Ein halbes Jahr vergeht, Cinematography und neue Projekte

Um ehrlich zu sein, lieber Leser: Alle meine Blogposts sind in Retrospektive geschrieben. In meinem Kopf gibt es drei Klassen von U, S, and Toby-Blogposts:

  • Die Grossmütter: Blogposts, die so lange hinten nach sind, dass ich mich kaum an die Ereignisse erinnere
  • Aufholposts: Posts, die Monate von Zeitunterschieden geschickt überbrücken und so Sie, lieber Leser, “up to speed” bringen
  • Raritäten: Die Posts, die tatsächlich beinahe am Geschehen geschrieben sind

Dieser Post ist ein Aufholpost – ich überbrücke das gesamte Wintersemester und grosse Teile des Frühlingssemesters am SMC. Kurze Zusammenfassung:

Wintersemester: Unendlich viel Zeit und eine Literaturklasse

Tobias Deml und das erste Mal mit einer echten Steadicam - mannomann, das Ding ist geil (selbst wenn es eine Imitationsmarke ist und die Canon EOS 5D bei diesem Foto beinahe aus ihrer Halterung gesprungen wäre)

Ich und das erste Mal mit einer echten Steadicam - mannomann, das Ding ist geil (selbst wenn es eine Imitationsmarke ist und die Canon EOS 5D bei diesem Foto beinahe aus ihrer Halterung gesprungen wäre)

Im Wintersemester 2010/2011 nehme ich “English 2: Literature”, in dem uns eine ukranisch-stämmige Professorin die Welt der Literatur näherbringt. Da ich keine Zeit mit dem Lesen von komisch geschriebenen Büchern vergeuden will, lese ich einfach detaillierteste Zusammenfassungen online, schmökere gelegentlich in ein paar der Bücher und beginne, in den klasseninternen Literaturanalysen plötzlich eine Liebe für Literatur zu entwickeln – die Analysen sind genau dieselben, die wir in unseren vielen Filmklassen machen, und die Trennung zwischen Filminterpretation und Literaturverstand verschwimmen.

Mir wächst “Frankenstein” und “Metamorphosis” besonders ans Herz, und ich schreibe zwei Arbeiten über diese literarischen Meisterwerke. Speziell die Biographie der Autorin von Frankenstein, Mary Shelley, ist herzerweichend, und ich finde mich als neuen, generalüberholten Tobias wieder, der sich plötzlich privat für die Biographien und Geschichten hinter klassischen Kunstwerken interessert… im Gymnasium hätte ich dieser Aussage einfach nur ein langes, komplett desinteressiertes Gesicht entgegengestreckt.

Ich habe verflucht viel Zeit und unternehme kleine und grosse Abenteuer, plane Dinge für die Studentenregierung und für Filme, und sitze wochenlang am Schnitt von “Terminated”. Nebenbei treffe ich Jose, der sich als Soundeditor um die Soundeffekte und Geräusche von “Terminated” kümmert. Wir lassen uns – wieder nächtelang – in meinem Apartment nieder und er mixt Sound, nimmt Geräusche separat auf (das nennt man übrigens Folio) und stimmt die Sounds auf links/rechts-Verteilung ab. Cool, daran habe ich gar nicht gedacht; bei meinen bisherigen Filmen kamen die Geräusche immer gerade so, wie ich sie auf meinem Aufnahme-Track hatte.

Die Cinematography-Sache

Ein Cinematograph, oder auf gut Deutsch Kameramann, oder auf Österreichisch Kamera-Beidlwurst, ist derjenige, der die visuelle Kontrolle über den Film hat. Der Regisseur ist ihm zwar übergeordnet, da er die Vision des Filmes beherbergt, aber der Kameramann setzt die meist unscharfe Vision des Regisseurs in ein gestochen scharfes Zusammenspiel aus Kamera, Licht und Atmoshpäre um. Da ich aus der Gegend der Fotografie oder zumindest visuellen Kunst komme, liegt mir Kameraarbeit neben Regie einfach sehr. Director will ich werden, als Director of Photography bin  ich schon recht brauchbar. Über den Post hinweg – der chronologisch angeordnet ist – können Sie, lieber Leser, übrigens meine Entwicklung verfolgen…

Breaking the Shell

Angelo, der seinen Film neben “Terminated” bei der Editing-Party beschnitten hat, lädt mich dazu ein, Kameramann auf seinem Projekt “Breaking the Shell” zu sein. Das wird lustig; denn einige Shots sind längere Aufnahmen, bei denen sich die Kamera über Treppen usw. bewegt; Ich kombiniere eine leichte Steadicam-artige Stabilisierung mit einem schweren Monopod, und erziele brauchbare Ergebnisse. Einige der Aufnahmen im Film sind eine der besten, die ich bis dahin geschossen habe – unter anderem, weil ich nun auf den Einsatz von Mini-Leuchtstoffröhren gekommen bin (mehr dazu später).

