einem grossen Studio-Set ist, und er meint, dass es auf einem grossen Studioset sehr viel getrennter zugeht, sprich, die einzelnen Departments kaum Freundschaften miteinander schliessen sondern lieber unter einander bleiben – bei kleinen Sets geht es familiärer zu.

Ich bearbeite die Fotos des vorhergehenden Tages auf dem Set nach, während es nichts zu fotografieren gibt, und lade sie dann prompt auf facebook hoch bzw. drucke sie aus, um sie dem Team zu schenken. Die Jungs und Mädels sind dann doch recht begeistert von den Bildern und begrüssen und verabschieden mich ganz freundlich vom Set – eine coole Erfahrung, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die ihren Lebensunterhalt mit dem Filmemachen verdienen.

Hier einige meiner Setfotografien für Adam Mason’s “Junkie”:

Robert LaSardo in "Junkie"

Robert LaSardo in "Junkie"

Daniel Rivas in "Junkie"

Daniel Rivas in "Junkie"

Robert LaSardo (beim Schnitzelkochen?) in "Junkie"

Robert LaSardo (beim Schnitzelkochen?) in "Junkie"

Das Haus, in dem "Junkie" gedreht wurde

Das Haus, in dem "Junkie" gedreht wurde

Daniel Rivas in seiner Eingangshalle in "Junkie"

Daniel Rivas in seiner Eingangshalle in "Junkie"

Daniel Rivas in "Junkie"

Daniel Rivas in "Junkie"

Tomas Boykin in "Junkie"

Tomas Boykin in "Junkie"

Tomas Boykin in "Junkie". Keine Sorge, der ist nur müde.

Tomas Boykin in "Junkie". Keine Sorge, der ist nur müde.

Robert LaSardo in "Junkie"

Robert LaSardo in "Junkie"

Robert LaSardo in "Junkie"

Robert LaSardo in "Junkie"

Robert LaSardo in "Junkie"

Robert LaSardo in "Junkie"

Daniel Rivas beim Telefonieren in "Junkie"

Daniel Rivas beim Telefonieren in "Junkie"

Caroline Guivarch in "Junkie", Teil einer Portraitserie

Caroline Guivarch in "Junkie", Teil einer Portraitserie

Tess Panzer in "Junkie", Teil einer Portraitserie

Tess Panzer in "Junkie", Teil einer Portraitserie

Eines der Fotos, das ich zwischen Takes aus Requisiten konstruiert habe... rumblödeln muss sein.

Eines der Fotos, das ich zwischen Takes aus Requisiten konstruiert habe... rumblödeln muss sein.

Daniel Rivas und Robert LaSardo - dieses Foto könnte zum Filmposter werden, mal sehen.

Daniel Rivas und Robert LaSardo - dieses Foto könnte zum Filmposter werden, mal sehen.

Mehr Setfotografien von “Junkie” (genau genommen, eine enge Auswahl von 470 Fotos aus 5 Tagen Setfotografie) gibt es auf diesen 3 Faceook-Alben (die man ohne Facebook-Account ansehen kann):
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.495971519491.266890.537359491&l=5866d6d94f
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.496370249491.267112.537359491&l=e821be2e86
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.499381584491.268748.537359491&l=3e5494e06b

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.