Vorweg, ich kann nur aus eigener Erfahrung schreiben, und diese beschränkt sich derzeit auf das Santa Monica College in Los Angeles, Kalifornien. In anderen Bundesstaaten mögen andere Regeln herrschen, aber wer zum Kuckuck mag denn nach North Dakota oder Alabama gehen, um zu studieren, da kann man gleich in Hinterkleinwuzach bleiben.
Ein paar Sachen vorweg, um dem werten Leser den Tee der Wahrheit einzufüllen:
- Das Studium in den USA ist sauteuer – und dabei spreche ich von der billigst möglichen Variante.
- Ein Studium in einem anderen Land, einer anderen Kultur, anderen Sprache ist mehr wert als alles gute Geld, und eine Wahnsinns-Lebenserfahrung. Auch ein Auslandszivildienst in LA kann Wunder wirken.
- Sofern man Geduld hat, kann man auch in Europa zu studieren beginnen, ein paar Semester warten und dann als Teil eines Austauschstudienprogramms USA-Europa in Amerika studieren, ohne einen Pfennich für Studiengebühren berappen zu müssen.
- Das Associate’s Degree, das man am SMC bekommt, ist in Europa nichts wert und kann nur in Amerika benutzt werden, um dann ein Bachelor’s Degree zu machen – dafür muss man aber auf eine Universität transferieren.
- Unis, auf die man dann transferiert, kosten von ca. 16.000$ pro Jahr (CSULB / California State University Long Beach – öffentlich) bis zu 40.000$ pro Jahr (USC / University of Southern California), und üblicherweise studiert man dort zwei Jahre, um den Bachelor zu bekommen.
Das Amerikanische Höhere Bildungssystem
Die staatliche Einrichtung der Community Colleges of California ist das grösste höhere Bildungssystem der Welt und hat eine Kapazität von ca. 3 Millionen Studenten, über ca. 110 Campi verteilt – ein Campus davon ist SMC, auf dem ich studiere.
Am besten lernt man darüber in Wikipedia – Amerikanisches Bildungssystem. Die tolle Grafik rechts habe ich mir natürlich von Wikipedia geflaucht. Warum das jetzt überhaupt relevant sein sollte, wird klar, wenn ich Ihnen unterbreite, dass man nach dem Abitur nicht direkt auf eine Universität kann, bzw. nicht direkt auf den bachelor hinstudieren kann. Stattdessen belegt man ein College, Community College oder eine Universität und absolviert ca. zwei Jahre lang GE-Klassen (nicht General Electric, sondern General Education, pfff). Diese Periode kann man dann wahlweise mit einem Associate Degree abschliessen, wie es zB am SMC der Fall ist, und dann auf eine Uni transferieren (oder man befindet sich schon auf einer).
Sprich, will man in den USA einen Bachelor absolvieren, muss man mit mindestens vier Studienjahren rechnen. Das Associate Degree ist in Europa nichts wert, da es in Sachen Schwierigkeitsgrad / Bildungslevel einem Abitur oder der Matura gleicht – im Gegenzug haben weder Abitur noch Matura etwas in Amerika zu sagen, und man muss sich mit den “Doofen” in eine Reihe stellen. Ein Gymnasialabschluss in Österreich ist meines Erachtens (schulabhängig natürlich) um einiges schwieriger als ein Associate Degree in den USA.
Dem Associate Degree muss man aber einräumen, dass es eine um einiges weiter gefächerte Allgemeinbildung anbietet: Im Gymnasium in Wien hatte ich maximal 15 verschiedene Klassen zur 2/3 gezwungenen Vorgabe, 1/3 zur Wahl. Hier in den USA werden einem Kategorien von Fächern aufgezwungen, man kann aber innerhalb der Kategorien frei wählen – aus sage und schreibe 850 verschiedenen Klassen am Santa Monica College.
Hier im U, S, and Toby-Blog: Eine Komplette Liste aller 850 verfügbaren Klassen/Kurse am SMC, Stand 2010.