Hiroki beim Bauen einer Szene

Hiroki beim Bauen einer Szene

Ich mit meiner zweckendfremdeden Monopod-Steadicam-Kombination.

Ich mit meiner zweckendfremdeden Monopod-Steadicam-Kombination.

Screenshot aus "Breaking the Shell"

Screenshot aus "Breaking the Shell"

The Price of Air

Yonatan, der “Terminated” produziert, führt bei seinem eigenen Film “The Price of Air” Regie und fragt mich, ob ich sein Cinematographer sein will. Na klar, sage ich, nichts lieber als das – es gibt neben Regie nichts, was so viel Laune macht wie Kameramann zu sein. Als Regisseur muss man prinzipiell jedes Mal wieder eine neue Firma gründen, von Grund auf neu anfangen und bis zum bitteren Ende an dem Film arbeiten – als Kameramann ist man in bestimmte Teile von Preproduction (wie zum Beispiel Location Scouting) involviert, dann voll im Einsatz während der Produktion, und dann ist man prinzipiell fertig … am professionelleren Level kümmert sich der DP (Director of Photography) noch um ein paar Dinge in der Postproduktion. Jedenfalls ist es leiwand, wenn einem Regisseur und Produzent gewisse Tools – Lichter und Reflektoren, oder sogar Dollies – zur Verfügung stellen und man sich als DP nicht drum kümmern muss, wo die Dinger eigentlich herkommen, man bekommt sie einfach in die Hand gedrückt.

Shot aus "The Price of Air" - hier in einem Frozen Yoghurt-Salon.

Shot aus "The Price of Air" - hier in einem Frozen Yoghurt-Salon.

Diese Aufnahme entsteht unter den Leuchtstoffröhren eines 7-11 Convenience Stores.

Diese Aufnahme entsteht unter den Leuchtstoffröhren eines 7-11 Convenience Stores.

Yonatan’s Set ist in diversen Locations, und dank Hiroki’s grosszügiger Leihgabe kann ich seine Canon EOS 7D benutzen. In einer Location, Yonatan’s Apartment, habe ich einige Probleme mit dem Licht, da die Sonne stetig tiefer sinkt, und ich irgendwie mit dem Verlust von direktem Sonnenlicht kompensieren muss; an einem Punkt muss ich dann auch noch einen “Night for Day”-Shot machen, sprich, man filmt während es dunkel ist, lässt es aber so aussehen als ob es Tag wäre; ein recht schwieriges Unterfangen, wenn die Lichter, die man hat, um einiges schwächer sind als Sonnenlicht und man sich im 2. Stock befindet, wo kein Scheinwerfer einfach ins Fenster scheinen kann. Die meisten Lichter sind sogenannte Tungsten-Lichter; ähnlich wie Glühbirnen geben sie ein gelbliches Licht und unglaublich viel Hitze ab.

Man klassifiziert sie meistens nach Stromverbrauch (was dann als Bezeichnung der Lichtstärke missbraucht wird) , wobei eine Haushaltsglühbirne zum beispiel 100 Watt Strom verbraucht. Typische Lichter am Set sind dann 250 Watt, 650 Watt, 800 Watt, 1K (1000 Watt) und 2K (2000 Watt) – was anderes haben wir noch nicht zur Verfügung; die 2K-Lichter sind schon riesig gross und gerade mal das Stärkste, was wir zur Verfügung gestellt bekommen. Auf Yonatan’s Set haben wir nur eine 1K-Lampe, und die reicht gerade einmal, um das Zimmer innen aufzuhellen, sodass das Tageslicht in den Fenstern nicht allzu hell erscheint und die Schauspieler dunkel wirken lässt. Wir drehen dann auch noch im Public Works Building – eine Woche bevor ich “Terminated” dort drehe – wohin ich Hiroki einlade, sodass er das Set sehen kann, bevor er als Kameramann in “Terminated” die Location neu beleuchten muss.

