Was bisher geschah

Wie ich überhaupt wieder nach LA kam – Lorena und Film

Der Auslandszivildienst-Blog - U, S, and Toby 2008-2009

Der Auslandszivildienst-Blog - U, S, and Toby 2008-2009

Im März 2009 endete mein Auslandszivildienst, der hier in 300 Artikeln haargenau dokumentiert ist. Ich arbeitete als Gedenkdiener im Museum of Tolerance in Los Angeles und in der Kleinmann Family Foundation in Montreal, als Ersatz für meinen Zivildienst / österreichisches Bundesheer. Meine Freundin, Lorena, wohnte in Los Angeles, und ich konnte es einfach nicht übers Herz bringen, zurück nach Europa zu gehen – neben der ganzen Liebesgeschichte war ich auch nicht wirklich bereit, mich zurück in meine vertraute Kultur zu begeben.

Um alles noch offensichtlicher zu machen, hatte ich im Dezember 2008 eine Epiphanie, die mir bescherte, dass meine Zukunft im Filmemachen liegen wird. Da Los Angeles die Hochburg der westlichen Welt in Sachen Filmemachen ist, war es nun also offensichtlich, dass es eine gute Idee wäre, hier zu bleiben. Das Problem: Man kann nicht einfach so in den USA bleiben, man braucht ein Visum – und das kann man nur durch das Gewinnen der Greencard-Lotterie, durch einen Job oder ein Studium bekommen (oder man hat Verwandte hier bzw. heiratet, aber das war für mich ausgeschlossen).

Erkenntniszeit – eine schlimme Zeit

Also bat ich meine Eltern für zwei Monate “Erkenntniszeit”, in denen ich herrausfinden wollte, was ich tun könnte mit meinem Leben. Das war die wahrscheinlich härteste und traurigste Zeit meines Lebens, denn zum ersten Mal ever wusste ich nicht, was ich mit mir selbst anstellen sollte. Ein Monat ging vorbei, ohne dass ich wirkliche Fortschritte machte; ich ging zu allen möglichen “Job Fairs” und schickte mein Resumee (Lebenslauf) herum, ohne Antwort – trotz meiner sechsjährigen Selbstausbildung  zum Grafiker und Fotografen (siehe www.tobiasdeml.com für mein Portfolio). Im zweiten monat kaufte ich mir ein dickes Notizbuch und begann, meine Gedanken niederzuschreiben, sah es als meinen Job und arbeitete acht Stunden täglich daran, herauszufinden, was ich tun wollte und könnte. Nach etwa einer Woche hatte ich es heraus: Ich wollte studieren, am billigst-möglichen Community College, das nicht nur einen grossartigen Ruf hatte sondern auch noch zwei zusätzliche Jahre Allgemeinbildung anbietete.

Ich hatte ein paar Probleme damit, mich mit der Idee anzufreunden, freiwillig zwei Jahre auf ein Community College und nicht direkt auf eine Universität zu gehen – da sind  das europäische und amerikanische System einfach inkompatibel – aber dank meiner Eltern klappte dann alles und ich konnte mich als internationaler Student am Santa Monica College einschreiben. Nach zwei Monaten Heimatbesuch in Österreich kehrte ich nach LA zurück und begann im Sommer 2009 meine ersten Kurse – Ethik und Rhetorik. Ich zog in ein billiges Zimmer – 500$ monatlich sind ein Scherz für LA-Standards – und war nun geographisch nahe an Lorena und dem College.

Der Beginn vieler Freundschaften und Filmunternehmungen

Wenige Monate nach Studienbeginn trat ich dem SMC Filmclub bei und konnte mich zum ersten Mal mit Leuten umgeben, die dasselbe Ziel wie ich hatten – Filme zu machen. Kurz darauf traf ich einen Jungen namens Joshua in einer TV-Broadcastingklasse und freundete mich mit ihm an; wir entschlossen uns, zusammen Filme zu drehen, und unser erstes Projekt würde um einen Bekannten von mir handeln, der ein intelligenter, soviet-Armenischer Doktor war und jetzt als fast Obdachloser in einer Wohnung in Hollywood haust. Als reines Training gingen wir nach Venice Beach, einem Strand in LA, auf dem viele Verrückte und schräge Gestalten Kunststücke aufführen und sich präsentieren. Nach einigen Ausflügen dorthin erschien es uns wert, einen ganzen Film daraus zu machen – und so entstand mein allererster Film, Faces of Venice, bei dem mir ein Freund aus dem Filmclub, Greg, mir zeigte, wie kraftvoll Filmschnitt sein kann; wir gaben ihm mehr oder weniger einfach unser Material und er machte einen Film daraus.

Nebenbei konnte ich eine Helfsposition in der Studentenregierung erlangen, durch die ich nicht nur einiges über die “Associated Students” und deren ca. 1-millionen-Dollar-Budget pro Jahr herausfinden konnte, sondern auch einige Möglichkeiten zur künstlerischen Entfaltung fand, wie etwa das Halloween Football Fotoshooting, bei dem ich mit 11 Footballspielern eine Szene kreieren konnte.