Soweit also zum Associate’s Degree, das man am SMC bekommt und zum Transfer zu etwa UCLA, USC oder dem CSU-System benutzen kann – Community Colleges wie das SMC sind billiger als die grösseren Unis, sprich, man absolviert zwei Jahre am Community College, kriegt sein Associate’s und macht die restlichen zwei Jahre in einer der grösseren Unis.
Kosten eines US-Studiums (Associate’s Degree), Beispiel SMC
Als internationaler Student zählt man zu einer der grössten Lieferanten von ausländischen Dollars (laut meinem Makroökonomieprofessor die fünft-grösste Einnahmequelle der USA) und lässt eine Menge Geld am Weg liegen. Das hat zwei Gründe:
- Der Staat kann uns Ausländern keine Unterstützung geben, da wir keine Vorfahren in den USA haben, die in den Steuerpool eingezahlt haben. Da wir grossteils nicht aus kriegsbelasteten Krisengebieten oder politischen Verfolgungssituationen kommen, haben wir auch keine humanitären Ansprüche. Unser Anteil an “The Real Cost of Education”, sprich die Gehälter für Professoren, Miete für die Grundstücke des Colleges, Erhaltungskosten usw. usw., müssen von uns selbst getragen werden.
- Jede staatliche Bildungseinrichtung hat starke Geldnöte und schaufelt sich Ersparnisse in den Kasten – eine gewisse Profitmargin trumpft die Betriebskosten unseres Studententums noch weiter auf und der Überschuss sorgt dafür, dass ein paar tausend mehr US-Bürger ihre leistbare Bildung im Community-College bekommen können.
Um das F1-Visum aufrecht zu erhalten, muss man mindestens 12 Units pro Semester (ein Semester dauert 16 Wochen) belegen, was etwa 30 Wochenstunden Arbeit entspricht (kann durchaus mehr sein, wenn man gerne büffelt). Ein Kurs / Klasse hat üblicherweise 3 Units (Normal sind 4-5 Klassen pro Semester). Pro Unit zahlt man im Schnitt bereits 260$, d.h. pro Semster kann man gut und gerne zwischen 4.000 und 6.000$ zahlen, macht etwa 8.000-12.000$ Studiengebühren pro Jahr.
Tuition and fees* per individual semester/session are as follows:
| Non-resident Tuition* | $ 222 per unit |
| Enrollment Fee* | $ 26 per unit |
| SMC Health Fee* | $ 16 per semester ($13 per Winter or Summer session) |
| Student Association Fee* | $ 21 per semester/session |
| Student Identification Card* | $ 13 per semester/session |
| Health Insurance Policy* (mandatory) |
$ 411 coverage for one semester and one session |
| Intensive English* Program | $ 3,200 Fall, Spring Semester |
| Intensive English* Program | $ 1,200 Winter Session |
| Intensive English* Program | $ 1,600 Summer Session |
*Tuition and fees subject to change without prior notice.
Dazu kommt dann noch Lebenserhaltungskosten, das wären typischerweise Miete, Essen, Vergnügen, ein Auto mit Benzin / Versicherung / Reparaturen, Handy, Betriebskosten. Um im SMC als internationaler Student aufgenommen zu werden, muss man (am Ende des Aufnahmeprozesses) einen verifizierten Bankauszug vorweisen, auf dem mind. 21.000$ liegen. Damit stellt SMC sicher, dass man sich mindestens ein Studienjahr leisten kann (Studienbeitrag + Lebenserhaltungskosten).
Mehr Informationen zu den Units, einer Auffächerung der Kosten und vieles mehr in diesem U, S, and Toby-Artikel: Internationale Studenten Counseling-Klasse
Wenn man den Bachelor machen will (das Associate’s Degree kann man nur als Aufbau-Abschluss benutzen, um in Amerika auf eine andere Uni zu transferieren), muss man noch einmal mit 16.000$ (staatliche Unis) bis zu 40.000$ (Privatunis) pro Jahr für zwei weitere Jahre rechnen.