Road to Nirvana

Auf Yonatan’s Set lerne ich ein paar Schauspieler kennen, und nach ein paar Wochen bekomme ich eine Facebook-Nachricht von einem der Schauspieler, Damian, dass er einen Kurzfilm drehen möchte und eine super Location in Venice Beach gefunden hat; ihm hätte mein Arbeitsstil an Yonatan’s Set gefallen und er würde mich gerne als Kameramann für seinen Film haben. Ich bin total aufgeregt, schliesslich habe ich noch nie für einen “Unbekannten” Kamera geführt, also sehe ich mir einmal die Location an – und siehe da, er hat nicht zu viel versprochen. Die Location ist hammerharter Luxuswahnsinn; ein voll exzentrisches Künstlerstudio mit allen möglichen Kuriositäten, inklusive einer überlebensgrossen Arnold-Statue. Wir bringen gerade mal drei oder vier Lichter ans Set, da ich mich in einer Testaufnahme dazu entscheide, dass die tausenden Lichter und Lampen und Kerzen und Glimmstengel in der Künstlerbude genug für meine Zwecke sind. Am Set selbst benutzen wir dann nur ein zusätzliches Licht im Wohnzimmer – das sonst etwas langweilig ausgesehen hätte – aber sonst habe ich kein Bedürfnis, Lichter zu platzieren. Gut so, denn so kann das Team richtig klein bleiben.

Hiroki am Set von "Road to Nirvana" ... der alte Scheidenberg

Hiroki am Set von "Road to Nirvana" ... der alte Scheidenberg

Yonatan, Produzent von "Terminated" und Regisseur von "The Price of Air", hilft uns als Assistant Director aus. Auch ein Scheidenberg.

Yonatan, Produzent von "Terminated" und Regisseur von "The Price of Air", hilft uns als Assistant Director aus. Auch ein Scheidenberg.

Das Filmteam im "Blue Room". Gefährlich verblaut!

Das Filmteam im "Blue Room". Gefährlich verblaut!

Damian entscheidet sich dann auch noch, mir einen IKAN-Monitor zu mieten, den ich oben auf die 7D schraube und damit eine viel bessere Fokusmöglichkeit als sonst zur Verfügung habe. Sehr nütlzich, da ich grossteils ein f1.8-Objektiv benutze, welches eine sehr geringe Tiefenschärfe aufweist (sprich, wenn ich ein Gesicht in einer Nahaufnahme filme, sind nur die Augen im Fokus, alles andere ist unscharf). Wir haben ein Reshooting, und Hiroki erklärt sich am Ende bereit, den Filmschnitt zu übernehmen.

Scheidenberg himself: Das bin ich, komplett mit Shoulder Mount, 7D und IKAN Monitor.

Scheidenberg himself: Das bin ich, komplett mit Shoulder Mount, 7D und IKAN Monitor.

Ein Ausschnitt (keine Farbkorrektur) aus "Road to Nirvana"

Ein Ausschnitt (keine Farbkorrektur) aus "Road to Nirvana"

Ausschnitt aus "Road to Nirvana" - hier sieht man Damian, den Regisseur und Hauptdarsteller.

Ausschnitt aus "Road to Nirvana" - hier sieht man Damian, den Regisseur und Hauptdarsteller. So sieht das Rohmaterial im Windows Quicktime Player aus.

Blind Flying

Der Regisseur bei diesem Kurzfilm ist Teruaki Onodera, der schon bei Terminated als Kameraassistent von Hiroki tätig war und in unseren “Inner Circle” rutschte, indem er einfach immer hilfreich und guten Mutes war – da ist die Sprachbarriere (er sprich nicht allzugut Englisch) auch nicht mehr wichtig. Nebenbei wohnt er im selben Gebäude wie Hiroki und ich und borgte mir seine Canon T2i wenn ich sie brauchte, also fällt er mir immer direkt nach Hiroki ein, wenn es um Kameraarbeit oder Filmcrew geht.