Japan+Österreich=Film

Screenshot aus der Pontiac Firebird-Werbung, die Hiroki und ich in der Mojave Desert geschossen haben.

Screenshot aus der Pontiac Firebird-Werbung, die Hiroki und ich in der Mojave Desert geschossen haben.

Am SMC Filmfestival im Winter 2009 traf ich dann einen meiner besten Freunde, Hiroki, der ebenfalls einen Film einreichte und zu allem Zufall in dem selben Apartmentkomplex wie ich wohnte. Wir trafen uns bei mir auf dem Teppich zu Reise und Sprite und brainstormten über einen grossartigen Kurzfilm, der in der Wüste passieren sollte. Da wir im Frühling 2010 irgendwanneinmal nicht mehr weiter wussten und unsere Geschichte stockte, entschieden wir uns, für ein Wochenende in die Wüste zu fahren. Obwohl mein Mechaniker mir davon abriet, meinen Pontiac Firebird auch nur einen Schritt weiter, und schon gar nicht in die Wüste zu fahren, stopften wir den gelben Vogel voll mit Krimskrams, das ich angesammelt hatte – und verwandelten unsere Inspirationstour durch die Mojave-Wüste in einen improvisierten Pontiac Firebird Werbespot. Dabei stellte sich heraus, dass Hiroki und ich so etwas wie parallele Gedankenstränge hatten und unglaublich effizient zusammenarbeiteten.

Es folgten viele Filmprojekte, bei denen ich aushalf und am Set war, darunter eine riesige 50.000$-Unternehmung eines UCLA-Studenten, der seine Dissertation in eine fette Kurzfilmproduktion verwandelte. Hiroki und ich arbeiteten weiter an unserem Konzept, doch hatten ausser dem Firebird-Commercial kein Projekt bis kurz vor Sommer 2010, an dem meine ehemalige Schauspiellehrerin Julia Koch aus Wien zu Besuch kam, und wir uns dazu verabredeten, ein paar Szenen für ihr Schauspiel-Reel zu machen. Statt ein paar laangweiligen Gesprächen sahen Hiroki und ich unsere Chance, jede Szene zu einem Minifilm zu verwandeln und auch für unser Reel etwas zu schaffen. So entstanden dann die Filme “The Cliff” (Regie: Hiroki), “Phonebooth” (Regie: ich) und “Chinatown Love Rectangle” (Regie: ich).

Das nächste Level als Director of Publicity und mit dem Kurzfilm “Terminated”

Im Sommer 2010 mit Lorena und Ronald beim Wandern

Im Sommer 2010 mit Lorena und Ronald beim Wandern

Im Winter 2009 wie auch Anfang 2010 kam ich dann durch verschiedene Zufälle zwei Mal in die Collegezeitung. Ende Frühling 2010 gab es Wahlen für die Studentenregierung, und trotz rigorosem Wahlkampf verlor ich den Kampf um die Position des “Director of Publicity”. Umso überraschender war es dann, alss ich während meinem zweimonatigem Urlaub in Österreich die Nachricht via Facebook bekam, dass die Position wieder frei wurde (der Wahlsieger hatte zu schlechte Noten), und meine Chancen wieder gut standen. Nach einem Familienurlaub auf Kreta, einer tollen Heimaturlaubszeit in Wien und ein paar Verrücktheiten in Bremen kehrte ich nach Los Angels zurück und wurde nach einem Interview in die Studentenregierung als Director of Publicity aufgenommen.

Durch eine anspruchsvolle Filmproduktionsklasse und einem guten Ratschlag von Lorena begann ich mit der Entwicklung meines ersten grossen Kurzfilms, “Terminated”. Und auch wenn die Realitaet dem Blog schon zwei Monate voraus ist, so muss ich hier jetzt Schluss machen – ich will ja nichts vorwegnehmen.

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Ein Panoramafoto meines derzeitigen Zimmers - links sehen Sie eine Auswahl meiner Fotografien und 3D-Werke, rechts das ungemachte Bett (die Laken sind in der Wäsche), und ganz rechts ein Haufen Bücher, mit denen ich dank Analphabetismus wenig anfangen kann.

Ein Panoramafoto meines derzeitigen Zimmers - links sehen Sie eine Auswahl meiner Fotografien und 3D-Werke, rechts das ungemachte Bett (die Laken sind in der Wäsche), und ganz rechts ein Haufen Bücher, mit denen ich dank Analphabetismus wenig anfangen kann.

About the Author

Tobias Deml is an Austrian Filmmaker and Visual Artist. 2012 Cinematography Reel: http://vimeo.com/53973421 Tobias Deml ist ein österreichischer Filmstudent und Möchtegernregisseur in Los Angeles. Er arbeitet derzeit als Kameramann in Los Angeles und popelt in seiner Nase.