Aufnahmeprozess für internationale Studenten am SMC
http://www.smc.edu/apps/pub.asp?Q=108&B=1
Hier eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Aufnahme ins College:
- Deadlines für die Zusendung der Aufnahmeformulare beachten:
Out-Of-Country Deadlines: (Students without a valid F-1 Visa)
• Summer Session – April 15
• Fall Semester – June 15
• Winter Session – October 15
• Spring Semester – November 15In-Country/Transfer: (Students with a valid F-1 Visa)
• Summer Session – May 15
• Fall Semester – July 15
• Winter Session – November 15
• Spring Semester – January 5 - Aufnahmeformular
Ganz wichtig ist es, das Aufnahmeformular auszufüllen. Dieses kann entweder direkt vor Ort beim Santa Monica College abgeholt werden (falls man gerade in den USA ist) oder hier heruntergeladen werden:http://www.smc.edu/projects/3/Admissions_and_Enrollment_Forms/SMC_ISC_Apps.pdf
- Englischtest
SMC (wie auch die meisten anderen Unis) verlangen einen einheitlichen Englischtest; dabei werden TOEFL, iTEP, IELTS, Pearson Test of English, STEP-Eiken, Cambridge Certificate of English Proficiency und einige andere Testformen akzeptiert – prinzipiell muss es eine international anerkannte Testform oder Zeugnis sein, die beglaubigt, dass der Student über ausreichende Englischkenntnisse in Schreiben, Lesen, Sprache und Hörverständnis hat. - Originalzeugnisse und verifizierte Übersetzung derjenigen
Um sich zu bewerben, muss man SMC das Originalzeugnis von Gymnasium / Hochschule / Realschule etc. schicken, also das Abi- bzw. Maturazeugnis. Mein Maturazeugnis liegt immer noch bei SMC. Obendrein verlangt SMC eine beglaubwürdigte Übersetzung von einer Übersetzungskanzlei (in diesem Fall von Deutsch auf Englisch) – ich habe damals ABC W0rd Express Translations in Santa Monica benutzt. - Kopie des eigenen Reisepasses, bzw. Visums (falls man ein Visum hat)
- 1-2 seitiger Aufsatz über die Gründe des Studiums / Motivationsschreiben
Ein einfacher Aufsatz, in dem man seinen bildungstechnischen Hintergrund beschreibt, die Motivationen für das Studium in Amerika auflistet und sich gut verkauft – warum man eine Bereicherung für das College sein wird, etc. pp. - Kontoauszug mit mind. 21.000$
Man muss einen englischsprachigen Kontoauszug einsenden (nicht unbedingt ein amerikanisches Bankkonto, muss aber irgendwie mit dem Studenten verbunden sein, zB. deutsches / österreichisches Konto eines Elternteils und kann von der Bank übersetzt sein), und muss mindestens 21.000$ vorzeigen, die Lebenserhaltungskosten und Studienkosten decken sollen. In Wirklichkeit, wenn man viel studiert und viel macht, braucht man aber locker 25.000$ pro Jahr. - 75$ Bearbeitungsgebühr
Diese muss an SMC bezahlt werden, damit der Aufnahmeprozess in Gang kommt.
Visumsantrag, I-20 etc.

Das I-20 Immigrationsformular, das zum wichtigsten Dokument neben dem Reisepass wird, sobald man internationaler Student in den USA ist.
Sobald SMC sich entschieden hat, einen aufzunehmen, bekommt man eine Email, in der das Aufnahmepaket und I-20 Immigrationsformular zum Versand bereitstehen. Man zahlt für den Versand, wartet 1-2 Wochen, und muss dann zu einem amerikanischen Konsulat oder Botschaft im heimatlichen Wohnort gehen, bzw. sich erst einmal einen Termin dort vereinbaren. Im Konsulat einfach nichts Dummes anstellen und ganz unscheinbar wirken, dann geht alles klar und man bekommt sein Visum ohne allzuviel lästige Fragen. Bei der Terminsetzung wird die Kontaktperson am Konsulat verschiedene Dokumente anfordern, diese einfach alle beim Visumstermin mitbringen – auch wenn der Visumsbeamte vielleicht gar nicht alle Dokumente (Zeugnisse etc.) kontrolliert. Nicht vergessen: Ein richtig formatiertes Passfoto – mit dem richtigen Format, flacher Beleuchtung und ohne Lächeln.