Hiroki mit der 7D und unserem DSLR-Shoulder-Mount (Tutorial in der Tutorial-Sektion)

Hiroki Kamada mit der 7D und unserem DSLR-Shoulder-Mount (Tutorial in der Tutorial-Sektion)

Tobias Deml und die heiss geliebte Canon EOS 7D am Set von "Blind Flying"

Tobias Deml und die heiss geliebte Canon EOS 7D am Set von "Blind Flying"

Hiroki ist hier der Haupt-Kameramann/Cinematographer und ich so etwas wie sein Assistent und 2nd Camera “on call” – wenn eine zweite Kamera gebraucht wird, bin ich am Start. Und siehe da, in ein paar Fällen schiesst Hiroki gerade an einer anderen Location, und ich werde für ein paar Aufnahmen herangezogen. Ich spiele ein bisschen den Gaffer, da Hiroki weniger Erfahrung in Beleuchtung hat, und positioniere Reflektoren herum, eliminiere Spiegelungen usw. – eine gute Lernerfahrung, und es macht immer noch Spass, auf dem Set von Freunden in einer “unteren” Position zu arbeiten.

Ich und Teruaki auf dem Strand von Santa Monica beim Filmen eines Sonnenuntergangs.

Ich und Teruaki auf dem Strand von Santa Monica beim Filmen eines Sonnenuntergangs.

Der Sonnnenuntergang, den ich auf 1080p-Full-HD-Video mit der 7D einfange.

Der Sonnnenuntergang, den ich auf 1080p-Full-HD-Video mit der 7D einfange.

Out into the Light

Lorenas Mutter arbeitet in einer Werbeagentur, und eines Tages erwähnt sie einem Kollegen gegenüber, dass der Freund ihrer Tochter (das bin ich) nach einem bezahlten Internship sucht. Das wäre mein Traum; ein bezahltes Praktikum während meines letzten Semesters am SMC; in irgendeiner filmverbundenen Firma, was wünscht man sich mehr … und siehe da, ein paar Tage später bekomme ich eine Email, in der steht, ich solle doch mal bei der Agentur vorbeischauen und mich mit dem Mann – er heisst Genesis, wie das Bibelbuch – treffen. “By the way, bring your reel if you can. See you tomorrow.”, steht dann noch da. FUCK! Ich habe kein Reel, wo soll ich jetzt schnell eines herbekommen?! Klar – von Lorena natürlich, die hat ein Macbook Pro mit Final Cut drauf- und los geht’s, wie schon damals in der Editingparty, bis fünf in der Früh bastle ich mir ein Cinematography-Reel zusammen.

Tobias Deml Cinematography Reel 2010 from Tobias Deml on Vimeo.
Reel of Tobias Deml: Cinematography 2010
For inquiries, please use email or phone.
Email: tobias@tobiasdeml.com
Phone: 310-350-5384
I am based in West Los Angeles, and mostly work with the Canon EOS 7D, as well as self-built shoulder mount, steadicam and crane. I also cut this reel.
Further portfolio: http://www.tobiasdeml.com

Thanks for watching.

Am nächsten Morgen bekomme ich einen Anruf, dass das Meeting auf den folgenden Tag verschoben wird, und ich sehe meine Chance, mir ein zweites Reel zusammenzubauen: Ein Directing Reel, da habe ich nämlich auch schon genug Material – cool!

Also, wieder eine halb schlaflose Nacht, dann beides hübsch auf eine DVD gebrannt und ich laufe zum Meeting – zu Fuss, ganz untypisch für LA, weil das Büro so nahe an meinem Haus liegt. Und siehe da, ich treffe nicht nur Genesis, sondern noch einen zweiten Mitarbeiter aus der Werbeagentur, Steven, der sich einfach aus Interesse dazugesetzt hat. Beiden gefallen meine Reels. Steven erzählt mir von einer mysteriösen Gegend von sanften Hügeln mitten in der Wüste. in der Nähe von Gorman (ca. 2 Autostunden nördlich von LA) die mit Blumen übrwachsen sein sollen, komplett in grellen Farben schillernd. Genesis sagt mir, er würde sich bald einmal bei mir melden, und dann höre ich fiür zwei Monate nichts weiteres. Bis dann, eines Abends, das Telefon klingelt.

‘Hey Toby. Genesis here. I wrote a short film and I have a director for it already, would you like to do the cinematographyí” Eeeeh … yes. Hell yeah. Und siehe da – dieses Projekt, “Out into the Light”, wird zu einer ganz grossen Lernerfahrung für mich; wir haben magischerweise eine Menge an Equipment zu unserer Verfügung (Genesis hat da seine Quellen), und als Rick, der Regisseur (er ist üblicherweise ein Fotograf) mich fragt: “Toby, what kind of equipment do you need? Which lights? We can get pretty much everything up to a 2K  or so“, bin ich vollkommen auf Wolke Sieben. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, als Kameramann wird man Equipmentfetischist; je mehr, desto besser, und je besser, desto geiler. Ich bastle mir einen Wunschzettel zusammen – was ich zuvor noch nie gemacht habe aber mir natürlich nicht anmerken lassen kann – und schreibe nach einigem Überlegen das Equipment drauf das realistisch klingt und mit dem ich auf jeden Fall genug habe.

Ich stelle mir dabei vor, wie gross die Szenen werden (sind alles normale Zimmergrössen, also brauche ich keine Armee an Lampen) und wo ich welche Lichter gerne einsetzen würde, sprich zB das 2K-Licht als Sonnenlicht wenn ich ein zusätzliches brauche. Ich bin jetzt der grosse Macker hinter der Kamera und die Freunde, die ich aufs Set einlade, helfen mir eifrig beim Lichter aufstellen, Dolly Track legen, Steadicam-Harnisch anziehen usw. – da sie das ganze teure Equipment sehen, lecken sie sich genau wie ich die Finger. Ich bedanke mich für ihren Eifer damit, sie das Steadicam-Harnisch anziehen zu lassen.

Ed und Teru, meine Assitenten am Set, beim Ausprobieren der Steadicam

Ed und Teru, meine Assitenten am Set, beim Ausprobieren der Steadicam

Ich beim zurechtbiegen von ein paar Jalousien, für den FilmNoir-like Look.

Ich beim zurechtbiegen von ein paar Jalousien, für den FilmNoir-like Look.

Beim Aufnehmen von "Out into the Light" - mein Nachname wird etwas verhunzt. :D

Beim Aufnehmen von "Out into the Light" - mein Nachname wird etwas verhunzt. 😀

Ganz Roher Screenshot aus der Footage zu "Out into the Light"

Ganz Roher Screenshot aus der Footage zu "Out into the Light"

Behind the Scenes: Einmal schiessen wir bei den Laternen des LACMA (Los Angeles Contemporary Museum of Art) und ein anderes Mal habe ich riesige Lichtständer zur Verfügung, die ich mit Reflektoren besetze.

Behind the Scenes: Einmal schiessen wir bei den Laternen des LACMA (Los Angeles Contemporary Museum of Art) und ein anderes Mal habe ich riesige Lichtständer zur Verfügung, die ich mit Reflektoren besetze.

Screenshot aus "Out into the Light" - mit den Reflektoren am oberen Bild erziele ich die Lichtstrahlen, die nun vom Fenster kommen (und davor nicht da waren). Auch die Lichtverteilung im Zimmer wird durch den Einsatz der reflektierenden Metallbretter drastisch geändert.

Screenshot aus "Out into the Light" - mit den Reflektoren am oberen Bild erziele ich die Lichtstrahlen, die nun vom Fenster kommen (und davor nicht da waren). Auch die Lichtverteilung im Zimmer wird durch den Einsatz der reflektierenden Metallbretter drastisch geändert.

Ich lerne eine Unmenge – einerseits, weil ich ein Team von drei Leuten so gut wie ausschliesslich für mich alleine habe und herumwirtschaften kann, andererseits weil unsere Werkzeuge – sprich, Lichter, Reflektoren und Lichtständer – von so guter Qualität sind. Wir habe sogar einen Generator am Set und setzen ihn einmal als Stromquelle für ein 2K-Licht ein, das wir einfach in einem Park aufstellen und somit “Sonnenlicht” im Schatten kreieren, da uns das Tageslicht davonläuft.

Luftaufnahmen als Schuldbewältigung

Letztes Jahr, ziemlich genau vor 12 Monaten, habe ich einen Roadtrip nach Big Bear organisiert, zum Jaccuzzi-Baden in einer romantischen Waldhütte, und um mit Hiroki über unser Konzept für einen Spielfilm zu brainstormen, wie wir es schon damals beim Pontiac Firebird Commercial in der Mojave machen wollten. Dabei war einer unserer Mitreisenden, Ariel, nicht sonderlichh zum Jaccuzzi-Baden motiviert sondern hat sich lieber “Godzilla” auf VHS angeschaut und am letzten Tag einen kurzen Flug in einer Kleinmaschine über das Big-Bear-Resort geleistet.