Falls man die Chance hat, sollte man sich direkt am SMC bewerben, das geht viel schneller als per Post. Sobald man von SMC mit neuen Informationen kontaktiert wird, sollte man sofort alle Schritte erledigen, die verlangt werden; beispielsweise Gebühren für die Versendung der Aufnahmepapiere bezahlen, da alle Arbeitsschritte 1-2 Wochen für Bearbeitung und Versand benötigen. Auf jeden Fall sollte der Termin beim Konsulat / Botschaft mindestens einen Monat vor der Abreise liegen, im Falle des Falles, dass irgendetwas schief läuft.
Das Konsulat schickt einem dann den eigenen Reisepass mit einem eingeklebten F1-Visum (Studentenvisum) zu. Kommt man dann in den USA zu den Customs, stempeln diese das I-20, kontrollieren die Übereinstimmung von I-20 und dem Visum, und tadaaaaa – man ist offiziell Student in den USA.
Nutzen des USA-Studiums
Das Studium in den USA kann sehr teuer werden, speziell weil man keine Arbeitserlaubnis während der Studienzeit hat, ausgenommen sind Jobs am Campus und Praktika, die man nach dem ersten absolvierten Studienjahr beginnen darf. Wozu also der ganze Krampf?
- Kulturanthropologisch: Man lernt in einer anderen Kultur und Sprache zu leben, zu lernen und zu denken. Man lernt, die Welt von einem anderen Blickwinkel zu sehen und wird unbezahlbare Einsichten ins Leben gewinnen.
- Studientechnisch: Einige Studienrichtungen, wie etwa Film, können in Amerika interessanter oder weiter entwickelt sein als in Europa. Viele Unis bieten eine exzellente Bildungsqualität und Mordsmassen an Studienmaterial.
- Studium – Arbeit in den USA: Durch das Studium bekommt man die Möglichkeit des bezahlten Praktikums und nach Abschluss die des OPT (Optional Practical Training). Mit dem OPT kann man für ein Jahr wie mit einer Greencard bei einer Firma arbeiten – und hat man Glück, sponsort diese Firma einem das H1B-Arbeitsvisum, und nach ca. 5mit noch mehr Glück nach ein paar weiteren Jahren eine Greencard. Das H1B-Visum kostet die Firma rund 2.000-5.000 Dollar, die Greencard 5.000-10.000 Dollar, daher der Begriff “Sponsor”. Ausser Heirat und Greencard-Lotterie ist das Studium eines der wenigen rechtschaffenden Sprungbretter, in die USA zu übersiedeln und dort eine Arbeitserlaubnis zu bekommen.
- Wikipedia hat noch weitere Ideen: http://de.wikipedia.org/wiki/Auslandsstudium#Motivation
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Nach dem Associate’s Degree: Transfer und Bachelor-Abschluss in CSU, UC oder Privat
- CSU – California State University: Staatliche Universitäten, bei weitem die billigste Variante. Beispiel: CSULB, CSUN
- UC – University of California: Auch staatliche Universitäten, mit pompöseren Bauten und besserer Ausstattung: Etwas teurer. Beispiel: UCLA, UCSC
- Privatuniversitäten: Die teuerste Variante, oftmals die beste Ausstattung, aber auch viele Gstopfte Studenten. Beispiel: USC, AFI Conservatory, Chapman, Harvard, Yale
Die meisten Unis verlangen einen Bankauszug, der den Studienbeitrag und Lebenserhaltungskosten für ein Jahr widerspiegelt.
- CSU, Beispiel California State University. Quell-Seite mit weiteren Informationen
- UC, Beispiel UCLA. Quell-Seite mit weiteren Informationen
- Privatunis, Beispiel USC. Quell-Seite mit weiteren Informationen