Am Ende des Trips schuldete er mir dann 60 Kröten, und ich wollte die Ocken zurückhaben, er hatte die Kohle allerdings nicht und so musste ich lange auf meine Marie warten, bis ich ihn dann schliesslich vor kurzem um die Moneten gebeten habe, und er mir sagte, er würde mir die 60 grünen Washingtons in die Schule bringen. Ein paar Wochen später hinterlässt er mir dann eine Voicemail, dass er gerade die Bucks nicht vorrätig hat, aber einen weiteren Flug in einer Kleinmaschine gemietet hat, und da einer seiner Freunde auf ihn vergessen hat, würde er gerne mich mitnehmen, und so seine Schulden bewältigen.

“Hold on, where’s the flight Ariel?”
“Well, it’s gonna be around LA … you know, the same way I was spontaneous back then, you can be spontaneous now and just come with me! We will leave from Santa Monica Airport and fly around Downtown LA, Beverly Hills, Hollywood and stuff! It’s gonna be like half an hour or an hour.”

Tick-tack, meine Gedanken springen herum und ZACK, da kommt es mir … verflucht, natürlich, was für eine geile Gelegenheit, Aerials aufzunehmen! Luftaufnahmen in Bewegung – es gibt kaum etwas, was einer Fernsehserie mehr Legitimität und Production Value gibt, als zwischen Szenen Überblicksflüge der Städte und Landschaften einzufügen, in denen die Serie stattfindet. Ich sage zu, und ein paar Tage später bin ich mit Ariel und Josh (mit dem ich meinen ersten Film gedreht habe , er will Kameramann werden) im Flugzeug. Ich habe mir Teruaki’s T2i ausgeborgt und Josh’s 7D – so kann Josh auf der T2i schiessen und ich seine 7D benutzen (er bekommt im Gegenzug die Möglichkeit, für 20 Dollar sein Reel mit Aerials zu erweitern.

Josh auf dem Weg zum Flughafen mit seiner 7D - er hat meinen ersten Film vor 2 Jahren als Kameramann möglich gemacht.

Josh auf dem Weg zum Flughafen mit seiner 7D - er hat meinen ersten Film vor 2 Jahren als Kameramann möglich gemacht.

Josh, Ariel und ich vor dem Flugzeug, mit dem wir für 40 Minuten über LA fliegen.

Josh, Ariel und ich vor dem Flugzeug, mit dem wir für 40 Minuten über LA fliegen.

Die Lichtstimmung passt (keine Farbänderungen am Bild).

Die Lichtstimmung passt (keine Farbänderungen am Bild).

Während dem wunderschönen, 40-min Flug lerne ich folgende Sachen:

  1. Geputzte Fenster sind echt praktisch, aber nicht unbedingt nötig solange man nicht direkte Sonnenreflexe bekommt – da wir nach Sonnenuntergang schiessen, macht der Staub etc. auf dem Fenster wenig Unterschied.
  2. Dunkle Kleidung tragen – alles helle innerhalb des Flugzeugs wird sich in den Fenstern spiegeln.
  3. Pullover oder Schaumstoff (dunkel) mitnehmen und als Unterlage benutzen. Ein Tripod hilft in diesen engen Miniflugzeugen gar nichts, und Sie, werter Leser, wollen grösste Flexibilität bewahren. Ein dicker Pullover oder Schaumstoff absorbiert die Vibrationen der Flugmaschine und bietet nötige Unterlage, um stabile  Aufnahmen zu machen.
  4. Kommunikation mit dem Piloten: “Can we take another turn around Downtow? Can we get this wing facing down for a while? Can we go higher or lower?” – all das sind Dinge, die nichts kosten, aber viel schönere Resultate erzielen können.
Ein Aerial Cinematography Shot - hier sieht man Downtown Los Angels, im Hintergund die Hollywood Hills und Malibu.

Ein Aerial Cinematography Shot - hier sieht man Downtown Los Angels, im Hintergund die Hollywood Hills und Malibu.

Wenn Sie, lieber Leser, nun all diese Bilder in Bewegung sehen möchten, dann gedulden Sie sich gerne bis zu meinem nächsten Blogpost – in dem ich mein 3.5-minütiges “Tobias Deml 2011 Cinematography Reel” ausstellen werde…

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.